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getrieben

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

getrieben

Bd. 6, Sp. 4537
getrieben , participiales adjectiv zu treiben (s. d.). das verbum entwickelt mehrfache bedeutungen, die eine isolierung des participiums begünstigen; so kannte schon die althochdeutsche zeit adjectivische verwendungen des particips, die aber im ansatz stecken blieben, vgl. Graff 5, 483. die mittelhochdeutsche zeit brachte einige gebrauchsformen auf, unter denen die verbindung getribener weg = gebahnter weg sich am längsten erhalten hat; der renaissancezeit und ihrer kunst entspringt endlich die neuere und meist verwendete gruppe getriebene arbeit. 11) vereinzelte verwendungen. 1@aa) althochdeutsch für actus; so in den glossen zu Vergil Georg. 2, 334 (actum caelo magnis aquilonibus imbrem) gitripanan. Steinmeyer-Sievers 2, 634; ketribeniu chlaga. Notker im Boethius Graff 5, 483 u. a. 1@bb) unt das ungetribenen liuten ist ein griuse das ist dem getribenen ein herzenfroede, es ist nieman gottes riche, wanne der ze grunde tot ist. (sprüche deutscher mystiker) Wackernagel lesebuch 12, 889; abgetrieben Schmeller 12, 641; vgl. durchtrieben theil 2, 1704. 1@cc) so man sie mit jrem getriebenen namen (gezähmte meerkälber) nennet, sollen sie schimpfliche antwort geben. Forer fischbuch 102b. 1@dd) es griff ins räderwerk meines ohnehin nicht mehr kräftig getriebenen lebens zu störend ein. Hebbel briefe 1, 75. 1@ee) getriebene (übertriebene, gesteigerte) preise advanced, exaggerated prices Eitzen wb. der handelssp. 317. 22) getribene ban, getribener pfad, weg: wan in was gegen Rôme gâch. diu strâze was getriben genuoc. gein einer stat si sie truoc, diu was Nerden genant. Mai und Beaflor 207, 27; vor deme tage so schiet er dan. er kam ûf ein getriben ban diu truoc in hin ze Berne. Eckenliet 41, 2 (heldenbuch 5). getriebene bahnen noch bei Lavater physiognom. fragmente (1755) 1, 53; der markîs fuor sâ an daz lant, die küneginne het er an der hant. er sprach: 'süeziu, ir sît genesen! nu kan ir nimmer sô vil wesen, daz sî mich türren bestên. wir suln an daz gebirge gên ... ich kiuse hie wol getriben wege. U. v. dem Türlin Willehalm 153, 23 Singer; gein oriente was der pfat wol getriben und gebent (gebahnt). Heinrich v. Neustadt von gotes zuokunft 161 Strobet; davon mein hertz ward fräden satt, fürbas in das gevilde ich tratt und kam uff ain getriben pfat, der truog mich fürbas. Hätzlerin 1, 28, 59; so hab ich gwalt meins hertzen gar, und mein gemüt das sei ergeben deiner güt, auch tuon und lân mit triuwer pflicht. meins hertzens pan die ist gericht zu dir allain, ain tribner pfat. 2, 36, 7; wol getribenen weg zu aller gotlicher warhait. H. v. Nördlingen 191 Strauch; der weg (zur hölle) ist nit verkrumpt sunder gar slecht und wol getriben. handschr. des 15. jh. Schmeller 12, 641; und kam ich an ain wegschaiden, was ein getribner gueter weg, der gieng auf die glinggen hant (gelinke, linke hand); ich maint, der weg solt sich wider herumb schicken zu disem weg, und rait also demselben weg nach. chron. des B. Zink d. städtechroniken 5, 106; getribner wäg, via trita, iter tritum Maaler 177d: tribner wäg, ein wolbewandlete straasz; tribne, breüchliche straasz, via celebris. ebend. 408a; item es mag auch ain nachtpar über den andern, wo sie an einander geraint sein, faren mit mist und was er zu seiner hausznotdurft bedürftig, doch zu rechter weil und zeit on schaden der sat und frücht; wann aber ainer ain rechte getribne strasz hat, soll er seines nachbarn und also ainer des andern verschonen so vil müglich. österr. weisth. 1, 154 (Wartenfels 1585); getribner weg, via trita Frisius (1616) 751. ebenso bei Dentzler (1677) 116. 33) getrieben caelatus. seit dem 16. jahrh. belegt, wird es von anfang an bis heute vorwiegend als attribut zu arbeit verwendet; daneben kommt es in verbindung mit metallen und gefäszen vor. [] 3@aa) 3@a@aα) das gold vil wärder und theürer machen mit getribner und erhabner arbeit, carius facere aurum caelando Maaler 177d; tribenwerck (das) oder ausgestochen, anaglypha, anaglypta; tribne oder erhabene arbeit machen als bildwerck und dergleichen effingere in auro; meister der tribnen oder erhebten arbeit caelator. 408a; dan dasz ich der bildhauer geschweige, die weil sie doch heut mit den zimmerleuten vnd steynmetzen als für vereinet geschätzet werden, so besehe man die goltschmid, mit jrer gestochenen, eretzten, erhabenen vnd getribenen arbeit, wie sie die also so hochpringen, dasz schwärlich in metall bessers könnt zuwegen gebracht werden. Fischart vorbericht zu emblematum tyrocinia (kloster 10, 940 Scheible); ghedrewen werck, toreuma. opus caelatum tornoque factum Kilian J 3; getriben, filicatum Henisch 1587; alles was von getribener arbeit gemacht wirdt, opera filicata 1588; getriebene arbeit von silber crusta et emblemata argenti caelati. 98; getriebene arbeit, ouvrage relevé en bosse. dictionaire du voyageur 144; getriebene arbeit, anaglypta Dentzler (1677) 116; getriebene arbeit, lavor punzellato, bulinato Castelli (1700) 139; getriebene arbeit machen, emboutir Schwan (1782) 740; getriebene arbeit, holländisch gedreven werk, dänisch dreved arbedje, schwedisch drifvet arbete, englisch embossed plate, chased work. Nemnich (1820) 355, vgl. Hilpert 461 u. a. 3@a@bβ) die getriebene oder ziselierte arbeit hat erhabene figuren, die auf der verkehrten seite hohl sind. beide benennungen sagen, im grunde betrachtet, einerlei, und man nennt es ciselieren, wenn die figuren vorzüglich stark ausgetrieben sind; das treiben geschieht aber auf eine dreifache art .. mit den bunzen .. mit der winklichen spitze des schnarreisens (wenn der ziselier mit den 'bunzen' der verkehrten seite nicht beikommen kann) ... mit einer form ... aber nur bei geringen waaren. Sprengel handwerk und künste 3. sammlung (1769) 169; getriebene arbeit. diese war nicht allein halb erhaben, sondern es wurden auch runde figuren getrieben. die älteren meister, unter denen Caradosso vorzüglich genannt wird, machten erst ein urbild von wachs, gossen dieses in erz, überzogen das erz sodann mit einem goldblech und trieben nach und nach die gestalt hervor, bis sie das erzbild herausnahmen. Göthe (anhang zu Benvenuto Cellini) 35, 322; vorzüglich sind es die edlen metalle, auf welchen getriebene arbeit ausgeführt wird, obwohl sie auch hier, ihrer kostspieligkeit wegen, jetzt seltener als wohl sonst vorkommt. Karmarsch handb. der mech. technol. (1851) 378. 3@a@gγ) darüber bekommt sein (Lessings) stück ähnlichkeit mit einer getriebenen arbeit, in welcher die kunst oder vielmehr künstlichkeit den wert der materie weit übertrifft und daher doch verschwendet erscheint, während Shakespeare massives gold mit goldner kunst behandelt. O. Ludwig 5, 272; es ist getriebene arbeit, ein kleines korn metall ist durch wunderbare kunst zu einem groszen und reichen werke auseinander getrieben, dessen wert eben fast blosz in dieser kunst besteht. Shakespeares werke sind dagegen massiv. 5, 328. 3@bb) 3@b@aα) schale, gieszkanne von getriebener arbeit, bassin, aiguiere bossué Rondeau-Buxtorff 253; vor jedem der ritter stand ein goldener becher von getriebener arbeit, der, wie oft er geleert ward, immer gefüllt sein muszte. Zschokke (freihof von Aarau) novellen und dicht. 5, 252; von seinem antheil an der übrigen beträchtlichen beute schenkte Leopold zwei grosze spiegel mit rahmen von getriebener silberarbeit der königin von Preuszen. Varnhagen biograph. denkm. 2, 61. 3@b@bβ) von seinen getriebenen arbeiten in gold und silber mag wenig übrig geblieben sein, wenigstens wüszten wir keine mit gewiszheit anzugeben. Göthe (anhang zu Benvenuto Cellini) 35, 363; erwähnung verdienen noch die getriebenen arbeiten, welche zuweilen von schlossern, freilich oft sehr roh, aus eisenblech gemacht werden. Karmarsch 380. 3@cc) ghedreven silver Kilian J3; ein getriebenes becken, un bassin bossué Schwan (1782) 740; getriebenes eisenblech, tole, fer en feuilles. ebend.; bis sie das erzbild herausnahmen und nach genauer bearbeitung die in das goldblech getriebenen figuren zulötheten. Göthe (anhang zu Benvenuto Cellini) 35, 322; nun sorget für den schmuck der säle selbst entfaltet die gestickten teppiche und deckt damit den boden, sitze, tafeln; gering- und köstliches vertheilt mit kluger wahl! bereitet platz genug für viele gäste, und setzt die kunstgetriebenen geschirre zur augenlust auf ihre rechten stellen. Göthe (Elpenor 1, 1) 10, 7; [] seine (Cannings) rede war damals kein schwert, sondern nur die scheide desselben, und zwar eine sehr kostbare scheide, woran das getriebene goldblumenwerk und die eingelegten edelsteine aufs reichste blitzten. Heine das bürgerkönigthum im jahre 1832, 4; wenn rühmlichen stamms letzter erbe den geist verhaucht, wird in die gruft ihm das wappenschild des geschlechts, zierlichen schmucks nachgesenkt: dies erzgetriebene bildwerk des lieds, auf gleiche weise hinab versenk' ich's an schwankem seil, vormaligen ruhms im geist eingedenk. Platen (auf den tod des kaisers) 131.
8972 Zeichen · 115 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    getrieben

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    getrieben , participiales adjectiv zu treiben ( s. d. ). das verbum entwickelt mehrfache bedeutungen, die eine isolierun…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    getrieben

    Goethe-Wörterbuch

    getrieben s treiben Katherina Mittendorf K.M.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit getrieben

22 Bildungen · 2 Erstglied · 19 Zweitglied · 1 Ableitungen

getrieben‑ als Erstglied (2 von 2)

getriebende

DWB

getriebende , n. technischer ausdruck, vgl. getriebe oben: eine glatte konische vertiefung, auf der jetzt freien seite des armes nimmt ... d…

Getriebene Arbeit

Herder

getrieben·e·arbeit

Getriebene Arbeit , die Hervorbringung von außen erhabenen, innen hohlen Figuren auf Metallblechen (vergl. Ciseliren).

getrieben als Zweitglied (19 von 19)

abgetrieben

Pfeifer_etym

treiben Vb. ‘vorwärtsbewegen, fortjagen, sich mit etw. beschäftigen’, ahd. trīban (8. Jh.), mhd. trīben, asächs. drīƀan, mnd. mnl. drīven, n…

ATOMGETRIEBEN

DWB2

atom·getrieben

DWB2 ATOMGETRIEBEN adj. DWB2 zu atom 2 . mit kernenergie angetrieben: DWB2 1965 stapellauf des ersten atomgetriebenen u-bootes Kraft mensche…

dampfgetrieben

DWB2

dampf·getrieben

dampfgetrieben adj. : 1848 Geibel juniuslieder 142. 1921 Wobbe leben ( 1919 ) 3,125. DWB2 – zusammensetzungen mit zusammenbildungen als best…

fluchgetrieben

DWB

fluch·getrieben

fluchgetrieben , diris actus: der wandrer ist der jude Ahasver, der fluchgetrieben rastlos jagt umher. Lenau.

goldgetrieben

DWB

gold·getrieben

goldgetrieben , part. adj. , ' durch hämmern aus gold geformt ': so würd ein unterthan mich vor den fürsten halten, wenn ein gestickter bund…

hochgetrieben

DWB

hoch·getrieben

hochgetrieben , part. : die hochgetriebene pracht ( eines gebäudes ). Siegfr. v. Lindenberg 2, 32; es giebt bei der englischen nation mehr a…

hōchgetrieben

KöblerMhd

hōch·getrieben

hōchgetrieben , Adj. nhd. „hochgetrieben“, in die Höhe getrieben, erhaben, herausragend, bedeutend Q.: EvSPaul (1300-1350) (FB hōchgetriben)…

kunstgetrieben

DWB

kunst·getrieben

kunstgetrieben , wie sonst getrieben schlechtweg, von metallarbeit: die kunstgetriebenen geschirre. Göthe 10, 7 ( Elp. 1, 1).

solarangetrieben

RDWB1

solarangetrieben (nicht "на солярке") работающий на солнечной энергии

sturmgetrieben

DWB

sturm·getrieben

sturmgetrieben , adj. : herrn Blondel bracht ein falke, sturmgetrieben, aus Dreux ein täflein wachs, mit blut beschrieben F. Dahn ged. (1908…

ungetrieben

DWB

ungetrieben , part.-adj. zu treiben, gth. v. getrieben ( s. beide ). mhd. ungetriben. zu ungetribenen liuten (getrieben 1 b) s. dän. dreven,…

vielumgetrieben

DWB

vielumgetrieben : gab den vielumgetriebenen gebeinen ihre alte stätte wieder Strausz (1876) 11, 234 , ebenso vielumhergetrieben. —

weitgetrieben

DWB

weit·getrieben

weitgetrieben , partiz.-adj. , übertragen vom erreichten grad, erfolg u. ä., vgl. weit treiben unter weit B 2 c: die bey dem höchsten flug u…

wohlgetrieben

DWB

wohl·getrieben

-getrieben , adj. 1) wohlerprobt, zu getrieben 1, s. o. teil 4, 1, sp. 4537: wir sollen halten zu den ... verstendigen, geübten, wolgetribne…

Ableitungen von getrieben (1 von 1)

ungetrieben

DWB

ungetrieben , part.-adj. zu treiben, gth. v. getrieben ( s. beide ). mhd. ungetriben. zu ungetribenen liuten (getrieben 1 b) s. dän. dreven,…