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glimpfig

nhd. bis Dial. · 3 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glimpfig adj. adv.

Bd. 8, Sp. 113
glimpfig, adj. adv. , zu 3glimpf, m., oder zum verbum glimpfen. auf deutschem boden seit dem mhd. belegt; mhd. gelimpfec, im älteren ndl. glimpig. daneben stehen seltener präfixlose formen: limpfig Frisius (1556) 1300b neben glimpfig 1422a; limpig brem.-nds. wb. 3, 73. ne. mdartl. begegnet limpey, limpy, dessen ae. entsprechung aber hinsichtlich des präfixes unsicher ist. in der heutigen sprache ist das wort durch glimpflich verdrängt; nur die oberdeutschen maa. haben es daneben bewahrt; Lexer kärnt. wb. 116; Martin-Lienhart els. wb. 1, 259; Staub-Tobler schweiz. 2, 628; Tobler Appenzell 300; Fischer schwäb. 2, 696. schweiz. daneben auch glumpfig von ablautendem glumpf. glimpfig ist nicht immer scharf zu unterscheiden von dem auf glumpf zurückgehenden glümpfig. mit i > e: glempffige ablagerung bei Fischer schwäb. a. a. o. vereinzelt die nebenform glimpfing Reuchlin erste olynthische rede 18 Poland. 11) zu 3glimpf, m., 1 oder 2glimpfen A 1 'angemessen'; vgl. idoneus gelimphig, gelimpick (md. voc. 15. jahrh.) Diefenbach gl. 284b. 1@aa) vorwiegend im sinne von 3glimpf, m., 1 a 'schicklich, anständig': in eren und in tugent glimpffig, hübsch, kurtzweilig und schimpffig Hätzerlin liederb. 1, 40 Haltaus; sihe wie schimpfig, glimpfig ist jr gebert, wie wolgezogen sind jr weibes wort und wandel Hartlieb das buch Ovidii v. d. liebe (1482) 3b; weyl in einem so geringen tractetlein, das gantz glimpffig anzusehen ist, so viel unwarheit stecken, was wirt dann in den groszen lästerbüchern des Schmidlein verborgen liegen? Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1568) 16b; mit solchen worten (würdest du) die schmach und ubelnachredung also glimpfig von dir leihnen und sie auf deine widersächer trechen Höniger narrenschiff (1574) 151b; mit bevelch, sollichs herzog Sigmunden zum füglichsten und glimpfigisten, sie könten, fürzubringen Zimmerische chron.2 1, 517, 15 Barack; als nun derselbig sahe, das er nit vil uszrichten, nam er ein glimpfigen abschidt und zoge wider darvon ebda 4, 167, 15; vgl.: eyn nüwer heylig heisszt Grobian ... herr Glymflus ist leyder dot Seb. Brant narrenschiff 72, 7 Zarncke. häufiger vom sprachlichen ausdruck vgl. unter gelimpf und ungelimpf, adj.: mit senften, glimpfigen worten Brenz bei Fischer schwäb. 3, 696; sie hueb im das mit glimpfigen worten mehrmals uf (dasz er über ein halbes jahr nicht zu seiner gemahlin gekommen war) Zimmerische chron.2 2, 379 Barack; neben entgegengesetzten ausdrücken: darumb (reden sie nicht mehr mit der groben päpstlichen sprache, sondern) suochen sie die allerglimpffigste wort, so sie jmmer erdencken mögen Osiander v. d. falschen lehr d. Jesuiter (1568) 3; das du nit rauhe oder harte, sonder glimpfige und liebliche wort reden sollt J. Lorichius v. d. weltl. eitelkeit verachtung (1586) 361; in abfälligem sinne: wenn aber die person gros ist, ... mus besorgen ein unglimpff odder schaden ... da schnitze ich die wort dünne, machs glimpffig, kan wol feder lesen und mit der warheit unter die bank Luther werke 19, 326 W.; ihr solt ... nicht hören und anhören die glimpffige, verborgene, verzuckerte, guldene, süsze wort eines oder des andern Amasii Abraham a s. Clara Abrah. bescheidessen (1754) 3. 1@bb) zu 3glimpf, m., 1 d oder 2glimpfen A 1 b 'rechtlich begründet, billig, rechtfertigend': gelympig equus Diefenbach gl. 207a; und umb denselben todslag Fulvius für gericht ervordert ward: mocht sin redner die gedat zereinigen oder glimpfig ze machen Fr. Riederer spiegel d. waren rhet. (1493) a 7a; unnd wie wol meyns glympfigen vordrens unnd zuo recht erbietens vormaln genuog were H. Geszler formulare (1511) 61a; alle glimpfige fürwendung, bitt und erbieten Christoph v. Württemberg briefw. 3, 12 Ernst; (wenn du) kanst glympffig verantworten Luther werke 34, 1, 342 W. 22) 3glimpf, m., 2 a oder 2glimpfen A 2 a entsprechend 'milde, nachsichtig': (Paulus) ghet glimpfig mit in (den Korinthern) umb Luther werke 20, 433 W.; (dasz man) all jhr fäl auffs aller glimpffigest darthuot Seb. Franck chron., zeitbuch (1550) 1, 141a; Peter Eterlein beschreibt die histori der Abaceller ein wenig glimpfiger ders. chron. Germ. (1538) 227a; häufig verbunden mit nahestehenden ausdrücken: dan wen man jnen (den römischen priestern) disse narung ... entzogen hat, so werden sie ... ingemein glimpffiger und gütiger werden A. v. Hutten opera 1, 395 Böcking; und darumb das markgraf Fridrich so glimpfig und gutwillig gegen uns auf dem tag was zu Anspach städtechron. 11, 585 Nürnberg; Luther ... sey gantz fridlich, senfftmütig unnd glimpfig gewesst Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 209b; vgl. glimpfigsein: es ist die ... höchste tugend an einem richter freundligkeit, sanfftmut und glimpffigsein Mathesius Syrach (1586) 18a. in heutiger ma.: glimpfig mit eim verfare Staub-Tobler a. a. o. sich an 3glimpf, m., 2 b anschlieszend 'geneigt': gedachte er (Hannibal), wo er das, so jm angebotten war, annem, wurde er sie vielleicht desto sorgfeltiger und auch glimpffiger machen W. Xylander Polybius (1574) 153; damit ich aber ine wider glimpfig gemacht ... hab ich ime 100 berlen ... abkaufft Krafft bei Fischer schwäb. 3, 696; von der frau fast soviel wie 'willfährig': und scharper pfeifer und glimpfig preut ... die dink fügen alle wol zusammen fastnachtspiele 708 Keller; verbal sich glimpfig machen, vgl. sich glimpfen in gleicher bedeutung bei 2glimpfen A 2 c: welche frau sich zu glimpfig macht fastnachtspiele 692 Keller; in heutiger ma. 'nachgiebig': ma hat ihn glimpfig gemacht Fischer schwäb. a. a. o. 33) in concreten bezügen tritt zufrühest das simplex limpfig auf, ausgehend von der bedeutung 'angemessen' in besonderer anwendung auf die speise, entsprechend limpfen (s. unter 2glimpfen B) im sinne von 'bekömmlich': die spise, dü im nit linpfig waz, bot er ze tunken gen dem minnewunden herzen mit gtem globen, daz si im denne nit möhti geschaden H. Seuse 25 Bihlmeyer. 3@aa) in einer übertragung wie bei dem worte mild (s. teil 6, 2207 unter 10c) vom wetter, anschlieszend an glimpfig 2: so bald aber das wetter eyn wenig glimpffig ward, understuond er, über das gebirg, montes Apenneni genant, in Hetruria zuo ziehen Carbach Livius (1551) 114b; hat sich der eingang dieses jahrs gantz glimpfig und warm erzeiget Schwelin württ. chron. (1660) 429; ob wol der wintter ... sollt herbey ruckhen, so ward noch immerzu fein glimpfig wetter Krafft bei Fischer schwäb. 3, 696; auch mdartl. ebda; vgl. aurae tenerae der heiter, zart und limpffig luft Frisius (1556) 1300b. 3@bb) ohne ein näheres verhältnis zu den bedeutungen von glimpfig 1 und 2 im sinne von: flexibilis das glimpffig oder widweich, das sich leychtlich bügt oder wendt Frisius (1556) 53b; cereus flecti weich und glimpffig gebügen ebda 210b; habilis ghelimpich (15. jahrh. nd.) Diefenbach gl. 272a; vgl. 2glimpfen B 'habilitare'. dann auch 'weich, zart, fein, glatt beim anfühlen' Staub-Tobler a. a. o. von der haut: meisterwurzöl macht eine glatte, glimpfige und lidtweiche haut Thurneiszer erdgewechse (1583) 7; Staub-Tobler a. a. o.; Martin-Lienhart elsäss. 1, 259; vgl. 2glimpf, adj., 3, und limpfig hend 'weiche hände' Tobler Appenzell 300. eine geschwulst ist glimpfig, wenn sie weich ist und bald aufbrechen wird Fischer schwäb. 3, 696. von wunden: agere humorem in vulnus ein wunden glimpffig machen, etwas feuchts oder glimpffigs darayn tröuffen Frisius (1556) 1422a; das fürnemste zeichen ist, wann kein schmerz mehr vorhanden und die wunden lind und glimpfig wird (1634) Felix Würtz bei Staub-Tobler a. a. o.; öl, wohin es kommt, macht glimpfig, sänftiget, milteret (1650) F. Wyss ebda. von körperlicher gelenkigkeit: der starret hals, mit disem (kranichschmalz) beriben, wird von stund an erweicken und glimpffig machen Heuslin Gesners vogelbuch (1557) 167b; modern mundartlich: gstarri, gstabeti, ruchi gliden werdid wider glimpfig Staub-Tobler a. a. o.; glimpfige finger Fischer schwäb. a. a. o. allgemein von körperlicher gewandtheit kärnt. glimpfig 'regsam, rührig, gewandt, schnell, behend' Überfelder 113; schwäb. glimpfig 'gelenkig, geschmeidig, vom animalischen körper' Fischer a. a. o.; ein glimpfiger bube, er hat kein glied ebda; els. glimpfig 'gelenkig, geschmeidig, gewandt' Martin-Lienhart 1, 259; e glimpfiger bueb ebda. von tuchen, stoffen u. ä.: die tücher nicht spiszig ... sondern fein glümpffig und im schmaltz wol gearbeitet (1601) bei Fischer schwäb. 3, 696 f.; ein jede wunden ... erfordert und will haben, dasz die binden, welche umb sie geschlagen wird, glimpffig seye und sich auszeinandern gebe, damit sie sich desto besser näher und satt anlege Felix Würtz practica d. wundartzney (1612) 82; e limpfiges tuech 'ein zartes, feines tuch' Tobler Appenzell 300; side ist glimpfig (läszt sich leicht falten), zwilche ist unglimpfig Staub-Tobler a. a. o.; auch vom leder ebda; speciell im sinne von 'biegsam, geschmeidig' auch noch in der heutigen schweizer. ma. 'leicht anzuziehen, wie z. b. gummischuhe, dehnbar, z. b. von strümpfen, tuch, handschuhen usw.' Staub-Tobler a. a. o. sonst: glimpfige bänder von weiden (1638) bei Staub-Tobler a. a. o.; ein stock, geiszelstecken ist glimpfig Fischer schwäb. 3, 696 f.; von metall: aes temperare dem ertz ein zuosatz gäben, das es geleitiger und glimpffiger oder handsamer werde Frisius dict. (1556) 1293a.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    glimpfigadj. adv.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    glimpfig , adj. adv. , zu 3 glimpf, m., oder zum verbum glimpfen. auf deutschem boden seit dem mhd. belegt; mhd. gelimpf…

  2. modern
    Dialekt
    glimpfig

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    glimpfig [klempfik Steinbr. bis Bisch. ; klémpfi K. ; klempfi Z. ] Adj. gelenkig, geschmeidig, gewandt. E glimpfiger Bue…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glimpfig

3 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von glimpfig

glimpf + -ig

glimpfig leitet sich vom Lemma glimpf ab mit Suffix -ig.

Zerlegung von glimpfig 2 Komponenten

glimp+fig

glimpfig setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

glimpfig als Zweitglied (1 von 1)

unglimpfig

DWB

unglimpfig , unglümpfig ( Scherz-Oberlin 2, 1843 ), unglümpig ( Scheit ), unglumpfig, adj. adv., gth. v. glimpfig, glumpfig ( s. d. ): ungli…

Ableitungen von glimpfig (2 von 2)

glimpfige

DWB

glimpfige , f. , zartheit, weichheit ; substantivbildung zu glimpfig 3 b: glimpffige, zarte, weiche teneritas Frisius dict. (1556) 1301 a ; …

unglimpfig

DWB

unglimpfig , unglümpfig ( Scherz-Oberlin 2, 1843 ), unglümpig ( Scheit ), unglumpfig, adj. adv., gth. v. glimpfig, glumpfig ( s. d. ): ungli…