Eintrag · Althochdeutsches Wörterbuch
gisinnan st. v.
st. v., mhd. frühnhd. gesinnen; mnd. mnl. gesinnen. — Graff VI,228.
Praet.: gi-san: 3. sg. O 2,12,33. 5,8,22.
gi-sunn-: 3. pl. -un Oh 69; 3. sg. conj. -i O 4,12,49. 1) sich irgendwohin begeben, mit in + Akk. in der Verbindung hera in uueralt gisinnan in die Welt kommen, geboren werden: thaz hera in worolt io gisan fon themo bruzigen man, theist allaz fleisg ... bitharf thera reinida meist [vgl. quod natum est ex carne, Marg. nach Joh. 3,7] O 2,12,33 (zum auf die Abstammung bezogenenen, übertragenen Gebrauch von fona s. fona B II 1bα, Ahd. Wb. 3,1094). 2) (räumlich) zu etw. (hin-)streben, mit zi + Dat. d. Sache: tho sie (die Steinmetze beim Turmbau) thes bigunnun, zi himile gisunnun Oh 69. 3) nach etw. streben, seine Gedanken auf etw. richten, mit (korrelat. Pronom. im Gen. u.) Nebens.: sume (Jünger) firnamun iz in thaz ... thaz ... er (Jesus) thes gisunni, zen ostoron (Judas) waz giwunni O 4,12,49 (anders Kelle 2,218: “daß er (Judas) deshalb gehen sollte, um für die Osterzeit etwas zu bestellen”, wo- nach gisinnan als Bewegungsverb zu deuten u. zu 1 zu stellen wäre). Johannes ... zi Kristes houbiton saz, tho er so hoho gisan, thes evangelien bigan O 5,8,22 (zum inhaltlichen Verständnis vgl. Hartmann, Otfr. S. 112; zu thes evangelien bigan als formal koordinierter, inhaltlich abhängiger Satz vgl. Wunder S. 505).
Abl. gisin.