Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gestellet
1.1 mit explizierendem Adv. (gelegentlich auch halbpräd. Adj., vgl. Behaghel, Dt. Syntax 3,475- 477)
1.2 mit explizierenden präp. Wendungen
1.3 mit explizierendem Vergleich
1.4 mit Ausdrücken, die eine Beschreibung vertreten
1.5 phras.: umbe jmdn./etw. gestalt sîn ‘(so) um etw./jmdn. bestellt sein’
2 in der Wendung gestalter eit ‘ein im Wortlaut festgelegter Eid’ (zur Wendung eit stellen stellen , vgl.
1 ‘so seiend, beschaffen; sich (so) verhaltend’, i.d.R. präd. (vgl. aber z.B. 2.1 KLD:GvN ), oft semantisch so an sîn/wërden angenähert, dass sich ein eigener semantischer Beitrag kaum fassen läßt ( talis est dilectus meus, alsus minneklich gestellet ist min suͤsses lieb Seuse 378,14; zwey augen zweyerleye getan, / [...], / braun einz, daz ander gra gestalt Physiogn 191 ); im späten Mhd. auch im spielerischen Wechsel mit gestalt stF. adj. gestalt i.S.v. ‘aussehend, gestaltet’ (vgl.: pilosus ist ain tier, [...], daz hât ain gestalt oben als ain mensch und ist unden gestalt als ain tier BdN 157,21 ); immer mit einer Beschreibung korreliert 1.1 mit explizierendem Adv. (gelegentlich auch halbpräd. Adj., vgl. Behaghel, Dt. Syntax 3,475- 477): den [Frauen] wâren cleider untter lîp / vil armeclichen gestalt Iw 6193; wâ wart ie baz gestalter lîp KLD:GvN 23: 2,2; Brangâne und Kamelîne, / die sint in sulchem schîne / und alsô minnenclîch gestalt, / daz sie vröuden manicvalt / wol mugen geben einem man HvFreibTr 4857; so wirde ich so rehte froͤlich gestalt Seuse 450,18. 377,29; HvNstVis 558. – frowen guot, [...] / sî sint milt und minnenklîch gistellet / und hânt dâbî tugende vil SM:Had 11: 6,7; SM:Te 9:2,6; sin roͤselechten wangen, die da brunnen als die rosen, sint nuͦ [...] erbleichet und gar magerlich gestellet Seuse 551,27. – bes. mit wol, wobei die Verbindung → wolgestalt zunehmend fest wird: ir wengel wol gestellet / sint gevar / alsam ein touwic rôse rôt MF:Wolfr 8: 4,1; des man sach, wie wîblîch wol si sint gestalt SM: Had 3: 1,6. 52:9,3; si ist gestalt unmassen wol / da di gurtel ligen sol HvNstAp 15085; gestalt sô ritterlîche wol RvEBarl 11889 1.2 mit explizierenden präp. Wendungen: – mit ane: der win ist gut zcu trinkene welchir di mittel maze hat an der groze vnde an der kleine vnde al dar nach he gestalt ist an deme aldir SalArz 20,45. – mit mit: er was so hovelichen / mit witzen gestellet / daz er wart gesellet / Wildehelme von Österrich WhvÖst 9319. – mit nâch: das sin gotlih gewalt / nah sinim antlútze gestalt / ein menschin mahte RvEWchr 222; Iw 2816; rîfe und anehanc die heide hât betwungen, / daz ir liehter schîn / nâch jâmer ist gestalt KLD:GvN 30: 1,4; RvEWchr 11789. – mit ûf: dîn munt ist ûf den kus gestalt MF:Wolfr 8: 2,7. – mit ze: sîn muot ze zorne wart gestalt Wig 2240; juncvrau, [...] wizzet ir der botschaft niht, / so bringe ich ir iuch innen: / ir dunket mich ze sinnen / gestalt WhvÖst 11121. – hî, wie ist er ze vehte / und ze kampfwîse / gestellet sô ze prîse Tr 11208; si ist minneklich / und gestellet ze sehenne gehiure SM:WvH 5: 2,5 1.3 mit explizierendem Vergleich: geracîte heizt ein stein, / [...] / und ist als ein nuz gestalt Volmar 481; si ist âne lougen gestalt sam diu minne MF:Mor 25: 2,3; nû sach er innerhalp dem tor / ein wîtez wercgadem stân: / daz was gestalt und getân / als armer liute gemach Iw 6188; Brun 7802. – ir hor: daz ist gestellet sus / gel sam ein thopasius Minneb 2449; ja weren als eine rote nackensnur / siner vrouwen lippen gestellet Brun 2759 1.4 mit Ausdrücken, die eine Beschreibung vertreten: – erfragend: sô lât mich erkennen daz, / wie der dienest sî gestalt, / den ich mich sol nemen an KLD:UvL 33: 2,4. – wie sint geschaffen die ingange des abgrúndes, oder wie sint gestellet dú wasser ob dien himeln? Seuse 293,15. – wiederaufnehmend: starkiu bein, krumbe vüeze / hêt si, sus was si gestalt Wig 6349; trag ich zuotzir holt, so treit sî gegen mir haz. / nimt daz nit ein ende, / daz kostet ein sterben / mich vil senden man: darzuo bin ich gestalt SM:Wi 1: 4,13. – vorausweisend: deß leuwen art ist so gestalt: / lauffet er an ainen degen palt, / so kennet er zu kurtzer frist / das er ain rechter reck ist HvNstAp 12543; daz sehste gebot ist sô gestalt, / er sî junc oder alt, / er sol sîn in rehter fuor / und sol lân sîn überhuor EnikWchr 9081 1.5 phras.: umbe jmdn./etw. gestalt sîn ‘(so) um etw./jmdn. bestellt sein’ vmme Rome was iz so gestalt / daz der richin gewalt / vbir die armin nine gienc Athis A 125; ich welle ervinden / wie es umb die vigend sy gestaltt GTroj 21825; SalArz 101,54; EnikWchr 8597 2 in der Wendung gestalter eit ‘ein im Wortlaut festgelegter Eid’ (zur Wendung eit stellen → stellen , vgl. Tr 15698 ): er schwur deß ainen gestalten aid / das er nagel, part noch har / nicht abgeschnite untz an das jar / das du zu manne wirst geben, / ob im got wil fristen das leben HvNstAp 15180. 3362; über die uorgeschribenen sache alle hat er uns einen gestalten ayt geschworen DRW 4,565 (Herrgott,MAustr.; a. 1329)
MWB 2 589,62; Bearbeiterin: Baumgarte