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gewest

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewest

Bd. 6, Sp. 5696
gewest , participiales adjectiv, nebenform zu gewesen II (s. d.) nach analogie der sogenannten schwachen flexion gebildet. 11) zur stellung des particips in der tempusumschreibung vgl. die ausführliche darstellung in teil 10 sp. 248—250 und dazu (im besonderen für die heutige stellung in den mundarten) den deutschen sprachatlas unter gewesen: während die starke form dem nördlichen teil Oberdeutschlands und ebenso den sächsischen mundarten angehört, ist die schwache form (gewest) in den fränkischen mundarten, in Thüringen und nordöstlich im colonisationsgebiet durchgeführt. der schriftgebrauch zeigt längeres schwanken, gewest dringt in oberdeutsche denkmäler vor und wird später auf seinem eigenen boden wieder verdrängt; mehrere stilisten gebrauchen beide formen, so namentlich H. Sachs u. Luther. zu den neuhochdeutschen belegen für den schriftgebrauch von gewest lassen sich hier noch einige bemerkenswerthe nachzügler vom ende des 16. jahrh. bis ins 18. jahrh. nachtragen, sie ergeben aber keine anhaltspunkte für die vermuthung, dasz die form an bestimmte feste verbindungen geknüpft sei; es scheint für die belege nur das zu gelten, dasz sie einerseits eine gewisse nachgiebigkeit gegen die mundart verrathen, während andererseits die form gewest manchmal den bedürfnissen von reim und versmaasz entgegenkommt: es ist d' Witzel allweg ein ehrgeitziger, ... unverschämpter mensch gewest, dem es nie umbs hertz und ernst gewesen, das ... Erasmus Alberus widder Jörg Witzeln (1539) F 8a; die gleiche form auch L 8b u. a.; im jar 1558 zu zeiten Pauli 4. ist zu Bolonien einer gewest, der offentlich in der schul auf der fasten abend den ehestand gescholten, und die sodomei gelobt hat. Fischart bienenkorb (1586) 231a randglosse; dan alda (in Trient) sind die binen apoteker mehr den ein jar oder zwei versamlet gewest, des honigrahts also vil zumachen, das es allen den binen in Europa genug sein kan, und wird guts kauffs gegebēn grose lugēn umb klein gelt. 241b; das gesetz ist unser zuchtmeister gewest auf Christum. ein gesprech v. d. gemeinen Schwabacher kasten ... bei Schade sat. u. pasqu. 3, 198; ist den sant Peter ein teufel gewest? ebenda 204; damit alle sach bei gueter ordnung und alten herkomen wie esʒ vor jahren gewöst ist noch bleiben möge. marktordnung von Pöllau (1547) s. österr. weisth. 6, 135: wie von alters hero gewöst. (rainbrief v. Pöllau 1579) 142; und glückseelig gewest zu sein ist ietzund meine gröste pein. Weckherlin (14. ode, klage der Charitas) 249 Fischer u. a.; bistu zur see gewest, wann sie kein wind beweget, wenn durch die stille lufft die fluth sich nAehrlich reget? Rachel (das poet. frauenzimmer 189) sat. ged. 21 Drescher; ebenso 84. 104; was ich hab' euch gesagt, das wird gewis nicht fehlen, dasz die die grausamst' ist, von allen denenen seelen, so jemals, auff der welt, sein bösz' und falsch gewest, die erst erfunden hat, ein solchs abscheulich beest. (die feuerwaffe.) Dietr. v. d. Werder übers. von Ariosts rasend. Roland (11, 27) 3, 8; das weibsvolk hier ganz störrisch ist, weil's tag und nacht französisch liest; das mannsvolk, in Paris gewest, nur das theatrum hält fürs best' wo alles züchtiglich geschicht und alles in sentenzen spricht. Gotter an Göthe. s. Göthes werke 56, 68; (Crugantino:) bös über dich? bildt dir's nit ein! Basko ist kein kerl das nachzutragen. er hätt' dir ins gesicht geschmissen, und ein schrämmchen über die nase gehauen, und da wär's gut gewest. Göthe (Claudine von Villa Bella) 57, 168. 22) auch zum attributiven gebrauche sind a. a. o. (teil 10, 250) einige belege beigebracht, sie zeigen sowol die conventionelle verwendung neben titeln als einmal auch die unmittelbare anknüpfung an die tempusumschreibung. zur ergänzung folgen hier einige nachträge. 2@aa) die tempusumschreibung in der function des attributs: die damals zu Stuttgarten geweste beide doctores. F. Bidembach zehen theil. bedencken 1611 (Francf. a. M.) vorrede; man siehet auch ausz dieser vor anderthalbhundert jahren im obern Elsasz geweszten mund-art, wie die sprachen von jahren zu jahren, als die kleidungen und mntzen, der wechselung underworffen. Moscherosch vorr. zu Jacob Wimpfelings Tütschland (1648) 3a; ein gantz guldenes hertz, so ihr durchl ... in gewester gröster todsgefahr ... verlobet. Fr. Caccia lebensthat ... des heil. Antonii v. Padua (2) 174; dasz drei reverendo dieb und zugleich heimlich geweste wiltprädschützen, ... mit dem strang ... hingerichtet worden. Abele künstl. unordnung (1, 1) 1, B 6b; ähnlich (1, 3) 1, 28; dazu vgl. Salzburger taidinge 240, 19 (österr. weisth. 1). 2@bb) der erstarrte gebrauch. 2@b@aα) neben berufstiteln: diejenigen gewerken so unsern vorfahren oder gewesten vizdomben belehente wälder haben. Bamberger waldordnung, vgl. oben sp. 5646; als Leonhart Tafner verwalter gewesen, ist der burger allhie zu Afflenz pluembsuech und holz gerechtigkait ... besichtiget und den durch Geörgen Lachner, gewesten marktrichter, volgenter maszen beschriben worden. protokoll v. Aflenz (1564) s. österr. weisth. 6, 86; ebenso gewesten altmeister (1577) 6, 15; gewesten canzlei verwalter (1716) 6, 99; des gewesten hofcammer präsidentens, grafen von Sinzendorffs gold-fabrica zu Neuburg am Jhn. Joh. Joach. Becher närrische weish. und weise narrh. 124 überschrift; dazu vgl. gewestin pflegers tirol. weisth. 4, 593; Joh. Val. Andreae, gewester Würtemb. praelat Spener pietismus 31. 2@b@bβ) in der anlehnung an verwandschaftsbezeichnungen ist hier einmal die bei gewesen (sp. 5692) vermiszte engere beziehung auf den träger des appellativs belegt, gewest bezeichnet eine verstorbene person: und zur ewigen gedechtnusz unserer vorfahren, brüeder und nachkumbenden, wie auch der fürtreffentlichen Elisabetha, unserer gewesten gemählin seeligen angedenkens. banntaiding zu Spital (16. jahrh.), s. österr. weisth. 6, 53. 33) nicht in diesen zusammenhang fällt das subst. geweste vgl.gheweste, plaga mundi, regio, ora, tractus. Kilian 146b; es ist im friesischen und niederländischen belegt (in disse gewesten, in dieser gegend ten Doornkaat Koolman 1, 624b) und wird von J. L. Terwen (etymol. handwb. i. neder-duitsche taal 954) zu vatten, vast, vesten gestellt.
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    gewëststv. part. 2.sg.prät. 3.pl.prät. imp. subst.inf.

    Findebuch (Mhd. Wortschatz) · +2 Parallelbelege

    wësen stv. Will. Eilh. TrSilv. LBarl. Ren. RAlex. RWchr. Erz.iii LvReg. HlReg. Enik. DSp. Secr. GTroj. * HvNst. Apk. Ot.…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gewest

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    gewest , participiales adjectiv, nebenform zu gewesen II ( s. d. ) nach analogie der sogenannten schwachen flexion gebil…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewest

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gewest

ge- + west

gewest leitet sich vom Lemma west ab mit Präfix ge-.

gewest‑ als Erstglied (1 von 1)

Gewester

RhWBN

gewe·ster

[Ge-wester n.: wirres Durcheinander = Gewüster (Sp. 676).]

Ableitungen von gewest (1 von 1)

ungewêst

Lexer

un-gewêst sup. s. ungewæhe.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gewest". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewest/dwb?formid=G14397
MLA
Cotta, Marcel. „gewest". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewest/dwb?formid=G14397. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gewest". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewest/dwb?formid=G14397.
BibTeX
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