gottgefällig,
adj. ,
vereinzelt mit -s-
in der fuge: gotsgefellig Hedio
chron. Germ. (1530) 51
a; gottsgefellig Stumpf
Schweizerchron. (1606) 81
a; gottsgefällig Mi
Mecklenb. 28.
seit dem 16.
jh. belegbar. 11)
als religiös-ethischer wertbegriff, vorwiegend in christlichem sprachgebrauch. in der vorstellung göttlichen wohlgefallens an menschlicher haltung oder leistung und in den dahin gehörigen wendungen unter gott I C 3 b
γ wurzelnd, in der anwendung aber vornehmlich mit dem charakter eines objektiven wertbegriffs im sinne von '
fromm, gut, rein'
u. ä. 1@aa)
als prädikat menschlicher haltungen, gesinnungen und handlungen: aber da gegen fichtet nu, das solcher gotgefelliger weg ... verworffen wird von den gottlosen Luther 19, 563
W.; an stat eines gottgefälligen morgengebets, läst diese dirne ein üppiges buhlliedlein hören Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 6; so ist sie (
die gottesgelehrtheit) doch nicht im stande, ihn (
den menschen) zu gottgefälligen handlungen tüchtig zu machen Schwabe
belust. (1741) 7, 248; wenn er (
der mensch) sich seiner aufrichtigen gottgefälligen gesinnung bewuszt ist Kant 5, 263
akad.; Annunziata kniete in Santa Maria Castella und Lauro sasz im vorhof der kartause von Camaldoli, beide ohne frömmigkeit, ohne gottgefällige gedanken Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 106.
in auszerchristlichem bereich: solche vorstellungen von gottgefälliger menschentugend ... brachten die orfischen geheimlehrer J. H. Voss
antisymb. (1824) 1, 180.
in fester verbindung: vermahnung und auffmunterung zu einem frommen, gott-gefälligen leben Dannhawer
catech.-milch (1657) 6, 565; Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 150.
[] besonders: zudem wir nit zwifeln, dasz es ein gottgefällig werk ist (
das streben nach einigkeit) Luther
br. 8, 8
W.; wer sohn und mutter neben einander einträchtig hätte sitzen sehen, ... der hätte schwören müssen, sie handelten im guten glauben ein gottgefälliges werk mitsammen ab Holtei
erz. schr. (1861) 4, 151.
in dieser verbindung auch spezieller, kirchensprachlich wie gutes werk: für die tradition der güter an die kirche kam noch weiter der umstand in betracht, dasz diese als gottgefälliges werk erschien Schwappach
hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 22; Immermann
w. 6, 85
Hempel; die stickerei von altardecken, meszgewändern und ähnlichem kirchenschmuck ... ist ... ein stilles, gottgefälliges werk, das einer schwächlichen klosterfrau wohl ansteht Werfel
Bernadette (1948) 424.
unter gleichem aspekt: sie eilten die bräuche des verwundeten gewissens im mütterlichen schoosze der kirche abzuwerfen und die zauberin verwandelte den brudermord in ein gottgefälliges opfer J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 176; Anzengruber
ges. w. (1890) 3, 91.
substantiviert: (
er hat) wenig gottgefälliges an sich mercken lassen Schnabel
insel Felsenburg 132, 18
Ullr. adverbial: gesetzt, dasz mancher trotzt, und sein geschlecht erhebt, wer weisz, ob er dabey auch gott-gefällig lebt?
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 146.
modern auch mit ironisierendem nebenton: aus allen teilen des vaterlandes kamen gelegentlich schwarzgekleidete und langhaarige herren (
pfarrer und missionare) herbei, um ein paar tage hier zu verweilen ... gottgefälliger gespräche, einiger nahrhafter mahlzeiten und klingender unterstützung zu heiligen zwecken gewisz Th. Mann
Buddenbrooks (1945) 1, 287; der mann hiesz pastor und noch nicht kirchenrat. er schlosz die augen nicht und war auch nicht so gottgefällig sanft (
wie der frühere pastor) Renn
adel im unterg. (1947) 247. 1@bb)
unter der voraussetzung von a
gelegentlich auch auf sachbegriffe bezogen: was ist also eine reine, untadelhafte, gottgefällige religion? Lavater
verm. schr. (1774) 2, 352; sie wollen den stracken lauf der heilsamen und gottgefälligen justiz hemmen? Möser
w. (1842) 5, 59. 1@cc)
als persönliches prädikat: die apostel Christi, die wirdigen gotsgefelligen menner C. Hedio
chron. Germ. (1530) D 1
a; sie (
die weltleute) kamen sich nicht weniger kostbar, gottgefällig und auserwählt vor H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 2, 23.
auszerchristlich: entsinst du dich des mannes nicht, ... des edelsten, des gottgefälligsten aller sterblichen (
des Sokrates)? Meissner
Alcibiades (1781) 4, 328. 22)
als objektiver wertbegriff auszerhalb eigentlicher religiösethischer wertung; für zuständliches oder sachlich gegebenes, an dem gott gefallen hat, ohne dasz eine auf gott bezogene leistung vorauszusetzen ist, wohl nur jüngeren gebrauchs: wo wir (
knaben) ... im eignen, schönen gottgefälligen flore blühten, ... einander freundschaft schwuren, theilnehmung an kummer und freuden Maler Müller
w. (1811) 1, 351; Immermann
w. 2, 49
Hempel; der zufall wollte es nun, dasz drauszen im garten eben eine amsel ihr reines, gottgefälliges liedchen zu flöten begann Ginzkey
meistererz. (1940) 128.
auszerchristlich: so wurden in die fundamente von tempeln ... teile von menschen, z. b. das für besonders gottgefällig gehaltene auge, eingegraben Ratzel
völkerk. (1885) 2, 124.
in scherzhaftironischem gebrauch, wohl in anlehnung an die entsprechende verwendung von göttlich (
s. d. C 5 b; 6): die jugend hat ein gottgefälliges talent, gräber niederzutreten: der schulplatz ist ein alter kirchhof (1860) W. Raabe
s. w. I 3, 372; als die thüre sich weit öffnete und ... der bankier Christian Gumpel, mit seinem wohlhabenden lächeln und gottgefälligen bauche hereinwatschelte H. Heine
s. w. 3, 296
Elster. 33)
sehr selten als bezeichnung für etwas, was in gottes belieben, in seinem freien ermessen steht, auch dies im anschlusz an gott I C 3 b
γ: solichs (
die fähigkeit, die mönchsgelübde zu halten) wirt allein verlyhen denen es
[] von ewigkeit von got berait ist. welcher gottgfelliger ordnung, von wenigen auch wenig nach gedacht wirt vor dem ingang des klosters Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 27
ndr.; (
ich) verschreibe meiner schwägerin ... für meiner verpflegung ... von 1 ten iully 1813 an bis zu meinem gottgefälligen ableben wochentlich fl 1 (1816)
Bozner schreibschriften 138
Santifaller. —