geviere,
gevier,
n. substantivableitung zu vier (
s. d.).
während in der heutigen sprache für den begriff des vierecks, insbesondere des quadrats, das substantivierte particip geviert (
s. d.)
durchgedrungen ist, hat sich das anfangs allgemeinere geviere
auf die bergmannssprache zurückgezogen. bezüglich der form neigen die ältern belege im singular zu dem apokopierten gevier,
erst seit Adelung (2, 640),
der die erste wörterbuchnotiz beibringt, ist als grundform wiederum geviere
festgesetzt. 11)
als zeugnisz für eine allgemeinere verwendung des wortes ist zu betrachten: die gemeinen probir-oefen, darinnen die alten die gemeine proben probirt haben, die sein also gemacht worden: sie haben von starckem eisern blech ein gefier lassen zusammen machen, welches dieses strichs länge (—.—) unten beläufftig fünffzehen weit, und sechzehen hoch gewesen, hat sich von unten auff bisz oben an, also geschmogen, dasz das gefier oben dieser länge zehen weit blieben, und das gefier hat keinen boden gehabt, sondern vorn am ofen hat es ein mundloch. L. Ercker
probierbuch (Frankfurt 1672) S. 8; so man aber an einem orth ist, da man keinen probir-ofen haben kan, und gleichwol in einer eil eine prob, oder etliche versucht solten werden, so kan man einen probirofen von ziegelsteinen, in ein gevier zusammen setzen. Ercker S. 9; nimb die obgesetzte läng, darnach der erste probir-ofen ausgetheilt ist, und misz in gevier eilff läng in die weitte, und in die höh sechzehen läng S. 9; nachmahls werden auch gleich in solcher form probiröfen gemacht, die auszwendig ins gevier, wie jetzt gedachter probirofen formirt. S. 10. Frisch (2, 401
b)
führt aus einer sprichwörtersammlung die redensart an: einen um haus, hof, ehre und gefier bringen,
omnibus bonis aliquem privare, ejicere a domo et possessionibus habitaculo annexis. die erklärung ist hier zwar durch die zwischenstellung des wortes ehre
mitten unter den vom lat. text geforderten materiellen gütern erschwert, es scheint aber, dasz gevier
hier das viereck bedeutet, das den gutshof umschlieszt. man sagt so woll das geviere als auch das gevierte dafür (
für quadrat). jenes hat Heynatz, dieses ist aber gebräuchlicher. Campe (1801) 2, 559
b. 22)
der bergwerksprache gehören an: gezimmer in den geschächten und gruben: rüstbäume. sind höltzer so im anfang des schachts gelegt werden, worauf das gefier gesetzet wird. Berward
erklärung der fürnembsten terminorum und redearten (1673) 13.; gefier sind die öberste jöcher im schacht. S 14. (jöcher .. sin höltzer so quer auff die tragstempel geleget werden); schrot ist, wo viel geviere auf einander gelegt werden. ein geviere aber ist von zwei jöchern und zwei kappen zusammengemacht. Hübner
kunst, natur-lexikon (1707) 1454; geviere auftragen heisst die jöcher und kappen in einander legen 707; geviere, ist von zwei jöchern und zwei kappen zusammen gesetzet; oder es sind die nach ablänglichter vierung in einander geschnittene vier schacht-höltzer, so zur auszimmerung der schächte gebraucht werden, und wird immer eine solche vierung auf die andere, wo es von nöthen, geleget, und endlich daraus ein gantzer schrot oder ausgezimmerter schacht.
Minerophilos (1743) 255
a; geviere legen ist ebensoviel als auftragen.
ebendort; gevier (
terme de mine),
les traverses Schwan (1782) 740 (
fehlt 1811); gevier
a figure, that consist of four alike sides and amples or corners. Ebers 643. geviere
quadripartition Hilpeet 461; geviere bei der schachtzimmerung, ein nach der länge und breite des schachts, aus zwei jöchern und zwei kappen bestehendes längliches viereck. Hartmann
handwb. der mineralogie etc. (1825) 1, 298; aus den gevieren setzt sich die schachtzimmerung zusammen. Serlo
leitfaden zur bergbaukunde (1869) 237; geviere auftragen, jöcher und kappen an ihren ort bringen Hartmann
a. a. o.; ein halbes geviere nennt man: welches nur aus einem joche und den zwei kappen bestehet, welche ebenfalls auf der einen seite mit dem joche zusammengeplattet, mit dem andern ende aber in die bühnlöcher gesetzet werden.
magazin für die bergbaukunde 9 (
abdruck des alten bergbüchleins von 1534) 369. Lempe; ist bei einem schachte der eine lange stosz fest, der andere gebräch, so verzimmert man nur letzteren und die beiden kurzen stösse und nennt dies mit halben gevieren verzimmern. Wenckenbach
bergmännisches wb. (1864) 238.
vergl. die zusammensetzungen: hauptgevier
theil (4, 2, 614); ansteckgeviere, haspelgeviere, hilfsgeviere, mittelgeviere, schachtgeviere, thürstockgeviere bei Veith
deutsches bergwb. 1, 237. 238.