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getürstigkeit

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

getürstigkeit f.

Bd. 6, Sp. 4608
getürstigkeit, f. , substantivbildung zum eben behandelten adjectiv. die form ist in der späteren mittelhochdeutschen dichtung, vor allem bei Konrad v. Würzburg, belegt. vgl. mhd. wb. 3, 16a. Lexer 1, 951. nachtrag 205. den höhepunkt erreicht die verwendung im 15. auf das 16. jahrhundert, um dann der präfixlosen form, die erstmals bei A. v. Halberstadt und Jeroschin belegt ist und dann bei Luther viel verwendet wird, platz zu machen. vgl. gedürstigkeit sp. 2055. 11) aus der litteratur des 13. bis 15. jahrhunderts: 1@aa) ohne ergänzungen und bestimmungen: kunst unde gelücke getürstekeit und mannes muot ditz sint dem manne gewisse huot diu waren nû Gâweine mite. H. v. d. Türlin krone 20513; präsumptio getürstecheit version der Benedictinerregel des 13. jahrh. Käferbäck 12b. ebenso in den gloss. bibl. von 1418 Schmeller 12, 626; von dirre christnin valle di Littouwin alle wurdin sêre gemeit und gewunnen turstikeit nâch der geschicht verre mê keyn den brûdren denne ê. N. v. Jeroschin 19279; und darumb ist si ain vorhtig tier, wan si hât wênig hitz. nu ist die hitz ain anprunst der getürstichait und der kuonhait. K. v. Megenberg 277, 21; der gallen aigenkait ist unstæticheit, tobung, behendichait, scherpfen der sinn, neuvindichait, hôhvart, gir, unkäusch. 28, 29; von ungeordenter vorchte und von getürstekeit und von ubermütikeit und von êrgîtikeit. cap. 73 des buches der tugend. Luzerner handschrift von 1382, vgl. Germania 17, 54; wen ichs wol gefugen mocht, so kem ich geren; sô bin ich nit mein selbs, ich bin eins gantzen capitels und der besten pfarr, die ze Basel ist, die laht mich nit geren von in. so het ich auch noch nit getürstgikeit offenlich in den lant zu wandeln, wan wer mir icht tet oder nem, da gieng nit klag uber mich. Heinr. v. Nördlingen an Margaretha Ebner 228. Strauch. vgl. Heumann opuscula 361; der dritte sak ist gtinstikait (geturstikait) der ist dir auch dar zuo bereit, daz du dich freilich machist her, nicht sam ein plauger winterper. der leste sak ist gedultichait, der all dein leiden ubertrait. H. v. Wittenweiler ring (30c, 2) 130 Bechstein. 1@bb) verbindung mit attributiven adjectiven: so si zanken umb ein kû sus gie ein dem andern zû mit grôzer turstekeite. Albrecht v. Halberstadt 90b Bartsch; ez ist ein grôz getürstekeit daz ir mit rede grîfent an mich unde mînen werden man, den ich muoz triuten iemer mê. Konrad von Würzburg trojan. krieg 21510; und wart dar under nie sô balt, daz er nâch sînes herzen gir sîn leit getörste clagen ir. er het ê die getürstekeit, daz er mit grimmen löuwen streit. 15556; wan swer die liute wil verjagen ûz ir vaterlande, der muoz vil manger hande getürstekeit erzeigen. ê daz der man sîn eigen verliese und al sîn êre und ûz dem lande kêre, in dem sîn muoter in gebar, ê wâget er sîn leben gar. 11678; die solt du dicke ansehen, und solt ein trahen wassers niut mit friheit und vermessener getörstekeit geturren nemmen denne mit temuetiger vorchte. nütze alle ding noch notdurft diner krangheit und niut noch genuegde. Tauler predigten 675 Wackernagel; wer dem obgenanten abbt, und convente ... an iren obgeschriben freiheitten, rechten und gnaden ingriff thet, mit frevenlicher durstikait dazz der verfallen und pflichtig sei zu geben funffzig marck. kaiserl. schutzbrief für Benedictbeuren 1454, monum. Boica 7, 208; durch wipliche geturstikait vgl. sp. 4597. 1@cc) pronominale verweise auf ergänzungsbestimmungen, die im zusammenhange gegeben sind: wan er ê ouch die geturstikait truog in sîme herzen hôch daz er bî dem barte zôch einen keiser über tisch. Konrad v. Würzburg Otte 664; darûffe dâ von gestin was vil Littowschir rotin von andrin gegenôtin. den tet zorn di turstikeit, daz in diz volk sô nâhin reit, und volgtin ouch zuhant in mit gewâpinter hant als in ir vreidikeit gerît. 19692. 22) aus der litteratur des 15. auf das 16. jahrhundert: 2@aa) ich hab dir dis exempel darumb gesagt, zuo verston, das fürsichtigkeit und geschidigkeit bei vilen besser sind, ein sach zu volbringen, dann mit stercki oder getörstigkeit des mannes. buch der beispiele 36, 27 Holland; kein ritter hat euch mit gedürstigkeit mögen verglichen werden. Aimon 9a. 2@bb) 2@b@aα) wie wol die baide grosse übel sind, waisz ich doch nit, welhes das grösser ist, ob das übel des ebruchs grösser sie oder die über grosz gedurstikait den durchlüchtigen künig unverschuldet zetöten. Steinhöwel Boccacio 'de claris mulier.' 122 Drescher. 2@b@bβ) da sprach zuo im der ritter. o du ribalt mit welher getürstichait. torst du dich einen chünich genennen. gesta Romanorum 55 Keller; mit was gedürstigkeit, allergnedigste juncfraw, ich mich unterstehe euch zu schreiben. buch der liebe 236a; wo hast du so vil gedurstigkeit genommen, um solches mit mir zu reden. Wirsung Calistus K3. 2@cc) unangesehen das alles und durch aigen mutwil frevel und geturstigkait habn si ainen creftigen hertzug furgenomen hertzog Sigmundn in seine lant getzogn das Elsass und Sungkaw ganntz verherget. instructionen für herzog Sigmunds gesandte, monum. Habsburg. I, 1, 247 (ende 15. jahrh.); do der kunig des hertzogen geturstekeit (kampfbegier, schlachtbereitschaft) sach, do besamet er alle die er mohte und fuor gen Brisach. Closener d. städtechron. 8, 51; do der legate gesach des bischofes getürstekeit und unlange mit im gekrieget hette, do lies er die sache ligen vor schame und gesweig ir mit groszen schanden. 8, 51; was ist dann sin getürstikeit? Terenz (1499) 74b; dann ir übermuth und gedörstigkeit sich gar zu weit erstreckt. Hutten 5, 282 Münch. 33) die präfixlose form, die für die ältere zeit aus Albrecht von Halberstadt und Nicolaus von Jeroschin zu belegen war, erscheint auch in den vocabularien, vgl. Diefenbach 382. ebenso tritt sie in bairischen quellen auf: wer den obgenanten irem gotshaus und iren leuten an iren obgeschriebenen freiheiten rechten und gnaden ingriff thet mit frevelicher durstikait mon. Boica 7, 208. desgleichen im reichsabschied zu Eszlingen 1526, vgl. th. 2, 1755. auch Luther bedient sich hier wie in anderen fällen der einfachen form: der bosewicht Luther gibt recht und nimmt kein geld dafur ist das nicht eine grosze durstigkeit, wie kann mans leiden? Luther briefe 3, 83 de Wette; teufflische dürstigkeit. tischreden 33b. von wörterbüchern wird diese form noch bei Stieler aufgezeichnet: durstigkeit, audacia, saevitia, ferocitas, tyrannis 280. ebenso noch dürstigkeit, sitis, item audacia. Steinbach 1, 312. die präfigierte form wird noch von Kirchhof dargeboten: die gedürstigkeit der stolzierenden räuber. wendunmut 293a.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    getürstigkeitf.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    getürstigkeit , f. , substantivbildung zum eben behandelten adjectiv. die form ist in der späteren mittelhochdeutschen d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit getuerstigkeit

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Ableitung von getuerstigkeit 3 Analysen

ge- + turstigkeit

getuerstigkeit leitet sich vom Lemma turstigkeit ab mit Präfix ge-, mit Umlaut-Wechsel.

Alternativen: getuerstig+-keit ge-+turst+-ig+-keit

Keine Komposita gefunden — getuerstigkeit kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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Cotta, M. (2026). „getuerstigkeit". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/getuerstigkeit/dwb?formid=G12905
MLA
Cotta, Marcel. „getuerstigkeit". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/getuerstigkeit/dwb?formid=G12905. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „getuerstigkeit". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/getuerstigkeit/dwb?formid=G12905.
BibTeX
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