glimpfig,
adj. adv. ,
zu 3glimpf,
m., oder zum verbum glimpfen.
auf deutschem boden seit dem mhd. belegt; mhd. gelimpfec,
im älteren ndl. glimpig.
daneben stehen seltener präfixlose formen: limpfig Frisius (1556) 1300
b neben glimpfig 1422
a; limpig
brem.-nds. wb. 3, 73.
ne. mdartl. begegnet limpey, limpy,
dessen ae. entsprechung aber hinsichtlich des präfixes unsicher ist. in der heutigen sprache ist das wort durch glimpflich
verdrängt; nur die oberdeutschen maa. haben es daneben bewahrt; Lexer
kärnt. wb. 116; Martin-Lienhart
els. wb. 1, 259; Staub-Tobler
schweiz. 2, 628; Tobler
Appenzell 300; Fischer
schwäb. 2, 696.
schweiz. daneben auch glumpfig
von ablautendem glumpf. glimpfig
ist nicht immer scharf zu unterscheiden von dem auf glumpf
zurückgehenden glümpfig.
mit i > e: glempffige ablagerung
bei Fischer
schwäb. a. a. o. vereinzelt die nebenform glimpfing Reuchlin
erste olynthische rede 18
Poland. 11)
zu 3glimpf,
m., 1
oder 2glimpfen A 1 '
angemessen'
; vgl. idoneus gelimphig, gelimpick (
md. voc. 15.
jahrh.) Diefenbach
gl. 284
b. 1@aa)
vorwiegend im sinne von 3glimpf,
m., 1
a '
schicklich, anständig': in eren und in tugent glimpffig, hübsch, kurtzweilig und schimpffig Hätzerlin
liederb. 1, 40
Haltaus; sihe wie schimpfig, glimpfig ist jr gebert, wie wolgezogen sind jr weibes wort und wandel Hartlieb
das buch Ovidii v. d. liebe (1482) 3
b; weyl in einem so geringen tractetlein, das gantz glimpffig anzusehen ist, so viel unwarheit stecken, was wirt dann in den groszen lästerbüchern des Schmidlein verborgen liegen? Joh. Nas
antipap. eins u. hundert (1568) 16
b; mit solchen worten (
würdest du) die schmach und ubelnachredung also glimpfig von dir leihnen und sie auf deine widersächer trechen Höniger
narrenschiff (1574) 151
b; mit bevelch, sollichs herzog Sigmunden zum füglichsten und glimpfigisten, sie könten, fürzubringen
Zimmerische chron.2 1, 517, 15
Barack; als nun derselbig sahe, das er nit vil uszrichten, nam er ein glimpfigen abschidt und zoge wider darvon
ebda 4, 167, 15;
vgl.: eyn nüwer heylig heisszt Grobian ... herr Glymflus ist leyder dot Seb. Brant
narrenschiff 72, 7
Zarncke. häufiger vom sprachlichen ausdruck vgl. unter gelimpf
und ungelimpf,
adj.: mit senften, glimpfigen worten Brenz
bei Fischer
schwäb. 3, 696; sie hueb im das mit glimpfigen worten mehrmals uf (
dasz er über ein halbes jahr nicht zu seiner gemahlin gekommen war)
Zimmerische chron.2 2, 379
Barack; neben entgegengesetzten ausdrücken: darumb (
reden sie nicht mehr mit der groben päpstlichen sprache, sondern) suochen sie die allerglimpffigste wort, so sie jmmer erdencken mögen Osiander
v. d. falschen lehr d. Jesuiter (1568) 3; das du nit rauhe oder harte, sonder glimpfige und liebliche wort reden sollt J. Lorichius
v. d. weltl. eitelkeit verachtung (1586) 361;
in abfälligem sinne: wenn aber die person gros ist, ... mus besorgen ein unglimpff odder schaden ... da schnitze ich die wort dünne, machs glimpffig, kan wol feder lesen und mit der warheit unter die bank Luther
werke 19, 326
W.; ihr solt ... nicht hören und anhören die glimpffige, verborgene, verzuckerte, guldene, süsze wort eines oder des andern Amasii Abraham a
s. Clara
Abrah. bescheidessen (1754) 3. 1@bb)
zu 3glimpf,
m., 1
d oder 2glimpfen A 1
b '
rechtlich begründet, billig, rechtfertigend': gelympig
equus Diefenbach
gl. 207
a; und umb denselben todslag Fulvius für gericht ervordert ward: mocht sin redner die gedat zereinigen oder glimpfig ze machen Fr. Riederer
spiegel d. waren rhet. (1493) a 7
a; unnd wie wol meyns glympfigen vordrens unnd zuo recht erbietens vormaln genuog were H. Geszler
formulare (1511) 61
a; alle glimpfige fürwendung, bitt und erbieten Christoph v. Württemberg
briefw. 3, 12
Ernst; (
wenn du) kanst glympffig verantworten Luther
werke 34, 1, 342
W. 22)
3glimpf,
m., 2
a oder 2glimpfen A 2
a entsprechend '
milde, nachsichtig': (
Paulus) ghet glimpfig mit in (
den Korinthern) umb Luther
werke 20, 433
W.; (
dasz man) all jhr fäl auffs aller glimpffigest darthuot Seb. Franck
chron., zeitbuch (1550) 1, 141
a; Peter Eterlein beschreibt die histori der Abaceller ein wenig glimpfiger
ders. chron. Germ. (1538) 227
a;
häufig verbunden mit nahestehenden ausdrücken: dan wen man jnen (
den römischen priestern) disse narung ... entzogen hat, so werden sie ... ingemein glimpffiger und gütiger werden A. v. Hutten
opera 1, 395
Böcking; und darumb das markgraf Fridrich so glimpfig und gutwillig gegen uns auf dem tag was zu Anspach
städtechron. 11, 585
Nürnberg; Luther ... sey gantz fridlich, senfftmütig unnd glimpfig gewesst Joh. Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 1, 209
b;
vgl. glimpfigsein: es ist die ... höchste tugend an einem richter freundligkeit, sanfftmut und glimpffigsein Mathesius
Syrach (1586) 18
a.
in heutiger ma.: glimpfig mit eim verfare Staub-Tobler
a. a. o. sich an
3glimpf,
m., 2
b anschlieszend '
geneigt': gedachte er (
Hannibal), wo er das, so jm angebotten war, annem, wurde er sie vielleicht desto sorgfeltiger und auch glimpffiger machen W. Xylander
Polybius (1574) 153; damit ich aber ine wider glimpfig gemacht ... hab ich ime 100 berlen ... abkaufft Krafft
bei Fischer
schwäb. 3, 696;
von der frau fast soviel wie '
willfährig': und scharper pfeifer und glimpfig preut ... die dink fügen alle wol zusammen
fastnachtspiele 708
Keller; verbal sich glimpfig machen,
vgl. sich glimpfen
in gleicher bedeutung bei 2glimpfen A 2
c: welche frau sich zu glimpfig macht
fastnachtspiele 692
Keller; in heutiger ma. '
nachgiebig': ma hat ihn glimpfig gemacht Fischer
schwäb. a. a. o. 33)
in concreten bezügen tritt zufrühest das simplex limpfig
auf, ausgehend von der bedeutung '
angemessen'
in besonderer anwendung auf die speise, entsprechend limpfen (
s. unter 2glimpfen B)
im sinne von '
bekömmlich': die spise, dü im nit linpfig waz, bot er ze tunken gen dem minnewunden herzen mit gtem globen, daz si im denne nit möhti geschaden H. Seuse 25
Bihlmeyer. 3@aa)
in einer übertragung wie bei dem worte mild (
s. teil 6, 2207
unter 10
c)
vom wetter, anschlieszend an glimpfig 2: so bald aber das wetter eyn wenig glimpffig ward, understuond er, über das gebirg, montes Apenneni genant, in Hetruria zuo ziehen Carbach
Livius (1551) 114
b; hat sich der eingang dieses jahrs gantz glimpfig und warm erzeiget Schwelin
württ. chron. (1660) 429; ob wol der wintter ... sollt herbey ruckhen, so ward noch immerzu fein glimpfig wetter Krafft
bei Fischer
schwäb. 3, 696;
auch mdartl. ebda; vgl. aurae tenerae der heiter, zart und limpffig luft Frisius (1556) 1300
b. 3@bb)
ohne ein näheres verhältnis zu den bedeutungen von glimpfig 1
und 2
im sinne von: flexibilis das glimpffig oder widweich, das sich leychtlich bügt oder wendt Frisius (1556) 53
b;
cereus flecti weich und glimpffig gebügen
ebda 210
b;
habilis ghelimpich (15.
jahrh. nd.) Diefenbach
gl. 272
a;
vgl. 2glimpfen B '
habilitare'.
dann auch '
weich, zart, fein, glatt beim anfühlen' Staub-Tobler
a. a. o. von der haut: meisterwurzöl macht eine glatte, glimpfige und lidtweiche haut Thurneiszer
erdgewechse (1583) 7; Staub-Tobler
a. a. o.; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 259;
vgl. 2glimpf,
adj., 3,
und limpfig hend '
weiche hände' Tobler
Appenzell 300.
eine geschwulst ist glimpfig,
wenn sie weich ist und bald aufbrechen wird Fischer
schwäb. 3, 696.
von wunden: agere humorem in vulnus ein wunden glimpffig machen, etwas feuchts oder glimpffigs darayn tröuffen Frisius (1556) 1422
a; das fürnemste zeichen ist, wann kein schmerz mehr vorhanden und die wunden lind und glimpfig wird (1634) Felix Würtz
bei Staub-Tobler
a. a. o.; öl, wohin es kommt, macht glimpfig, sänftiget, milteret (1650)
F. Wyss
ebda. von körperlicher gelenkigkeit: der starret hals, mit disem (
kranichschmalz) beriben, wird von stund an erweicken und glimpffig machen Heuslin
Gesners vogelbuch (1557) 167
b;
modern mundartlich: gstarri, gstabeti, ruchi gliden werdid wider glimpfig Staub-Tobler
a. a. o.; glimpfige finger Fischer
schwäb. a. a. o. allgemein von körperlicher gewandtheit kärnt. glimpfig '
regsam, rührig, gewandt, schnell, behend' Überfelder 113;
schwäb. glimpfig '
gelenkig, geschmeidig, vom animalischen körper' Fischer
a. a. o.; e
in glimpfiger bu
be, er hat kei
n glied
ebda; els. glimpfig '
gelenkig, geschmeidig, gewandt' Martin-Lienhart 1, 259; e glimpfiger bu
eb
ebda. von tuchen, stoffen u. ä.: die tücher nicht spiszig ... sondern fein glümpffig und im schmaltz wol gearbeitet (1601)
bei Fischer
schwäb. 3, 696
f.; ein jede wunden ... erfordert und will haben, dasz die binden, welche umb sie geschlagen wird, glimpffig seye und sich auszeinandern gebe, damit sie sich desto besser näher und satt anlege Felix Würtz
practica d. wundartzney (1612) 82; e limpfiges tuech '
ein zartes, feines tuch' Tobler
Appenzell 300; side ist glimpfig (
läszt sich leicht falten), zwilche ist unglimpfig Staub-Tobler
a. a. o.; auch vom leder ebda; speciell im sinne von '
biegsam, geschmeidig'
auch noch in der heutigen schweizer. ma. '
leicht anzuziehen, wie z. b. gummischuhe, dehnbar, z. b. von strümpfen, tuch, handschuhen usw.' Staub-Tobler
a. a. o. sonst: glimpfige bänder von weiden (1638)
bei Staub-Tobler
a. a. o.; ein stock, geiszelstecken ist glimpfig Fischer
schwäb. 3, 696
f.; von metall: aes temperare dem ertz ein zuosatz gäben, das es geleitiger und glimpffiger oder handsamer werde Frisius
dict. (1556) 1293
a.