glück(s)stern,
m. ,
glückbringender stern, glück. 11)
in der astrologie der das leben des menschen günstig bestimmende stern; als benificae stellae gelten Jupiter und Venus und meist auch der mond, doch ist auch die gestirnstellung von groszer bedeutung, s. hwb. d. dt. aberglaubens 4, 342
ff., bes. 364,
und nachtrag; auszerhalb des astrologischen fachschrifttums, wo zumeist andere termini gebraucht werden, ist die eigentliche bedeutung in der literatur selten: also dasz dieser stamm den liebesstern in warheit für einen glücksstern rühmen kan Lohenstein
Arminius (1689) 1, 119
b; die schiffer dörffen sich sehr nicht beym ungewitter über dem anblicke der zweyverschwisterten glücksternen ... vergnügen
ders., Ibrahim sultan zuschr. (1679) a 3; der himmel ... verwandele alle cometen in glückssterne Ziegler
asiat. Banise (1689) 307; so weit fleisch und blut und mein glückstern es vorbestimmt J. H. Voss
Shakespeare 2, 164; ich fragt einen stern am himmel: willst du mein glückstern sein? Hoffmann v. Fallersleben
ges. w. (1890) 1, 386; alle glückesstern im bunde hätten weihend ihm gelacht, wenn die mutter eine stunde früher ihn zur welt gebracht Uhland
ged. (1898) 1, 223; jeder mensch hat am himmel seinen stern, das ist sein glücks- oder unstern Rosegger
schr. (1895) I 4, 64;
abgeblaszt: zeige mir deine hand, ich verstehe mich aufs wahrsagen; lass sehen, was dein glücksstern dir verheiszt Musäus
volksmärchen 2, 130
Hempel. 22)
in bildlicher anwendung. 2@aa)
derjenige, der wie die stella benifica das glück gewährleistet, zum glück führt: wie die bürger des Gelanors ansichtig worden, vermeinten sie sämptlich ihren glücksstern zu sehen Opitz
Argenis (1626) 2, 510; es wären kluge räthe allerdings die rechten glückssterne eines fürsten Lohenstein
Arminius (1689) 2, 984
a; nichts frag ich nach des glückes schertze, es ist mein glücksstern gott allein Schmolck
s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 626; wir führen den fürsten, ... den glücksstern des reichs, zum stuhle des Chechs aus der tiefe herauf Brentano
ges. w. (1852) 6, 309. 2@bb)
in mehr oder weniger ausgeführten bildern für glück: der glücksstern geht auf, erscheint, steigt: da er sich ... bey der jungfer Plutonin so gar arg prostituiret sahe und sich nunmehr gewisz einbilden konte, dasz ihm da in ewigkeit kein glücksstern wieder aufgehen würde Kuhnau
musical. quacksalber 228
lit.-denkm.; sein glücksstern gieng den tag noch heller auf ... Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739) 400; mein glücksstern ist mir aufgegangen, da dein geburtsstern heut erscheint Triller
poet. betracht. (1750) 5, 28; dagegen schien sein glücksstern bey fräulein Ughella aufgegangen zu seyn Musäus
volksm. (1826) 4, 133; es ist nun gewisz, dasz ihnen ... der schöne leuchtende glücksstern aufgegangen E. T. A. Hoffmann
s. w. 12, 82
Grisebach; unverhofft war mir dieser glücksstern aufgegangen L. Richter
lebenserinner. (1909) 355; war ihm denn einst nach wunsch sein glückesstern erschienen Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 2, 100; und da fing eben erst sein glücksstern an zu steigen Hundt
academ. nebenstunden (1713) 293; mit Wallenstein stand er (
Schiller) Napoleons steigendem glücksstern gerade gegenüber Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 445. der glücksstern scheint, leuchtet, glänzt, lacht, ist hell
u. ähnl.: ... bis mir einst ein beszrer glücksstern scheint J. Chr. Günther
ged. (1735) 317; sieh, dein glücksstern scheinet heiter Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 411; (
dasz) ... so lange diese schächer an der spitze der geschäfte stehen ..., kein glücksstern über Deutschland leuchten wird Görres
ges. w. (1853) 2, 593; ein glücksstern leuchtet meinen musikalisehen bemühungen (1812) E. T. A. Hoffmann
an Fouqué bei Hans v. Müller
Hoffmann im persönl. u. briefl. verkehr 2, 87; soll neuer glücksstern ihm ins leben glänzen ... Göthe I 13, 2, 57
W.; und endlich wieder schien über den Deutschen der glücksstern der fridericianischen tage zu glänzen Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 258; mir lachte ... ein besonderer glücksstern E.
M. Arndt
s. w. 1, 128
R.-M.; eur glücksstern brenne stets mit solcher heiterkeit Pietsch
geb. schr. (1740) 149; wird unser glücksstern helle, soll manches armen trost auf unser pflicht beruhn J. Chr. Günther
ged. (1735) 210. der glücksstern sinkt, geht unter, erbleicht, erlischt, schwindet, fällt: während Majos glücksstern so durch die untreue seines künftigen schwiegervaters zu sinken begann Raumer
gesch. d. Hohenst. (1823) 2, 291; also war mein glücksstern auch in der Kurpfalz ... untergegangen Laukhardt
leben u. schicks. (1791) 1, 385; sein glücksstern erblich mehr und mehr v. Döllinger
akadem. vortr. (1888) 1, 310; wenn mein glücksstern nicht erlischt, so hoffe ich im ... märz einrangirt zu werden v. Roon
denkwürdigk. (1892) 1, 73; gegen seinen schwindenden glücksstern Gutzkow
säkularbilder (1846) 1, 81; mit dem ists aus. sein glücksstern ist gefallen Schiller 12, 365
G. dem glücksstern trauen, folgen: ich trau unserm glücksstern nicht Hebbel
w. 8, 117; 9, 92
Werner; wie lange kann Capua ... unserm gesunkenen glücksstern noch vertrauen? Niebuhr
röm. gesch. (1811) 3, 575; wer ... dem glückssterne der rheinbündischen untreue nicht folgen wollte Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 299;
daneben stehen mehr aktive bilder, die zum teil bereits von dem simplex glück
stark beeinfluszt sind: es musz ja mein glücksstern es also schicken, dasz ihr mit mir allerdinge einerley gedanken habt Bucholtz
Herkuliskus (1665) 370; das erstemal, dasz ich zu ihnen aufs bureau komme, führt mein glücksstern sie (
acc. fem.) mir entgegen Schiller 14, 191
G.; dasz mein glücksstern mir ein wunderbar erhaltenes bruchstück aus dem alten deutschen volksleben entgegengeführt hatte Herm. v. Schmid
alte u. n. gesch. aus Bayern (1861) 348; ich preise meinen glücksstern, der euch hierher geführt W. Weigand
renaissance (1903) 3, 89; der glücksstern des Morande hatte also noch die unterzeichnung ... zu rechter zeit bewirkt Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 2, 300; (
die) gefangennahme des Syphax, die dem Scipio sein beispielloser glücksstern zuwarf Mommsen
röm. gesch. (1854) 1, 631; den göttern hats gefallen, mein glücksstern hats begehrt Lohenstein
Sophonisbe (1724) 65; aber mein glücksstern wollte es, dasz ich diesmal dem Bennerschen scheiterhaufen entging Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 2, 236; da nun der glücksstern von langer hand ihn zu verlassen begunte ... A. Olearius
verm. reisebeschr. (1696)
pers. baumg. 14; 64; wie miszlich es um mich stehen könne, wenn nicht ein besonderer glücksstern über mich walte Göthe I 20, 370
W. seinen glücksstern loben, preisen
u. ä.: dein ist der ruhm, doch auch dein glücksstern ist zu loben Schiller 14, 96
G.; und laut preis ich auch meinen glückstern, der wieder von weitem leuchtet Rietschel
an Rauch in: briefw. 1, 155;
zahlreiche wendungen lassen den bildlichen ausgangspunkt ganz auszer acht und setzen glücksstern
völlig mit dem simplex glück
gleich, z. b.: dein glückstern, der in dir bestehet Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 2, 18; dasz dadurch ... der glücksstern ... unter ... angenehmen aspecten ... zu genieszen sey
allg. dt. bibl. 5, 219; kommen sie ... mit mir ..., damit sie den verlauf meines glücksterns vernehmen
Leipziger avanturieur (1786) 1, 153; geschwind nutzt der (
der gauner) den glücksstern, springt zur seite, sodann ins finstre gäszlein Immermann 11, 309
Boxb. 2@cc)
während normalerweise dem einzelnen nur éin glücksstern
zugeschrieben wird, begegnet gelegentlich pluralische auffassung: dann gingen tausend glückssterne für autor und tochter auf Jean Paul 11/14, 22
Hempel; schütteln der hände, gratulationen dem brautpaare — ein glücksstern mehr zu ihrem glück Kürnberger
novellen (1861) 1, 191; diese torte und die trostworte der base das jahr über, begleitet von allerlei sonstigen eszwaren, gehörten zu den wenigen glückssternen des kleinen Kaspars während seiner knabenzeit Hansjakob
bauernblut (1907) 254. 2@dd)
gelegentlich im ironischen gebrauch mit umgekehrtem sinn: auf das theater nehme ich überall keine rücksicht, schon deswegen nicht, weil ich es doch bei meinem bekannten glücksstern nirgends zur aufführung brächte Hebbel
br. 1, 278
Werner.