glinzen,
vb. ,
glänzen; blinzeln. fürs hd. seit dem mhd. bezeugt, vereinzelt in verschobener form, auch in einem nd. voc. des 15.
jahrh., s. Diefenbach
gl. 134
b s. v. comare. auszerhalb des dt. im nordischen: schwed. mundartl. glinta,
st. vb., '
ausgleiten',
norw. mundartl. gletta,
st. vb., '
gleiten, fehlen'.
mit norw. mundartl. gletta,
schw. vb., (< glantjan),
schwed. glänta '
hervorschimmern, ein wenig öffnen', '
gucken'
; ahd. mhd. glenzen, '
leuchten, glänzend machen'
; me. glenten '
scheinen, blicken',
ahd. mhd. glanz,
adj., '
hell, glänzend',
mhd. glanz,
m., '
glanz, schimmer'
zur basis idg. ghlend-
der wurzel idg. ghel- '
glänzen, glatt sein',
die auch in gleiszen, glimmern
u. a. vorliegt, s. Walde-Pokorny 1, 624
ff.; vgl. auch das nomen glinz: an dem glintz, an dem steinglintz (13.
jahrh.)
bei Schmidt
hist. els. wb. 150
a.
im deutschen herrscht die bedeutung '
glänzen'
; die im nordischen allein begegnende bedeutung '
glatt sein'
ist bezeugt nur für das abgeleitete glinzeln
und mit anderm dental für glinden,
ferner glinsen.
mundartl. ist das verbum oberdeutsch und mitteldeutsch erhalten: Unger-Khull
steir. 295
b; Staub-Tobler
schweiz. 2, 639; Tschumpert
bündner. 606; Martin-Lienhart
els. 1, 260
b;
rhein. wb. 2, 1275; Gerbert
Vogtland 70; Hertel
Thüringen 107; Jecht
Mansfeld 43
a; Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgeb. 1, 425
b.
starke flexion ist nur fürs mhd. bezeugt: glanz (3.
sg. praet.) Ulrich v. Eschenbach (
s. u.);
schwache flexion seit dem 15.
jahrh.: glintzeten (1492)
histor. volksl. 326, 18 v. Liliencron; Luther
w. 28, 675
W.; glintzete Moscherosch
ges. (1650) 2, 797.
sehr häufig ist das part. praes. 11)
glänzen, glitzen, schimmern. 1@aa)
von lichtquellen, bes. von den sternen: den 23. schön, nachts wunderzeichen und glintzende sterne Kepler
opera 1, 462
Frisch; sondern sehen auch das gantze theil desz himmels und nicht nur die so klaar und glintzend sind, ... umblauffen J. de Acosta
America (1605) 3.
auch vom glanz der morgenröte: gleich als die glinczende morgenroth du tochter Syon bist gancz schon und susze
Bonaventuras Maria (1516) S 3
b. 1@bb)
von glänzenden gegenständen, bes. von metallen; so heiszt es von den vier tieren der vision Hesekiels cap. 1: jre füsse waren gleich wie runde füsse und glintzeten wie ein hell glat ertz
Hesekiel 1, 17; der prophet auch des glintzenden ertz inn diser offenbarung gedencket Mathesius
Sarepta (1571) 54
b; alles das auff dem tisch war, das war gülden oder silberen und ubergüldet, das glintzet gar schön C. Hennenberger
erclerung (1595) 296; mit betrowung der von schaide gezognen glintzenden säblen, die kinder all zu stucken zerhawen J. Mayer
wachthäusel (1607) 50; sein rüstung hell und glintzend schön gab durch den fall ein laut gethön Spreng
Ilias (1610) 206a;
sprichwörtlich: es ist nicht alles gold, was glintzet Lehman
floril. pol. (1662) 3, 82;
vgl. dieselbe redensart bei glänzen.
von edelsteinen: es umbringet doch sonsten ein jeglich gelied ein glintzend köstlich steinichen J. Barth
weiberspiegel (1665) H 5
b; keyser Carolus 5. (
hat) ... wie eine perle und glintzendes gestein unter der reye anderer tugendlicher ... regenten ... herfürgeleuchtet H. Rätel
chron. Joach. Curäi (1607) 542;
sonst: die glintzenden sandkörnlein (
nitelae, micae sunt auri colore resplendentes ex arena) Bas. Faber
thes. (1587) 546
b; weiszer, glintzernder, runder, steinichter saame v. Hohberg
georgica cur. 3 (1715) 451
a; sie (
die zähne) sind weisz und glintzen wie helffenbein C. Forer
Gesners fischbuch (1598) 89
a;
vom glanz der augen: die augen glintzen wie einer katzen G. Edelman
hochzeitpred. (1580) M 2
a; ihr liecht scheinet aus ihren fewrigen augen, das glintzet als der fewerblitz J. Böhme
vierzig fragen (1624) 161;
in besonderer verwendung: der tod ... glinzt aus deinen augen Tieck
schriften (1828) 2, 152. 1@cc)
weiterhin vom farbglanz; schon mhd.: dar under lechelichen glanz ein munt durchliuhtec rot Ulr. v. Eschenbach
Wilhelm v. Wenden 1509
Toischer; als bestimmendes wort zu farbe
selbst: verstreichfarb, glintzende farb
color quo meretrices utuntur ad obtengenda corporis vitia P. Apherdianus
method. disc. (1601) 250; schwartze glintzende farbe
coracinus A. Corvinus
fons lat. (1646) 226; das sternkraut hat gestirnte glinzende blumen Tabernaemontanus
kräuterbuch (1664) 716; aus der wurzel entspringen starke rothlechte glinzende gertlein
ebda 1143; sie (
die holdseligen vöglein) glintzen, trutz dem schönsten pfauen, von gold- und rubinenfarbe E. Francisci
ind.-chin. lustgarten (1668) 1, 42; etliche wunderschöne pfauen, welche ... mit ihren gold, blau und meergrün glintzenden federn prangten
ders. lustige schaubühne (1698) 2, 192. 1@dd)
uneigentlich: da zu unser zeit der mönche wercke im bapsthum so schön glintzeten Luther
werke 28, 675
W.; er (
Christus) straffte aber die heuchler, die phariseer, dasz sie lange gebethe vorwendeten und auff den gassen stunden glintzen J. Böhme
schriften (1620) 3, 207. 22)
mundartlich wie glinseln
und glinzeln,
auch '
blinzeln, verstohlen schauen' Martin-Lienhart
els. 1, 260
b;
dazu glinzi '
schieler'
ebda.