gräschen,
n. ,
dim. zu gras (
s. d. bes. III);
vgl.grAeschen
herbula Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 635. 11)
grashalm, einzelnes grasblatt. 1@aa)
in sachbezogener anwendung, wobei der sing. auch auf die ganze gattung zielen kann: desse born (
im paradies) vloyede somtijd uth unde makede vuchtich de krude unde dat greseken Joh. Veghe 312
Jostes; das beste futter der schafe, davon sie fett werden und guten talch oder unszlet laden, ist das liebliche junge gräszgen, daz heraus wächst wann die brachfahre und wendfahre geschehen ist
viehbüchlein (1667) 53; ein schmetterling flieget empor, und läszt das wankende gräschen zurück Sal. Gessner
schr. (1777) 1, 109; niemand dürft eine blume rupfen, niemand an einem gräschen zupfen Rückert
ges. poet. w. (1867) 2, 194.
häufig im plural: und gedenckt (
ihr liebenden), wie dieses (
frühlings-)wetter alle gräszgen, alle blätter günstig in einander windt Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. gedanken 119
ndr.; dann wirft er sich nieder, stekket sein haupt in den staub, bedekket mit tränen die gräsgen Lenz
ged. 30
Weinhold; die kleinen gräschen nickten in der abendluft O. Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 619. 1@bb)
besondere anwendungen beruhen auf der vorstellung der winzigkeit und bedeutungslosigkeit des grashalms und der häufigkeit seines vorkommens. 1@b@aα)
in dem sinne, dasz sogar ein unbedeutender grashalm von etwas betroffen wird oder eine funktion erfüllt: ein gräschen wil uns sagen, ein blat uns vor-wil tragen was unsre pflicht sol seyn
bei Fischer-Tümpel
evang. kirchenlied (1903) 3, 50; er (
gott) erquickt das gräschen, seines odems hauche beleben die gluth der sonne Stolberg
ges. w. (1820) 3, 370. jedes gräschen: er (
der rauhreif) hängt und schimmert von jedem blatt, von allen zweigen, von jedem gräsgen Brockes
jahreszeiten (1745) 403; ein jedes gräsgen spricht und lehret: es ist ein gott, der mich erschuff Drollinger
ged. (1743) 7. das kleinste gräschen: ist das kleinste gräschen ein beweis gottes; wie sollten die kleinsten handlungen der menschen weniger zu bedeuten haben? Hamann
schr. (1821) 1, 138; nach den grünen bergen schaut sein (
des tieres) blick, das kleinste gräschen spähets auf Herder 11, 302
S. 1@b@bβ)
ins negative gewendet, kein gräschen: hingegen will bey ihnen (
den alten) kein gräszgen ferner grünen, weil sich an ihren wangen der winter angefangen (
in übertragenem zusammenhang) Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. gedanken 61
ndr.; bald schwand die ganze gegend meinem blick; kein gräschen rief ihr bildnis mir zurück Mereau
ged. (1800) 2, 70; dort war also vielleicht schon sturm, während bei uns sich noch kein gräschen und kein laub rührte Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 79.
ähnlich: eine so versengte gegend als diese, die einem baume so wenig wurzel zu schlagen, als einem gräschen zu keimen erlaubt Thümmel
s. w. 4 (1839) 105. 1@b@gγ)
in bildlichem zusammenhang, ein allerkleinstes bezeichnend: dann hat sich oft aus hälmchen und aus gräschen entsponnen zwischen uns ein hadersträuszchen, doch oftmals auch gewebt ein liebeskränzchen Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 314; ist dir die liebe der faden, woraus das weltall gesponnen, der alles wesen und selbst gräschen und sterne verknüpft Waiblinger
ged. aus Italien 2, 62
Gr. 1@b@dδ)
in redensartlichem gebrauch: bescheret gott ein hAesigen, so bescheret er auch darzu ein grAessigen J. Prätorius
philos. colus (1662) 3; findt jedds häslich sa gräslich
württemberg. vierteljahrshefte 12 (1889) 73. das gräschen wachsen hören '
genau unterrichtet, schlau sein',
der entsprechenden redensart unter gras I D 1
gegenüber weniger abfällig: man rühmet, ihr (
ein abt) wäret der pfiffigste mann, ihr hörtet das gräschen fast wachsen, sagt man Bürger
s. w. 66
a Bohtz; Napoleon, der von Elba aus jedes gräschen in Frankreich wachsen hörte, wuszte dies alles G. Jahn
d. dt. befreiungskriege (1863) 248. 22) gräschen '
grasährchen, spicula, ein botanischer kunstausdruck für den blüthenstand der gräser' Behlen
forst- u. jagdkunde (1840) 3, 495;
vgl.grasährchen,
grasblüte.