gewildnis,
n.,
später vereinzelt f., nebenform zu dem fem. (
vereinzelt auch n.) wildnis,
der besonderen substantivbildung zu gewild I (
s.).
der wechsel des geschlechts würde gewildnis
als eine collectivbildung zum einfachen fem. erschlieszen lassen; aus der bedeutung ergeben sich hiefür jedoch keinerlei anhaltspunkte. die belege für gewildnis
setzen erst im 14.
jahrh. ein und halten sich durchweg in mitteldeutschem sprachgebiet (
oberdeutsch wird überhaupt an gewilde
länger festgehalten).
die ersten schwankungen zwischen neutrum und fem. zeigen sich im mittelniederd.: dat gewiltnisse Mandeville
reisen 22
d; dorch de gewiltnisse kumpt me in einen dal. 20
s. Schiller-Lübben 6, 141
a (
andere übersetzer haben hier gewilde
oder wüste).
ein gleiches fem. an stelle des neutrums kann bei Luther
angenommen werden; sicher ist es bei Henisch.
dort ist auch für den stammvocal gerundete aussprache gebucht, die sonst nur für den suffixvocal —
und zwar in jüngeren belegen —
durchgeführt wird: unde bekummerte die ende des landes, die ungearbeit waren, besundern an dem walde der do heisʒet die blosʒe loube ... unde liesʒ in den grunden den walt usʒ raden unde buwen do nawe dorff unde liesʒ is zu acker bereiten .-. sʒo kaufte her ouch vil dorff landt unde gewiltenisʒ das on entlegin was, unde buwete das unde zoch die lewte dorin. Joh. Rothe
düringische chron. Liliencron s. 255; unde (
Christophorus) get uʒ schen den difel und kumit in ein gewiltnüsse, da offenberete sich ime der difel. Nicolaus v. Landau
predigt bei Zuchhold s. 138 (
nach der legenda aurea: cum autem per quandam solitudinem pergeret. 431
Graesse); mein brüder wolten mich verjagen. und als ich mich wider sie gesetzt, haben sie mein kriegsvolck verletzt und eilff meiner fürnehmbsten räht, die ich vor all andern lieb hett, inn ein gewiltnusʒ thun verjagen. Ayrer (
Wolffdieterich. prolog) 1120
Keller; Wilhelm der wonete in eime gewiltenisʒ und wiste von den dingen nit. Elisabeth v. Nassau-Saarbrücken
Huge Scheppel 10 r
a Urtel (
druck v. 1500: in einer wiltnüsʒ 13
c;
fehlt 1537); denn do er einst in Armenien, von wegen der grossen hitz, unnd des schweisses gern gebadet unnd sich ettwas erquicket hette, und mit etlichen wenig reuteren unnd seinem capellan vom hauffen zum wasser reit, meinte nicht das in dem gewildnüs einige fhar zugewarten ... da hielten ettliche des soldans reisigen im wald, namen den keiser und sein capellan ... und fürete sie durch die wildtnüs hinweg zum soldan.
bapsttrew Hadriani ... gegen keiser Friderichen Barbarossa geübt. (1545) F 1
b; sünderlich vonn denen, welche von einem gewiltnüsz, von einem berge zuom andern lauffen, unnd traben. Reinhard Lorich
wie junge fürsten ... unterwisen mögen werden. (1537) 319; aber im weidtwergk wie in allenn andern dingen sol ein herr masz halten, das ausz inen, welchen got der herr nicht uber thierer und gewiltnüsz, sonder uber landt und leut gesetzet hat, kein jeger oder weidman werde. (1537) 316; Moses hats wol ausgericht, wir können nicht zu rücke gehen, wir wolten denn hungers sterben, auch können wir nicht weiter gehen noch zur seiten von wegen der einöde und gewildnis ausbrechen, der teufel hat uns in die wüsten gefüret. Luther (
pred. über 2 Mos. 16. 1525) 16, 288
Weimar; gewildnusz, wüsten, einöde,
solitudo, vastitas, locus desertus; Johannes der Täuffer hat inn der gewüldnusʒ geprediget. Henisch 1599.
vgl. auch Schottel 634
b,
der gewildnis
noch neben gewirr, gewell
u. a. aufführt. damit erlischt die spur.