gleichklang,
m.,
seit dem 17.
jh. 1)
zunächst, und auch später vorwiegend, auf den gleichen lautklang von wörtern, wortteilen und silben bezogen: im lateinischen brauchen etliche diesen gleichklang: in choro, in foro, in toro B. Scheräus
sprachenschule (1619) 34; ja sogar die namen Scandia für Skane hat man bis aus Indien her deuten gewollt, nicht bedenkend, wie viel zufälliges oft in klängen und gleichklängen ist E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Dtschen (1845) 4, 304; auf den gleichklang von ledig und lötig Luschin v. Ebengreuth
münzkde (1904) 143.
als ästhetischer verstosz gerügt: 'gleichklang
derjenige fehler, sowohl im schriftlichen als mündlichen ausdrucke, da mehrere nahe auf einander folgende wörter ohne noth und absicht einerley klang haben' Voigtel
wb. (1793) 2, 100
a; allein in noch mehreren (
einander folgenden klangverwandten reimpaaren) entsteht ... ein unangenehmer gleichklang Bürger
s. w. 347
b Bohtz. enger in der bezeichnung der gleichen laute bzw. der klangähnlichkeit im reim, oft geradezu an stelle von reim,
s. Campe 2 (1808) 398 b: so z. b. verlangen sie (
die alten balladen) nicht immer den gleichklang, sondern sind mit fernem ähnlichklang oft genug zufrieden E.
M. Arndt
s. w. 6, 16
R.-M.; 'wer verlorne sachen finden will: sanct Antoni thut wunder viel!' sagt Rupel, der alte borstenbart, bei dem sich jedes wort im gleichklang zum andern fügt Rosegger
schr. (1904) 10, 141; so war die kunst der sprache (
Klopstocks) vollendet, weitab vom gleichklang des reimes liesz sie die worte stark und schön klingen nach ihrer bedeutung W. Schäfer
d. dreizehn bücher d. dtschen seele (1925) 334.
auch auf den stabreim angewandt, so bei Campe
wb. z. erklär. (1813) 99
b: dieser drang nach gleichklang des anlauts gab der gehobenen rede etwas formelhaftes und starres G. Freytag
ges w. (1886) 17, 296.
anderseits ausdrücklich auf den endreim beschränkt: nun aber der gleichklang! für vieles ist er wohl lieblich. aber du muszt der väter weise nicht ganz versäumen: den runenheiligen stabreim Fel. Dahn
ein kampf um Rom (1901) 4, 14. 2)
seltener in eigentlich musikalischer anwendung. im sinne von '
harmonie': sie allen spielleuten geboht, mit einzustimmen, dasz das spielzeug gedämpffet, und in sanfftem gleichklange gespielet würde A. H. Bucholtz
Herkules (1666) 1, 583
a.
bildlich, in den übertragenen gebrauch 4
hinüberweisend: die welt ..., in der wie die gestirne so auch die als sonnenstäubchen verkörperten seelen im erhabenen gleichklang der universalen symphonie dahinschweben gleichwie in einem seligen reigen Dittrich
gesch. d. ethik (1926) 1, 140.
in der musikalischen fachsprache auch im sinne von '
einklang, unisonanz': von den practikern wird der einklang oder gleichklang unter die intervalle gerechnet ... theoretisch betrachtet machet der einklang niemals ein intervall aus, weil zwey an höhe verschiedne töne zur hervorbringung eines intervalls erfordert werden Marpurg
musikal. temperatur (1776) 3. 3) '
sich gleichbleibender, gleichförmiger, eintöniger klang',
zu gleich III E 4 a: er (
der kuckuck) scheint das tal gemächlich einzuwiegen im friedevollen gleichklang seiner klage Mörike
w2. 1, 120
Maync; jetzt, wehe, wo weil ich! in Tiburs dunkelfeuchtem kerker, wo der tropfenfall im ewigen gleichklang, ein armseliges lager durchnässend Rud. Grimm
histor. dicht. (1870) 99; der dumpfe ton der reisstampfe (
gehört) zum campong der Malayen, der gleichklang des hölzernen getreidemörsers zum negerdorfe K. Bücher
arbeit u. rhythmus (
21899) 39. 4)
übertragen soviel wie '
einklang, harmonie, innere verwandtschaft, übereinstimmung',
unter der voraussetzung der musikalischen bedeutung, aber im gebrauch meist abstrahiert: wenn es wahr ist, dasz das dasein der dinge in einem fortschreitenden masz ihrer verhältnisse besteht, woher kommt es denn, dasz wir so viele und unstreitige disproportionen in der welt antreffen ... der gleichklang zeigt sich nicht überall in der natur v. Knebel
liter. nachlasz (1835) 3, 213; ähnlich wirkt in Romeo und Julie sowohl durch gleichklang als durch abstechende behandlung die wiederholung des zweikampfes mit tötlichem ausgang G. Freytag
ges. w. (1886) 14, 74; trotz des gleichklanges ihrer naturen Spielhagen
s. w. (1877) 3, 47; der frieden ist nur da, wo gleichklang ist. in dieser meiner einsamkeit aber ... ist alles widerspruch und gegensatz ... wohin ich blicke, disharmonie Fontane
ges. w. I 1, 246; da ist der gleichklang nicht zu überhören zwischen den eben formulierten begriffen und den problemen, die der zehn jahre jüngere Hans von Marées sich gestellt hat H. Wölfflin
ged. z. kunstgesch. (1941) 60.
gelegentlich auch entsprechend gleich III
im sinne totaler übereinstimmung gegen einklang
abgesetzt: einklang, nicht gleichklang! mit verschiednen zungen vom thurme spricht der fromme klang hernieder; verschieden sind auch unsres leibes glieder, doch eines geistes band hält sie umschlungen H. v. Blomberg
treu zum tod (1872) 105. —