glücksritter,
m. ,
abenteurer, der auf glück ausgeht; in der zweiten hälfte des 18.
jh. aufgekommen, zunächst wohl im hinblick auf mittelalterliche verhältnisse als '
ritter, der auf glück auszieht': 'glücksritter
ein irrender ritter, welcher auf gut glück, d. i. in erwartung vortheilhafter glücksfälle in der welt herumirrt' Adelung
vers. 2 (1775) 729; wie jene glücksritter des mittelalters Ad. Müller
verm. schr. (1812) 1, 128;
aber sehr bald übertragen und als entsprechung für franz. aventurier
und chevalier d'industrie
gebraucht. 11)
ohne moralisches werturteil '
derjenige, der auf glück oder ruhm ausgeht, dabei die gefahr nicht scheut und sich in gewagte abenteuer begibt, der schweifende, auf sich selbst gestellte abenteurer'
; oft mit leicht verächtlichem nebenton: (
sie liesz ihren gatten) erinnern, um der liebe willen auf seine erhaltung zu denken, und nicht als kecker glücksritter ... abenteuer zu suchen Musäus
volksm. (1805) 3, 271; diese neuen anmaszungen des französischen machthabers erinnern an den römischen glücksritter Rienzo E. v.
d. Recke
tageb. (1815) 4, 97; daher sah man oft menschen, die ein sehr bewegtes leben ... geführt, könige, helden, glücksritter, plötzlich sich ändern Schopenhauer 1, 505
Grisebach; nichts anderes als ein abenteuernder kriegshauptmann war auch könig Pyrrhos von Epeiros; er war darum nicht minder ein glücksritter, dasz er seinen stammbaum zurückführte auf Aeakos und Achilleus Mommsen
röm. gesch. (1865) 1, 388; er (
Napoleon) war mehr als der blasirte glücksritter, für den er sich gab Spielhagen (1877) 9, 325; denn als er (
Friedr. List als auswanderer in Amerika) drüben das glück in einem kohlenflöz fand, griff seine Schwabenhand zu ... aber er wollte ein anderer glücksritter werden als für den eigenen beutel W. Schäfer 13
bücher d. dt. seele (1925) 470. 22)
derjenige, der ohne wirkliches verdienst zu glück, ansehen u. dgl. gelangt bzw. gelangen will, mit eindeutig verächtlichem ton, der dem prahlhans, dem nichtskönner oder dem phantasten gilt: alte sagen, was sie gethan haben, ... glücksritter, was sie thun könnten Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 2, 484; in diesem (
mangel an zartgefühl) wird der dummdreiste glücksritter sich ... rascher ... bewegen, als das überlegene genie v. Brinckmann
filosof. ansichten (1806) 331; fremd bleibt diesem hofe (
Napoleons I.) der ... glücksritter Treitschke
hist.-pol. aufs. 53, 63; (
er) sah sich dadurch ... zurückgesetzt gegen windige glücksritter Justi
Winckelmann (1866) 2, 2, 40; als ob die ihm fremde wissenschaft der anarchie gänzlich preis gegeben wäre, ein feld für glücksritter oder träumer
F. G. Welcker
alte denkmäler (1849) 3, 203;
auf der grenze zu 3: dem monsieur Bastian — diesem windhund, diesem glücksritter, diesem scharlatan Ina Seidel
Lennacker (1938) 482.
mit anderer wendung, von solchen, die erotische erfolge suchen: dergleichen absicht hegte er aber, ein verwöhnter glücksritter, jeder schönen dame gegenüber H. Laube
ges. schr. (1875) 2, 17; ich sehe freylich wohl so ziemlich einem glücksritter ähnlich, aber ich denke, für verliebte abenteuer habe ich zu wenig unverschämtheit ... in meinem gesichte Kotzebue
s. dram. w. (1828) 14, 108. 33)
derjenige, der mit unredlichen mitteln glück, besonders reichtum und macht, erreichen will: 'glücksritter ...
zuweilen auch eine scherzhafte glimpfliche benennung eines spitzbuben' Adelung (1793) 2, 729
a;
vgl. Campe
verdeutschungswb. (1813) 186
b; Pansner
schimpfwb. (1839) 23
b: wer sich wundern sollte, dasz sich ... so viele ... leute ... hintergehen lassen, müszte von der ... geschichte ... so vieler gauner, abentheurer und glücksritter ... nichts wissen
allg. dt. bibl. 26, 275; um einen glücksritter und betrüger auf den thron zu setzen Schiller 15, 2, 482
G.; der ... schar wüster raufbolde, falscher spieler und anderer glücksritter Fr. Halm
ausgew. w. 4, 85
Schlossar; dann praszte er wieder mit einem gesindel von dirnen und glücksrittern Treitschke
dt. gesch. (1897) 4, 125; dieser jeder anständigen soldatischen gesinnung bare glücksritter (
Churchill) hat es fertiggebracht, schon am ersten tage ... die atmosphäre durch ... infame lüge zu vergiften
völkischer beobachter v. 31.
mai 1941. —