gradation,
f. ,
vereinzelt auch in der schreibung gradazion Heinse
s. w. 5, 202
Sch.; J. v. Soden
Psyche (1801) 10,
die vielleicht an ital. gradazione
anknüpft. zufrühest im 16.
jh. belegbar, scheint das wort erst mit der zweiten hälfte des 18.
jhs., vielleicht unter einflusz von frz. gradation,
eigentlich sprachläufig zu werden. heute nicht mehr geläufig. 11)
im sinne von '
steigerung'. 1@aa)
allgemein: dasz da ein gradation ist, die da exaltiert quintum esse Paracelsus
opera 2, 380
Huser; es wird sich vielleicht ein andermal gelegenheit finden, diese gradation von bedeutenden zu mahlerischen, von mahlerischen zu pantomimischen gesten, ihren unterschied und ihren gebrauch, in beyspielen zu erläutern Lessing 9, 199
L.-M.; dasz sie sich selbst mit gutem grunde zutrauen könne, ihn, durch die gehörigen gradationen zu einem zweyten und vielleicht standhaftern Alcibiades zu machen Wieland
Agathon (1766) 1, 168; diese allmähliche gradation des affekts ... ist das meisterstück, der triumph der kunst Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 121
lit.-denkm.; gradation in absicht auf den werth und stoff der ausführung. 1) erstes modell allenfalls in gips abgegossen, 2) in thon ausgeführt, 3) in marmor ausgeführt Göthe I 48, 246
W.; will man aber für die möglichkeit jener philosophisch genannten verfassungen ... die höchste gradation von gerechtigkeit ... forderen: so heiszt dieses nicht nur auf unmöglichkeiten bauen Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 268. 1@bb)
in besonderer anwendung. 1@b@aα)
für '
klimax'
als rhetorischen begriff: gradation, ein auffsteigung von eim wort in das ander: als bey dem heyligen Paulo. wir wissen das trübsal gedult bringt, die gedult aber bringt erfarung, die erfarung aber bringt hoffnung, die hoffnung aber laszt nit zu schanden werden Simon Roth
dict. (1571) G 7
b; das beyspiel ist die gradation, deren gegentheil, das anticlimax, welches in ernsthaften gedichten ein grober fehler ist, und zum bathos gehöret, in der komischen heldenpoesie vortrefflich wird Dusch
verm. schr. (1758) 16; gemeine leute fangen, wenn sie zierlich reden wollen gerne mit 'sondern' an oder brauchen die wörter 'theils' und 'entweder' ohne die dazugehörigen.
n. b. auch 'vielmehr' wo gar keine gradation statt findet Lichtenberg
aphorismen 151
Leitzm. 1@b@bβ)
älter vereinzelt in direktem anschlusz an 1gradieren,
vb. (
s. d. 1 b
α): also gleich in solcher arth, begegnet auch den glasern: vnd jhres gleichen den goldschmiden: den mntzern, die solch zusAetz, schmeydigkeit, flsz, gradation, cement vnd dergleichen suchen vnnd machen Paracelsus
opera 1, 658
Huser. von gradieren 1 a
her bei Fischart,
jedoch nicht im anschlusz an Rabelais
oder älteren französ. sprachgebrauch: ferner giengen sie publicas lectiones zuhOeren, die solen (=
solennen) actus mit jhrer gegenwart zuehren, zu den doctormalen, magistrirungen, promotionen, gradationen, degradationen, disputationen, quotlibeten, comOedien Fischart
Garg. 296
ndr. 22) '
abstufung, abschattierung, allmählicher übergang, abgestufte veränderung': allein der geist und die sinnen versanken durch eine unmerkliche gradation in den vollständigen grad von unempfindlichkeit Füeszlin
v. d. gesundheit (1768) 25; der hintergrund ist ... ein leuchtendes hellbraun, das ... sich durch unmerkliche gradationen immer mehr bräunt
Europa (1803) 2, 98
Schlegel; schon ganz frühe gesellt sich daher zu dem lebendigen reichthum der fantasie, zu der ritterlichen heldengrösze des romantischen gedichts eine leise ironie ... und auch unser Wieland ... hat zwar die gradationen dieser launichten mischung fast in jedem seiner romantischen gedichte verschieden ... anzuwenden versucht, ist ihr selbst aber in allen durchgängig treu geblieben Fr. Schlegel
s. w. (1846) 5, 132; sie (
die bisherige art der bündniskriege) war eine halbheit, eine anomalie, denn krieg und friede sind im grunde begriffe, die keiner gradation fähig sind Clausewitz
vom kriege (
71912) 639; der hochton ist die spitze des tons und nur einer, der tiefton als gegensatz das auf und absteigen zu und von jenem, also nothwendig von unerfaszlicher gradation Jac. Grimm
briefw. 1, 235
Leitzm.; durch das wort berge irre geführt, das wir im deutschen sehr unbestimmt gebrauchen, wo der ausländer ... die gradationen derselben (wie coteaux, collines, montagnes, hillocks, hills, mount) unterscheidet Ritter
erdkde (1822)
teil 1, 72; kaum hatte ich diese worte gesprochen, ... so stürzte unser wagen plötzlich und ohne alle gradation ... von einem steilen abhang herab Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 2, 353; wie bei der anlage eines kolorits die lokalfarben lieber blasser als dunkler angelegt werden, weil dieser blaszre ton leichter vertieft und dunkler gemacht ist, während der dunkler angelegte nicht mehr gemildert werden kann, so wähle man bei der ersten ausführung eines dramas den grundton lieber der prosa oder der ruhe, der heiterkeit näher, als ferner; man erhält dadurch gröszre möglichkeit, mannigfaltig zu sein; man hat eine ungeheure breite der gradation des tones vor sich O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 479; gewisz, fürsten und vornehme so gut wie finanz- und geschäftsleute aller zeiten haben aus prachtliebe und machtlust heraus gesammelt — der gradationen sind hier ebenso unzählige J. Schlosser
präludien (1927) 408.