getast,
getaste,
n.; es sind hier zwei verschiedene bildungen zu unterscheiden, die zusammensetzung mit dem substantiv tast
und das verbalsubstantiv zu tasten (
vgl. th. 11, 156). 11) getast,
m., präfigierte form zu tast,
der in weisthümern ein anderes compositum antast (
th. 1, 496)
zur seite steht. das grundwort gehört mitteldeutschem sprachgebiete an, dem die andern formen ebenfalls entstammen: in desim lobe von der minne so lobet di brut dri sinne des brutegames stercke und vaste den kus bescheide ich zu dem taste, dem smacke milch und win der waz sal an dem ruche sin, sus habe wir der vunf sinnen dri. Bruno v. Schonebeck (
litt. ver. 198) 12180;
unser compositum ist zuerst in der niederrh. gemma (
Köln 1507)
belegt: getast
vel geuolinge,
tactus Diefenbach-Wülcker 618;
ohne litterarisch an die oberfläche zu dringen, mag das wort im norden Deutschlands weitergelebt und die bildung des verbalsubstantivs erleichtert haben. 22) 2@aa)
das verbalsubstantiv ist neutrum und wurde von J. Engel
nach analogie der verwandten bildungen geformt: im deutschen haben wir das wort tasten, welches nie von wärme und kälte oder andern dunklen wahrnehmungen gebraucht wird; und ich sehe nicht ab, warum wir von dem vortheile unserer sprache, die durch ihre end- und vorsylben die bildung neuer wörter so sehr erleichtert, keinen gebrauch machen und nicht, mit beibehaltung des für die feinern sinne angenommenen ungewissen geschlechts, das 'getast' sagen sollten.
über einige eigenheiten des gefühlssinnes, werke (1844) 9, 110.
diese neue bildung fand freundliche aufnahme und wurde in den einschlägigen schriften viel verwendet und seit Campe (2, 352)
auch in wörterbüchern verzeichnet: dieses gefühl .. tritt aber mit einer besonderen energie in den äussersten enden des körpers, den fingerspitzen und fuszzehen, hervor, und heiszt in dieser beziehung auch das getast (
tactus), der
tastsinn oder betastungssinn. Krug
handwb. der philosoph. wiss. (1827) 2, 139; getast
siehe tastsinn
encyclopädisches wb. der med. wissensch. (1836) 14, 626; wir sehen diese attribute der körper als attribute derselben, aber wir erkennen sie als verhältnisse nur, indem wir sie zugleich auf unsere übrige sinne, besonders auf den des getastes, beziehen. G. R. Treviranus
biologie oder philosophie der lebenden natur 6 (1822) 424;
dieselbe stelle bei Göthe (
anforderungen an naturhistor. abbildungen) 50, 101
angezogen. 2@bb)
auch auszerhalb der beziehung auf den speciellen sinn kommt die substantivbildung vor, und hier ist ihr das verbale moment, die bedeutung einer handlung, besser bewahrt: wenn du mit der ganzen anspannung des geheimniszvollen schwungs der magnetischen bewegung über alle schönheit zwischen berührung und nichtberührung mit dem getast dahin schwebst. Arnim
Hollins liebeleben 40
Minor; so ist jedem naturforscher die vollständigste kenntnisz von licht und schatten und den linien und luftperspectiven unerläszlich, da man ohne den vollkommensten besitz dieser kenntnisse weder richtige mikroskopische beobachtungen machen kann, indem diese keine überzeugung durchs getaste gestatten, noch irgend eine abbildung richtig zu beurtheilen vermag. Göthe (
anforderungen an naturhistor. abbildungen) 50, 106;
auch Campe 2, 352
unterscheidet das getaste
von dem oben erwähnten.