gischt,
m. ,
in jüngerem sprachgebrauche auch f., z. b. die weisze gischt
nationalzeitung 34, 286 (22.
juni 1881) 1
b; die ... verbrausende gischt H. Fr. Blunck
weibsmühle (1927) 6; die gischt, die um die klippenzähne schäumte Peter Dörfler
Peter Farde (1929) 393.
das mhd. kennt nur das masc. jest (
z. b. Konrad v. Fussesbrunnen
kindheit Jesu 88, 34
Hahn, Hug der kellner
s. Stephans leben 2653
Mc Clean),
das die grundlage für nhd. jest, jäst, gest (
so bei Diefenbach
mlat.-hd.-böhm. wb. 250
a. d. j. 1470), gäscht, gescht (
s. d.)
bildet; der vergleich mit mnd. gest,
m., '
hefe, schmutz' Schiller-Lübben 2, 83
b,
ags. gist,
m., '
barm, froth' =
ne. yeast Bosworth-Toller 1, 478
a,
aisl. jǫstr,
m. (
aus *jestu-),
norw. gjest '
hefe' Falk-Torp 1, 317
führt auf eine germ. masculine tu-
bildung *jëstu-
zur wurzel *jës- '
gären'
zurück. jünger sind die formen mit i,
vgl. ghist
gemma (
Köln 1495) c 3
d (
vgl. hierzu mnl. gist
neben gest Verwijs-Verdam 2, 1684),
schwäb. gist
a. d. j. 1547 (
s. unter 3);
doch bleibt gischt
gegenüber gäscht, gescht,
das noch bei Adelung
entschieden bevorzugt wird, bis zum ende des 18.
jhs. selten und gewinnt erst durch Schiller (
s. unten 2 b)
die oberhand, während gäscht
und seine nebenformen dann schnell untergehen; ähnlich hat im niederländ. gist
das früher gebräuchlichere gest
zurückgedrängt, vgl. woordenb. d. nederl. taal 4, 2397.
ob man wegen des stammvokals i
eine germ. ti-
bildung neben dem gesicherten tu-
stamm ansetzen darf, erscheint zweifelhaft. wie bei gäscht (
s. teil 4, 1, 1, 1432
abs. 3)
und gischen (
s. d.)
ist auch bei gischt
die herkunft des seit dem 17.
jh. bezeugten sch
unerklärt; nach Moser (
beiträge 41, 479)
ist es wie bei gischen (
s. d.)
lautmalend, kann aber auch sekundär aus gischen
übernommen sein; weniger wahrscheinlich ist, dasz sich gischt
aus gist
vom alem. her verbreitet habe (
so Paul
wb.2 216),
beachte unten 3
schwäb. gist
a. d. j. 1547.
mundartlich gelten formen mit st
bis in die gegenwart, z. b. bair. gest, gist '
schaum, geifer' Schmeller-Fr. 1, 955. 11)
in engerem zusammenhange mit der bedeutung der germ. wurzel jës- '
gären'. 1@aa) '
gärmittel, hefe',
vgl. azimus sonder ghist, sonder deissen
gemma (
Köln 1495) c 3
d; gest, gist
fex Henisch
t. sprach (1616) 1569. 1@bb) '
die aufperlenden blasen oder der sprudelnde schaum'
gärender oder gegorener flüssigkeiten: wie man bier einzuschenken pfleget, welches oben einen gischt bekommen soll Döbel
jägerpractica (1754) 4, 22;
später nur noch poetisch: den über den rand hinübersteigenden gischt mit wollust ... schlürfen Göthe IV 5, 147
W.; als die lilienkelche, bis an den rand mit milchweiszem gischt gefüllt, kredenzt wurden W. Hauff
s. w. (1890) 2, 2, 22; was staunst du, da du ziehst den kork, dasz an die decke springt der gischt Platen 1, 125
Redlich; so noch mundartlich gischt '
schaum des bieres' Hertel
Thür. 106. 22)
in weiterem sinne als '
wallender, spritzender schaum',
ohne dasz ein gärungsprozesz die ursache des schäumens bildet. 2@aa)
beim sieden, kochen u. dgl.: streuet zucker drein (
in das siedende fett), welcher alsdann ganz braun und als ein gischt werden wird Amaranthes
frauenz.-lex. 469; braune butter, die musz aber gischt haben
ebda 611; plötzlich gor schaumgezisch im kelch (
des zauberers) empor: sausend stiegs, verschlang mit wüten meine blümlein; drauf versprühten gischt und blasen Chr. Stolberg
ged. (1821) 1, 188; rührte mit einem langen löffel darin (
im kessel), dasz schäumend, zischend und prasselnd der kochende gischt übergärte E. T. A. Hoffmann 1, 116
Maaszen; weiter entfernt ohne beziehung auf das sieden: musz der augenblicke süsztes sich zu gischt und galle wandeln! Göthe 15, 1, 35
W. 2@bb)
als der '
spritzende, brausende schaum'
reiszender bäche oder des meeres: und es wallet und siedet und brauset und zischt, wie wenn wasser mit feuer sich mengt, bis zum himmel sprützet der dampfende gischt Schiller 11, 221
G.; hiernach: aufflammt das meer und brauset und zischt, aufsprützt zu den wolken rauchender gischt Kind
ged. (1817) 3, 70;
nach Schiller
häufiger bei Göthe: schnelle wellen locken gischt im sturz (
des Rheinfalls), gischt unten im kessel, siedende strudel im kessel III 2, 144
W.; ebb und flut, wogen und sturm, schaum und gischt weisz er recht gut zu malen I 42, 2, 83;
seither ist gischt
in dieser bedeutung namentlich in poetischer sprache ungemein beliebt: bis es (
das felsstück) in den gieszbach schlug, dasz der gischt hoch gegen den himmel sprühte G. Freytag
ges. w. (1886) 8, 164; gischt schäumt um den bug wie flocken von schnee Fontane
ges. schr. I 1, 175; der weisze gischt spritzte Frenssen
Hilligenlei (1905) 314;
nur gelegentlich im plural: wie in wildem zorne sprangen die gischten wieder hoch empor ... an die felsenblöcke Rosegger
schr. (1895) I 1, 347;
im bilde: (
Luther) steht ... wie ein gigant gegen den aufspritzenden gischt des jahrhunderts C.
F. Meyer
Pescara (1901) 19;
auf den weiszen, brodelnden dampf poetisch übertragen: wenn aus der schwarzen säule (
des schiffsschlotes) der gischt des dampfes brausend fährt Geibel
ges. w. (1888) 1, 215. 2@cc) '
schaum, geifer',
der bei anstrengung oder erregung aus dem munde tritt: gischt deckt die zung, und schweisz und näsz dringt durch die todgequälten glieder Immermann
w. 13, 61
Boxb.; da zischte Abu Seid, wie eine flamme zischt, und sprudelte des zornes gischt Rückert
w. 11, 469;
vgl. schwäb. gischt '
schaum, hitze, zorn' Fischer 3, 665. 33)
vereinzelt übertragen gebraucht im sinne '
schaum, leeres gerede': die leit behalten den kaiser auf ir seiten, kinden von und zu ime, ... was aber ich sag, ist alles gist
zeitschr. d. hist. vereins f. Schwaben 2, 131 (
Augsburg 1547).