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gigantisch

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gigantisch adj.

Bd. 7, Sp. 7474
gigantisch, adj. , riesengrosz, riesenmäszig; seit der ersten hälfte des 16. jh.; im 18. jh. modewort, von Schönaich als solches verspottet: giganten, so hat nunmehr die riesen der gigantische dichter umgetaufet; sind nicht in seiner zirbeldrüse gigantische treppen? wo ein gigantischer gedank nach dem andern hinuntersteiget neolog. wb. (1754) 183. in zeiten geistigen und politischen aufschwungs gern für alles grosze und erhabene, bisher unerreichte verwendet. 11) zunächst an den ursprünglichen gehalt des gigantenmythus angeknüpft, vgl. gigant 3. [] 1@aa) im religiösen bereich 'gottfeindlich, gegen gott sich stellend, hochmütig, vermessen' (vgl. gigantum arrogantia wann sich einer auf seine stärcke verläszt Joh. Frisius [1734] 297b): denn so die kirch darumb des teufels reich ist, das etliche ynn yr ewre gigantische künheit straffen Wicelius v. d. christl. kirchen (1534) g 4a; derhalben, wenn gott einer art, die ihre augen hoch tregt ... und ihre augenlieder empor helt, gott den himmel, gigantischer weise nach stürmen wil, ansichtig wird C. Julius Susanna u. Daniel (1610) 189; an einem orte (haben) etliche leichtfertige N. dergleichen, wo nicht gröszere flüche, blasphemien und gigantische himmelstürmung fürgenommen und verübet Mengering soldatenteufel (1638) 137; mit dem beisinn des herrschsüchtigen: was mit gewalt geschicht, macht keinen christen nicht ... zu falschem gottesdienst der menschen seelen treiben heist gut gigantisch seyn. lasz einen jeden bleiben; und sagt er was aus noth, das herz ist weit davon: fromm vor sich selber seyn, das heist religion Hoffmannswaldau ged. 6, 275 Neukirch; mit anderm bedeutungsgehalt z. t. vermischt klingt die vorstellung der auflehnung auch später noch nach in anwendungen wie: da wälzten schwarze fluthen gigantische sünder. nur wenige fromme schwammen in der sichernden arche Schubart s. ged. (1787) 1, 338; die sich mit blick und hand erdreisten, sie dringen nimmermehr hindurch, gigantisch mit gigantenfäusten erstürmst du nie die himmelsburg (1817) E. M. Arndt w. 4, 139 R.-M.; aufstehen würde Englands ganze jugend, kein schwert in seiner scheide müszig bleiben, und die empörung mit gigantischem haupt durch diese friedensinsel schreiten Schiller 12, 423 G. (Maria Stuart 1, 6). 1@bb) für jedes übermäszige, mit ungeheurer kraftanstrengung verbundene streben nach unerreichbaren zielen und idealen, so z. b. der stürmer und dränger: hier kam uns nun Schiller vorzüglich zu hülfe; er stand im begriff, sich zu beschränken, dem rohen, übertriebenen, gigantischen zu entsagen; schon gelang ihm das wahrhaft grosze und dessen natürlicher ausdruck Göthe 35, 77 W.; der titanisch-gigantische himmelstürmende sinn jedoch verlieh meiner dichtungsart keinen stoff 28, 314; den ungeheuern, den gigantischen hätte man ihn (Corneille) nennen sollen, aber nicht den groszen. denn nichts ist grosz, was nicht wahr ist Lessing 9, 311 M.; die idee einer heldenmüthigen kraft, die mit gigantischem ungestüm nach dem höchsten greift Rich. Wagner ges. schr. (1897) 1, 146. mit hervorkehrung des bedeutungselements 'stürmisch, gewalttätig': wäre die liebe des rittmeisters von der art der neuern gigantischen liebe gewesen, die ... wie ein schüttelnder sturmwind die armen, dünnen blümchen umfasset Jean Paul w. 1, 26 H. 22) auf die körperhafte erscheinung bezogen soviel wie riesengrosz, riesenmäszig, riesenhaft, vgl. gigant 4. 2@aa) mythologisch begründet erhält die vorstellung des ungeheuren oft den beisinn des dämonisch-unheimlichen, schrecklichen: der gigantische tod und die verwüstung gehn ihm (dem schrecken) zur seite J. A. Ebert Leonidas (1778) 301; es lag etwas so groszartig düsteres, etwas so geheimnisvoll gigantisches in der umhüllung (des nebels), die ein räthsel der natur verbarg H. Steffens was ich erlebte (1841) 3, 31. im sinne von gewaltig, ungeschlacht, klobig: auch die natur hat ihre wunderbare vorzeit, wo sie ungeregelter und gigantischer war, gleich wie das menschengeschlecht im heldenalter Fr. Schlegel s. w. (1846) 1, 81; sie (die gegend) hatte freilich das wilde und gigantische der früheren verloren Pückler-Muskau br. e. verstorbenen (1831) 1, 126; bei abstrakten: die alte, kräftige, gigantisch - barbarische dichtart ..., (kommt) uns auf eine neue, sinnig-zarte weise, und doch unentstellt, höchst angenehm entgegen Göthe 41, 2, 105 W.; Aegypter (hätten) diesen tempel unter der leitung der Griechen ... erbaut, nicht im ältern gigantischen, sondern im jünger vollendetern, edlern, einfachen ... styl Ritter erdk. (1822) 1, 648. [] 2@bb) ohne jeden mythologischen nachklang für alles, was das gewöhnliche masz überschreitet; zunächst von gegenständen: in einem dieser zimmer fand Sem dreyszig gigantische leichen, in byssus gekleidet Wieland I 3, 509 akad. ausg.; wir Teutsche muthen uns, wie die starkherzigen Britten, kühnere dosen zu, unsere helden gleich einem Goliath auf alten tapeten, grob und gigantisch, für die entfernung gemalt Schiller 2, 344, 14 G.; reste der gigantischen thiere aus der urzeit Göthe 34, 153 W.; die hohen felsen dieses ufers ... sind ... mit gigantischen blassen cacteenartigen euphorbien einzig bedeckt A. v. Chamisso w. (1836) 6, 26; der bäume gigantische schatten Schiller 11, 288 G.; besonders von bauten, bergen, überhaupt allem, was sich gewaltig emportürmt oder aufhäuft: gigantisch thürmt sich vor mir ein palast, ich schaue durch die purpurnen gardinen Herwegh ged. e. lebendigen (1841) 94; das Wetterhorn ragt gigantisch über und hinter den andern hohen gebirgen hervor W. Heinse s. w. 7, 44; den eltern wurde bei dem anblicke dieser gigantischen vorräthe ... doch bedenklich zu muthe Immermann 18, 62 Hempel; bildlich, für geistig grosz: er (Liszt) ist ... der gigantische zwerg H. Heine s. w. 6, 445 Elster; im übergang zu 3, aber noch mit quantitativem beisinn: die mitgeteilte scene verspricht ein gigantisches dichterwerk Hebbel tageb. 3, 182 Werner; der kampf der beiden gigantischen mächte nahm nun einen unübersehbaren charakter an L. Häuser dtsche geschichte (1854) 2, 658; redensartlich ins gigantische ausmalen soviel wie 'ins übermenschlich grosze erheben': Deutschland ... (hat Bismarcks) bild, das an sich schon so imposant ist, übertreibend in das gigantische auszumalen die neigung Prutz preusz. gesch. 4, 379. 33) unsinnlich, für alles gewaltige, unerhört grosze; bei abstrakten: da hat er sein schlosz, ein felsengebirge mit gigantischer kunst zum tiefen gefängnisz gehauen Wieland I 2, 126 akad. ausg.; in ... einsamen augenblicken schmeichelte er (Napoleon) sich mit der gigantischen aussicht (ein orientalisches reich zu errichten) Ranke s. w. 40/41, 6; aus dem schwachen willen von 60 millionen einzelner (wird) ein gigantischer, gewaltiger, zusammengeballter wille aller Adolf Hitler im völk. beobachter v. 2. mai 1936. 44) gelegentlich adverbial mit steigerndem charakter: sobald man aber das geschaffene in vergleichung mit dem wirklichen betrachtet, dessen man sich nicht ganz erwehren kann, (bey gigantisch moralischen wesen am wenigsten), so tritt nun die kalte bewunderung der kraftäuszerung ein Fr. M. Klinger w. 12, 159; bei den gigantisch-üppigen malereien Fehlings im groszen gartenpalais Justi Winckelmann (1866) 1, 253.
7253 Zeichen · 127 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gigantischadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    gigantisch , adj. , riesengrosz, riesenmäszig; seit der ersten hälfte des 16. jh.; im 18. jh. modewort, von Schönaich al…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gigantisch

    Goethe-Wörterbuch

    gigantisch einmal subst a riesenhaft(-wuchernd), kolossal α naturkundl Ich besah den g-en Wachsthum des Heracleum specio…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gigantisch

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gigantisch , riesenhaft, kolossal.

  4. Spezial
    gigantisch

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    gi|gan|tisch adj. gigantich (-cs, -ca), gigantesch (-cs, -ca).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gigantisch

2 Bildungen · 1 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von gigantisch

gigant + -isch

gigantisch leitet sich vom Lemma gigant ab mit Suffix -isch.

gigantisch‑ als Erstglied (1 von 1)

gigantisch als Zweitglied (1 von 1)