getürstigkeit,
f. ,
substantivbildung zum eben behandelten adjectiv. die form ist in der späteren mittelhochdeutschen dichtung, vor allem bei Konrad v. Würzburg,
belegt. vgl. mhd. wb. 3, 16
a. Lexer 1, 951.
nachtrag 205.
den höhepunkt erreicht die verwendung im 15.
auf das 16.
jahrhundert, um dann der präfixlosen form, die erstmals bei A. v. Halberstadt
und Jeroschin
belegt ist und dann bei Luther
viel verwendet wird, platz zu machen. vgl. gedürstigkeit
sp. 2055. 11)
aus der litteratur des 13.
bis 15.
jahrhunderts: 1@aa)
ohne ergänzungen und bestimmungen: kunst unde gelücke getürstekeit und mannes muot ditz sint dem manne gewisse huot diu waren nû Gâweine mite. H. v.
d. Türlin
krone 20513;
präsumptio getürstecheit
version der Benedictinerregel des 13.
jahrh. Käferbäck 12
b.
ebenso in den gloss. bibl. von 1418 Schmeller 1
2, 626; von dirre christnin valle di Littouwin alle wurdin sêre gemeit und gewunnen turstikeit nâch der geschicht verre mê keyn den brûdren denne ê.
N. v. Jeroschin 19279; und darumb ist si ain vorhtig tier, wan si hât wênig hitz. nu ist die hitz ain anprunst der getürstichait und der kuonhait. K. v. Megenberg 277, 21; der gallen aigenkait ist unstæticheit, tobung, behendichait, scherpfen der sinn, neuvindichait, hôhvart, gir, unkäusch. 28, 29; von ungeordenter vorchte und von getürstekeit und von ubermütikeit und von êrgîtikeit.
cap. 73
des buches der tugend. Luzerner handschrift von 1382,
vgl. Germania 17, 54; wen ichs wol gefugen mocht, so kem ich geren; sô bin ich nit mein selbs, ich bin eins gantzen capitels und der besten pfarr, die ze Basel ist, die laht mich nit geren von in. so het ich auch noch nit getürstgikeit offenlich in den lant zu wandeln, wan wer mir icht tet oder nem, da gieng nit klag uber mich. Heinr. v. Nördlingen
an Margaretha Ebner 228.
Strauch. vgl. Heumann
opuscula 361; der dritte sak ist gtinstikait (geturstikait) der ist dir auch dar zuo bereit, daz du dich freilich machist her, nicht sam ein plauger winterper. der leste sak ist gedultichait, der all dein leiden ubertrait. H. v. Wittenweiler
ring (30
c, 2) 130
Bechstein. 1@bb)
verbindung mit attributiven adjectiven: so si zanken umb ein kû sus gie ein dem andern zû mit grôzer turstekeite. Albrecht v. Halberstadt 90
b Bartsch; ez ist ein grôz getürstekeit daz ir mit rede grîfent an mich unde mînen werden man, den ich muoz triuten iemer mê. Konrad von Würzburg
trojan. krieg 21510; und wart dar under nie sô balt, daz er nâch sînes herzen gir sîn leit getörste clagen ir. er het ê die getürstekeit, daz er mit grimmen löuwen streit. 15556; wan swer die liute wil verjagen ûz ir vaterlande, der muoz vil manger hande getürstekeit erzeigen. ê daz der man sîn eigen verliese und al sîn êre und ûz dem lande kêre, in dem sîn muoter in gebar, ê wâget er sîn leben gar. 11678; die solt du dicke ansehen, und solt ein trahen wassers niut mit friheit und vermessener getörstekeit geturren nemmen denne mit temuetiger vorchte. nütze alle ding noch notdurft diner krangheit und niut noch genuegde. Tauler
predigten 675
Wackernagel; wer dem obgenanten abbt, und convente ... an iren obgeschriben freiheitten, rechten und gnaden ingriff thet, mit frevenlicher durstikait dazz der verfallen und pflichtig sei zu geben funffzig marck.
kaiserl. schutzbrief für Benedictbeuren 1454,
monum. Boica 7, 208; durch wipliche geturstikait
vgl. sp. 4597. 1@cc)
pronominale verweise auf ergänzungsbestimmungen, die im zusammenhange gegeben sind: wan er ê ouch die geturstikait truog in sîme herzen hôch daz er bî dem barte zôch einen keiser über tisch. Konrad v. Würzburg
Otte 664; darûffe dâ von gestin was vil Littowschir rotin von andrin gegenôtin. den tet zorn di turstikeit, daz in diz volk sô nâhin reit, und volgtin ouch zuhant in mit gewâpinter hant als in ir vreidikeit gerît. 19692. 22)
aus der litteratur des 15.
auf das 16.
jahrhundert: 2@aa) ich hab dir dis exempel darumb gesagt, zuo verston, das fürsichtigkeit und geschidigkeit bei vilen besser sind, ein sach zu volbringen, dann mit stercki oder getörstigkeit des mannes.
buch der beispiele 36, 27
Holland; kein ritter hat euch mit gedürstigkeit mögen verglichen werden.
Aimon 9
a. 2@bb) 2@b@aα) wie wol die baide grosse übel sind, waisz ich doch nit, welhes das grösser ist, ob das übel des ebruchs grösser sie oder die über grosz gedurstikait den durchlüchtigen künig unverschuldet zetöten. Steinhöwel
Boccacio '
de claris mulier.' 122
Drescher. 2@b@bβ) da sprach zuo im der ritter. o du ribalt mit welher getürstichait. torst du dich einen chünich genennen.
gesta Romanorum 55
Keller; mit was gedürstigkeit, allergnedigste juncfraw, ich mich unterstehe euch zu schreiben.
buch der liebe 236
a; wo hast du so vil gedurstigkeit genommen, um solches mit mir zu reden. Wirsung
Calistus K
3. 2@cc) unangesehen das alles und durch aigen mutwil frevel und geturstigkait habn si ainen creftigen hertzug furgenomen hertzog Sigmundn in seine lant getzogn das Elsass und Sungkaw ganntz verherget.
instructionen für herzog Sigmunds gesandte, monum. Habsburg. I, 1, 247 (
ende 15.
jahrh.); do der kunig des hertzogen geturstekeit (
kampfbegier, schlachtbereitschaft) sach, do besamet er alle die er mohte und fuor gen Brisach. Closener
d. städtechron. 8, 51; do der legate gesach des bischofes getürstekeit und unlange mit im gekrieget hette, do lies er die sache ligen vor schame und gesweig ir mit groszen schanden. 8, 51; was ist dann sin getürstikeit?
Terenz (1499) 74
b; dann ir übermuth und gedörstigkeit sich gar zu weit erstreckt. Hutten 5, 282
Münch. 33)
die präfixlose form, die für die ältere zeit aus Albrecht von Halberstadt
und Nicolaus von Jeroschin
zu belegen war, erscheint auch in den vocabularien, vgl. Diefenbach 382.
ebenso tritt sie in bairischen quellen auf: wer den obgenanten irem gotshaus und iren leuten an iren obgeschriebenen freiheiten rechten und gnaden ingriff thet mit frevelicher durstikait
mon. Boica 7, 208.
desgleichen im reichsabschied zu Eszlingen 1526,
vgl. th. 2, 1755.
auch Luther
bedient sich hier wie in anderen fällen der einfachen form: der bosewicht Luther gibt recht und nimmt kein geld dafur ist das nicht eine grosze durstigkeit, wie kann mans leiden? Luther
briefe 3, 83
de Wette; teufflische dürstigkeit.
tischreden 33
b.
von wörterbüchern wird diese form noch bei Stieler
aufgezeichnet: durstigkeit,
audacia, saevitia, ferocitas, tyrannis 280.
ebenso noch dürstigkeit,
sitis, item audacia. Steinbach 1, 312.
die präfigierte form wird noch von Kirchhof
dargeboten: die gedürstigkeit der stolzierenden räuber.
wendunmut 293
a.