lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gischt

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 9 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
5
Verweise raus
7

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gischt m.

Bd. 7, Sp. 7563
gischt, m. , in jüngerem sprachgebrauche auch f., z. b. die weisze gischt nationalzeitung 34, 286 (22. juni 1881) 1b; die ... verbrausende gischt H. Fr. Blunck weibsmühle (1927) 6; die gischt, die um die klippenzähne schäumte Peter Dörfler Peter Farde (1929) 393. das mhd. kennt nur das masc. jest (z. b. Konrad v. Fussesbrunnen kindheit Jesu 88, 34 Hahn, Hug der kellner s. Stephans leben 2653 Mc Clean), das die grundlage für nhd. jest, jäst, gest (so bei Diefenbach mlat.-hd.-böhm. wb. 250 a. d. j. 1470), gäscht, gescht (s. d.) bildet; der vergleich mit mnd. gest, m., 'hefe, schmutz' Schiller-Lübben 2, 83b, ags. gist, m., 'barm, froth' = ne. yeast Bosworth-Toller 1, 478a, aisl. jǫstr, m. (aus *jestu-), norw. gjest 'hefe' Falk-Torp 1, 317 führt auf eine germ. masculine tu-bildung *jëstu- zur wurzel *jës- 'gären' zurück. jünger sind die formen mit i, vgl. ghist gemma (Köln 1495) c 3d (vgl. hierzu mnl. gist neben gest Verwijs-Verdam 2, 1684), schwäb. gist a. d. j. 1547 (s. unter 3); doch bleibt gischt gegenüber gäscht, gescht, das noch bei Adelung entschieden bevorzugt wird, bis zum ende des 18. jhs. selten und gewinnt erst durch Schiller (s. unten 2 b) die oberhand, während gäscht und seine nebenformen dann schnell untergehen; ähnlich hat im niederländ. gist das früher gebräuchlichere gest zurückgedrängt, vgl. woordenb. d. nederl. taal 4, 2397. ob man wegen des stammvokals i eine germ. ti-bildung neben dem gesicherten tu-stamm ansetzen darf, erscheint zweifelhaft. wie bei gäscht (s. teil 4, 1, 1, 1432 abs. 3) und gischen (s. d.) ist auch bei gischt die herkunft des seit dem 17. jh. bezeugten sch unerklärt; nach Moser (beiträge 41, 479) ist es wie bei gischen (s. d.) lautmalend, kann aber auch sekundär aus gischen übernommen sein; weniger wahrscheinlich ist, dasz sich gischt aus gist vom alem. her verbreitet habe (so Paul wb.2 216), beachte unten 3 schwäb. gist a. d. j. 1547. mundartlich gelten formen mit st bis in die gegenwart, z. b. bair. gest, gist 'schaum, geifer' Schmeller-Fr. 1, 955. 11) in engerem zusammenhange mit der bedeutung der germ. wurzel jës- 'gären'. 1@aa) 'gärmittel, hefe', vgl. azimus sonder ghist, sonder deissen gemma (Köln 1495) c 3d; gest, gist fex Henisch t. sprach (1616) 1569. 1@bb) 'die aufperlenden blasen oder der sprudelnde schaum' gärender oder gegorener flüssigkeiten: wie man bier einzuschenken pfleget, welches oben einen gischt bekommen soll Döbel jägerpractica (1754) 4, 22; später nur noch poetisch: den über den rand hinübersteigenden gischt mit wollust ... schlürfen Göthe IV 5, 147 W.; als die lilienkelche, bis an den rand mit milchweiszem gischt gefüllt, kredenzt wurden W. Hauff s. w. (1890) 2, 2, 22; was staunst du, da du ziehst den kork, dasz an die decke springt der gischt Platen 1, 125 Redlich; so noch mundartlich gischt 'schaum des bieres' Hertel Thür. 106. 22) in weiterem sinne als 'wallender, spritzender schaum', ohne dasz ein gärungsprozesz die ursache des schäumens bildet. 2@aa) beim sieden, kochen u. dgl.: streuet zucker drein (in das siedende fett), welcher alsdann ganz braun und als ein gischt werden wird Amaranthes frauenz.-lex. 469; braune butter, die musz aber gischt haben ebda 611; plötzlich gor schaumgezisch im kelch (des zauberers) empor: sausend stiegs, verschlang mit wüten meine blümlein; drauf versprühten gischt und blasen Chr. Stolberg ged. (1821) 1, 188; rührte mit einem langen löffel darin (im kessel), dasz schäumend, zischend und prasselnd der kochende gischt übergärte E. T. A. Hoffmann 1, 116 Maaszen; weiter entfernt ohne beziehung auf das sieden: musz der augenblicke süsztes sich zu gischt und galle wandeln! Göthe 15, 1, 35 W. 2@bb) als der 'spritzende, brausende schaum' reiszender bäche oder des meeres: und es wallet und siedet und brauset und zischt, wie wenn wasser mit feuer sich mengt, bis zum himmel sprützet der dampfende gischt Schiller 11, 221 G.; hiernach: aufflammt das meer und brauset und zischt, aufsprützt zu den wolken rauchender gischt Kind ged. (1817) 3, 70; nach Schiller häufiger bei Göthe: schnelle wellen locken gischt im sturz (des Rheinfalls), gischt unten im kessel, siedende strudel im kessel III 2, 144 W.; ebb und flut, wogen und sturm, schaum und gischt weisz er recht gut zu malen I 42, 2, 83; seither ist gischt in dieser bedeutung namentlich in poetischer sprache ungemein beliebt: bis es (das felsstück) in den gieszbach schlug, dasz der gischt hoch gegen den himmel sprühte G. Freytag ges. w. (1886) 8, 164; gischt schäumt um den bug wie flocken von schnee Fontane ges. schr. I 1, 175; der weisze gischt spritzte Frenssen Hilligenlei (1905) 314; nur gelegentlich im plural: wie in wildem zorne sprangen die gischten wieder hoch empor ... an die felsenblöcke Rosegger schr. (1895) I 1, 347; im bilde: (Luther) steht ... wie ein gigant gegen den aufspritzenden gischt des jahrhunderts C. F. Meyer Pescara (1901) 19; auf den weiszen, brodelnden dampf poetisch übertragen: wenn aus der schwarzen säule (des schiffsschlotes) der gischt des dampfes brausend fährt Geibel ges. w. (1888) 1, 215. 2@cc) 'schaum, geifer', der bei anstrengung oder erregung aus dem munde tritt: gischt deckt die zung, und schweisz und näsz dringt durch die todgequälten glieder Immermann w. 13, 61 Boxb.; da zischte Abu Seid, wie eine flamme zischt, und sprudelte des zornes gischt Rückert w. 11, 469; vgl. schwäb. gischt 'schaum, hitze, zorn' Fischer 3, 665. 33) vereinzelt übertragen gebraucht im sinne 'schaum, leeres gerede': die leit behalten den kaiser auf ir seiten, kinden von und zu ime, ... was aber ich sag, ist alles gist zeitschr. d. hist. vereins f. Schwaben 2, 131 (Augsburg 1547).
5733 Zeichen · 135 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gischt

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Gischt , S. Adelung Gäscht .

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gischt

    Goethe-Wörterbuch

    Gischt 1 wallender, spritzender Schaum einer Flüssigkeit a von natürl Gewässern, auch iVbdg mit ‘Schaum’ [ Rheinfall bei…

  3. modern
    Dialekt
    Gischtm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Gischt m. : 1. 'Schaum', Gischt (auf der frisch gemolkenen Milch) [ KL-Einsdhf ]; Gall un G. [ Keiler 121]. — 2. 'das be…

  4. Sprichwörter
    Gischt

    Wander (Sprichwörter)

    Gischt Für 'nen Sechser Gischt und für 'nen Sechser Nischt, das ist die berliner Weisse. ( Berlin. ) Zur Charakteristik …

  5. Spezial
    Gischt

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gischt f. (-) (Wellenschaum) scaia (-ies) f.

Verweisungsnetz

18 Knoten, 11 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 9 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gischt

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

gischt‑ als Erstglied (4 von 4)

gischten

DWB

gisch·ten

gischten , vb. , spumare. von gischt abgeleitet wie gäschten, gesten u. ä. ( s. im einzelnen dort ) von gäscht, gest; die belege reichen nur…

gischtig

DWB

gisch·tig

gischtig , adj. , ' schaumig ', ableitung von gischt, vgl. schaumiger, jestiger, gistiger spumosus voc. theut. ( Nürnberg 1482) c c 2 b ; ge…

Gischtrog

RhWBN

gisch·trog

Gisch-trog jeiš- Düss-Lintorf m.: Tr. zum Ansetzen des Sauerteiges.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gischt". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gischt/dwb?formid=G17188
MLA
Cotta, Marcel. „gischt". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gischt/dwb?formid=G17188. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gischt". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gischt/dwb?formid=G17188.
BibTeX
@misc{lautwandel_gischt_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„gischt"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/gischt/dwb?formid=G17188},
  urldate      = {2026-05-09},
}