Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gewonlich
2 individueller Angewohnheit entsprechend
3 von natürlicher oder göttlicher Regelhaftigkeit
4 ‘üblich, normal’
1 dem Brauch entsprechend: ez was gewonlich in der alten e, swelh wib ein degenkint gebære, daz si sich darbete der kirchen vierzech tage Spec 33,25; ouch ist daz gewonlich / daz man dem sündigen man, / swie swære schulde er ie gewan, / nâch riuwen sünde vergebe Iw 8104; swan sô man gezzen hat, sô sulen die pfaffen ir gewonlichez gebet sprechen StatDtOrd 42,9; nach gewonlichen siten Pass I/II (HSW) 13383; Pelzb 120,16. – oft rechtsspr. (detailliert s. WMU 1,737f. u. DRW 4,822-827): der rihter sol auch sînem herren büezen alse dâ gewonlîch sî SpdtL 116,13; ez sol och chain frow, als es von alten dingen gewonlich und reht ist, ziuch [Zeuge] sin uͤber dehain dinck, wan uͤber elichen heirat, notnunft und uber daz lest geschaeft an dem tod StRMünch 46,29; mit aller gewarsami, du nach geschribem oder nach gwonlichem recte an kuͦfen durftich [bei Kaufverträgen erforderlich] ist UrkCorp (WMU) 2915,21; sechzich mv́tte kernen gewonliches mezzes ebd. 84,22; sechshundert pfund municher pfenning, die sie uns jaerleich geben suͤllen [...] ze irer gewondleichen stewer StRMünch 176,17 u.ö. 2 individueller Angewohnheit entsprechend: Lanzelet dô niht vergaz / der gewonlîchen slege sîn: / er treip den künic Valerîn / umbe in manege kêre / und wundet in als sêre, / daz er vor im muose ligen UvZLanz 5323; dô bat in [Barlaam] dâ Jôsaphât / die gewonlîchen wât / zeigen, die der guote man / truoc gewonlîchen an RvEBarl 6466; Pass I/II (HSW) 30820; Kuchim 29,12 3 von natürlicher oder göttlicher Regelhaftigkeit: dânâh [nach der ersten Geburt] uber gewoneliche zît / wart suanger daz selbe wîb Exod 419; dú sunne zwúrend liechter wart [zur Geburt Marias] / denne sú gewonlich ist von art WernhMl 548; daz unmügelich ist der undern natûre, daz ist gewonlich und natiurlich der obern natûre Eckh 5: 43,13; JPhys 4,3; StrKD 153,32. – von der Menstruation: welheu frawe ir gewonleich haimleichait well pringen [...], diu trink rautensaf BdN 417,25 4 ‘üblich, normal’ diz [das Erfülltsein der Seele durch Gott] zwingt die usser dinck ze lauzend [l. lâzend ] , gewonlich dinck ze mident, úber sich selber dringen und an die blozen gotheit springen Eckh (J) 105,4
MWB 2 750,10; Bearbeiter: Richter