lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

grablied

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
5 in 5 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
5
Verweise raus
8

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grablied n.

Bd. 8, Sp. 1619
grablied, n. , seit dem 16. jh. bezeugt, im 17. und 18. jh. häufig, auch in ungebundener rede, grabelied, im 19. jh. nicht selten grabeslied. bedeutungsmäszig wie grabgesang (s. d.). 11) beim leichenbegängnis und am grabe gesungenes oder für diesen anlasz bestimmtes lied, begräbnischoral: das schöne grablied von Job Josephs schwagern ..., welches wir noch heutigen tags in vnsern begengnussen singen. ich glaube das mein erlöser lebet Mathesius ausgew. w. 1, 28 Loesche; die ersten christen aber haben dieses geheule abgeschafft, und hingegen tröstliche grabelieder eingeführet J. D. Ernst denkw. (1700) 175; und als die dumpfe glocke bald, die einzige, verklungen, da ward ein heisres grabeslied, ein einz'ger vers gesungen Uhland ged. (1898) 1, 467; der kirchenchor sang ein grablied J. M. Bauer d. notthafften (1931) 314. selten in auszerchristlichem zusammenhang, hierher, wenn nicht zu 2: Ossian läszt dem mörder seines sohnes das grablied absingen, ohne welches man damals glaubte, dasz die abgeschiedene seele nicht glücklich seyn könnte Haller tageb. (1787) 1, 293. 22) als lied oder gedicht auf einen verstorbenen, das den toten beklagt und ehrt, an den akt der bestattung nicht mehr unbedingt gebunden und oft, sofern es sich um ein elegisch-lyrisches gebilde handelt, von diesem ganz gelöst; namentlich im gebrauch des barock und bis in die dichtung der empfindsamkeit hinein, aber kaum darüber hinaus; vgl. grablied poema in lode d'un defunto M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 553b: der eheliche stand ..., von dem eben vnter der phrasi und beschreibung könig David redet in seinem grablied, das er dem Jonathan verfertiget 2. Sam. 1 M. Walther erläut. d. proph. Daniel (1645) 4, 198; ei! so wil ich (Zesen) noch erschwingen meine stimm' und letztlich singen dir ein traurigs grabelied (in form eines gedichtes) Zesen verm. Helikon (1656) 3, 63; so wird der frauen preisz, die Reusznerin, gefällt (sie stirbt), der meiner musen mund ein traurig grablied singet Pietsch geb. schr. (1740) 201; grablied. schlaf, schwester, sanft im erdenschoos! du bist des bittern jammers los Miller ged. (1783) 287; die rührende stimme seines (Ewald von Kleists) grab- und geburtsliedes ... tönt noch jedem leser ins herz Herder 17, 66 S.; vgl. 5, 418. 33) lied eines sterbenden. im 17. jh. gern auf das angebliche singen sterbender schwäne bezogen, vgl. dazu s. v. schwan 2, teil 9, 2204f.: wie sonderlich der schwan sein süsses grabelied jhm selber tichten kan Opitz teutsche poemata 64 ndr.; vgl. 38; in welchem verstande denn auch für keine falschheit zu halten ist: dasz die schwanen annehmliche grabelieder singen Lohenstein Arminius (1689) 2, 219a; vgl. 1, 611b; im 9ten stücke (eines militärischen journals) findet man ein grablied eines soldaten ... ferner ein lied eines soldaten, der das land mit seinen kindern bauet allg. dt. bibl. (1765) 62, 249; grablied. geht nun hin und grabt mein grab, denn ich bin des wanderns müde E. M. Arndt w. 5, 53 R.-M. 44) lied, das tod, grab und vergänglichkeit zum gegenstand hat: dieser glaubigen und jetzt seligen seelen gedencke ich alhie gerne, denn also werde ich teglich menschlichs elends vnd sterbligkeyt erinnert, vnd lerne mich auch auff ein seligs stündlein schicken, vnd singe mein requiem vnd grablieder deste sehnlicher Mathesius ausgew. w. 4, 5 Loesche; esz ist der saitenklang zwahr liblich anzuhören, der würger aber läst sich nicht dadurch bethören, ein christlichs grabelied mit ernst herfür gebracht vertreibt viel kräfftiger die finstre todesnacht Rist neuer teutscher Parnass (1652) 813; grablied. auf! laszt uns fröhlich singen ein lied von tod und grab! E. M. Arndt w. 1, 194 L.-St. 55) im anschlusz an 4 auch allgemeiner und mit negativem akzent, soviel wie 'trauerlied': dem ist das fröhliche zu scheckernd possenhaft, und jenem eben das ein grablied ohne kraft Lessing 1, 251 L.-M.; jeder dünkt sich behaglicher, wenn er solo irgend ein lamentables grablied oder ein jammervolles bedauern verlorner liebe singt ... ich lasse ihnen dergleichen wohl zu ... und verwünsche dabey die Matthissons, Salis, Tiedgen, und die sämmtliche clerisey, die uns schwerfällige Deutsche sogar in liedern über die welt hinaus weist, aus der wir ohnehin geschwind hinauskommen (anspielend auf einen von G. gegründeten singchor) Göthe IV 20, 9 W. 66) uneigentlicher und übertragener gebrauch wurzelt vornehmlich in der bedeutung 1. dabei erscheinen das grund- oder das bestimmungswort, manchmal auch beide zugleich, in uneigentlicher bedeutung: ein jeder stundenschlag spielt uns ein grablied vor Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 185; uhus, eulen sollen mir mein grablied heulen Weinhold Heinrich Christian Boie (1868) 318; er soll ruhn am Rhein, und ewig soll der Rheinstrom ihm das grablied brausen Grabbe w. 2, 249 Bl. gern zu grab C in dessen allgemeiner bedeutung 'tod, ende, untergang': o mein gefangnes volck, ihr weiber, schlagt die brüste, singt Trojen grabelied, das nun liegt öd und wüste Opitz opera (1690) 1, 211; (ein alter spanischer soldat murmelte, als er das niederl. lied 'ein prinze von Oranien' hörte:) 'da ist sie schon wieder, diese gottverfluchte weise, das grablied von Spaniens macht und ehre' W. Raabe s. w. I 5, 512 Klemm. hier besonders in der verbindung jem. oder einer sache das grablied singen 'tod und untergang ankündigen': wie könnt er doch vor diesen tisch mich laden, von richtern, herzlos, die, den eulen gleich, stets von der kugel mir das grablied singen H. v. Kleist w. 3, 74 E. Schmidt; bis Diderot und seine freunde in ihren dithyramben jeder königswürde das grablied sangen Böttiger kl. schr. (1837) 3, 214.
5655 Zeichen · 112 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grablied

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Das Grablied , des -es, plur. die -er, ein Lied, welches bey dem Grabe, d. i. Begräbnisse einer Person gesungen wird; wo…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grablied

    Goethe-Wörterbuch

    Grablied ‘lamentables G.’ abwertend für sentimentales Klagelied B20,9,9 Zelter 22.1.08 Syn Leichencarmen Totengesang Tot…

  3. modern
    Dialekt
    Grabliedn.

    Pfälzisches Wb.

    Grab-lied n. : 'Begräbnislied', -lied [verbr.]; vgl. Totenlied , Grabgesang . Südhess. II 1434 ; Bad. II 457 . —

Verweisungsnetz

15 Knoten, 12 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 10 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grablied

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von grablied 2 Komponenten

grab+lied

grablied setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grablied‑ als Erstglied (1 von 1)