grall,
m. ,
im 15./16.
jh. ablautend neben seltenerem grell,
m. (
teil 4, 1, 6,
sp. 102)
wie das seltenere grall,
adj. (
s. d.)
neben häufigem grell,
adj. (
s. d.);
standen also ursprünglich nur subst. grall
und adj. grell
nebeneinander? beachte auch, dasz gemeindt. groll
nur subst. ist. zur herleitung des wortes ist das ehemals starke verb 1grellen (
teil 4, 1, 6,
sp. 104)
zu vergleichen. wie dieses so zeigt auch grall
im nd. und hd. getrennte bedeutungen. 11)
im mnd. von starken unmutsregungen, die älteren bedeutungen des ablautenden, aber mehr dem hd. zugehörigen groll (
teil 4, 1, 6,
sp. 429)
vertretend. die zeugnisse stehen meist im zusammenhang mit den seit dem ende der 80
er jahre des 15.
jhs. in Braunschweig herrschenden unruhen und tumulten. in der prägnanten bedeutung '
zorn'
genau dem adj. grall, grell 1
und dem vb. 1grellen 1
entsprechend und mit groll II 1
übereinstimmend: van one wart nemant gespart, up wen or gral was togekart, he were here effte knecht, eyn yder man krech syn portrecht (
bekam sein teil) (
Braunschweig 1492)
städtechron. 16, 129; se (
der rat) ghinghen sampt up de smede unde dar vorboden leten, in rade so se do seten, de gyldemesters degher al (
allesamt) umme oren scheel unde grAel
ebda 106; unde or (
der bürger) grall unde scheyl was dutte, dat de rad one des nicht verwitliket (
kundgetan) hadden vor der tiit ere se de vordracht gemaket myt den fursten unde steden (
Braunschweig 16.
jh.)
ebda 448; (
der erzbischof) was eyn grave to Schrapelauwe, he wart vorschunt van sinen dompapen, dat he nige tollen, nige cise binnen Megdeborch upsattede, dar he in unwillen unde gral kam mit den borgern, so dat he mit Oene krigede unde kyvede C. Abel
slg. etl. noch nicht gedr. alt. chron. (1732) 227.
in dem mehr durativen sinn von '
erbitterung, hader, aufruhr'
entspricht das wort groll II 2;
ein einflusz von gral,
m. 3 b
γ her ist nicht ausgeschlossen, zumal durch vokaldehnung eine lautliche annäherung beider wörter eintreten konnte; andererseits scheint grall
in dieser bedeutung auf das von gral,
m. abgeleitete, für Braunschweig bezeugte vb. gralen 2
einzuwirken: so scholde alle grael unnde unwille bigelecht wesen (
Braunschweig, ende 15.
jhs.)
in: zs. d. hist. ver. f. Niedersachsen (1863) 221; unde brachte so vele grals mangk de borger unde gramsalicheyt uppe de borgermester (
Braunschweig 1514)
städtechron. 16, 350; na deme dat se (
die bürgermeister) rede (
bereits) vul grals weren des kriges halven, so makeden se eynen nigen gral myt stemperie (
aufwiegelung)
ebda; nicht dat dut (
zwietracht und streit in der stadt) der munte schult was, men dat was eyn anhevyngk dem volke grall to maken derjennen dede to der twidracht geneghet weren
ebda 426. 22)
im hd. nur in der bedeutung '
schrei'
; vgl. 1grellen,
vb. 2: vor laid (
weil der tagesanbruch die liebesnacht beendete) liesz sy (
die geliebte) ain lautten gral: obe, mein fräd die gatt ze tal, ach tag, das dich got schende
liederbuch d. Hätzlerin 22
b Haltaus; do schrey der jud mit lautem gral
fastnachtspiele 1122
lit. ver.; solch grosse schmach vnd marter all litt er (
Jesus) dultig on allen grall (1517) Kehrein
kath. kirchenl. 3 (1863) 87; vnd (
der ritter) stach aüf sie (
die heiden) mit zornes gral Hans Sachs
s. fabeln u. schwänke 3, 27
ndr.; aber als ... der graff mit seim anhang hinein kam (
in das schlosz), erwürgten sie den portner, doch so liesz er ein lauten grall, das erhört der graff von Dampmartin
history von Hug Schappler (
Straszburg 1537
bei Bartholomäus Grüninger) 45
b (
der erste druck [
Straszburg 1500
bei Hans Grüninger] 39
c hat statt dessen schrey).
hierher gehört vielleicht auch gral
in einer Heidelberger hs. des 15.
jhs. statt gal
der übrigen hss., wenn nicht bloszer schreibfehler vorliegt: swenne man dar an (
ein alarminstrument) geslg, so wart der gal (
var. H gral) und der doz also wit und also groz Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 1211
Regel. mit vokaldehnung kärnt. grâl (grâlar) '
schrei' Lexer 120; krâl (krâler) '
schrei, lärm'
d. dt. mundarten 3, 120
Frommann.