Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gesihtic Adj.
2 zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend, offenbar’
1 mit den Augen wahrnehmbar, ‘sichtbar, erkennbar’ der gesihtig hýmel, den wir erkennent an siner herschefte: an der sunnen, bi dem mâne und an den sternen PrGeorg 131,1; ich [Partonopier] si [Meliur] gemache / den ougen mîn gesihtic KvWPart 7751; swenne uns daz alter die gesiht / betimbert al ze sere, / daz wir die edelen schrift niht / wol gesehen mügen mere, / so sint unser kere / zuo z’einem liehten spiegel [Brille] klar, / der uns die schrift erliuhten kan / unt wol gesihtik machen AMeissn(H) 2; 322,32; HeslApk 3137. – subst.: da von sprichet st. Gregori [...], daz »in diser welt dem gesihtigen nihtes niht bereit mag werden denne übermitz [vermittels] die unsihtegen creature« [ in hoc mundo visibili nihil nisi per creaturam invisibilem disponi potest ] ThvASu 220,24. 2 zur inneren Schau befähigt, ‘innerlich schauend, offenbar’ dicz contempliren [...] swendet sunde und vertreibet untugent, es mahet uns gesichtich MvHeilFr 48; wie man diz gesihtic gemüete besitzen sol? daz ist an einer stêten înbildunge des menschen in im selber Eckh(Pf) 251,27; daz dritte ist ein gesihtic gemüete. hier inne hât diu sêle got. waz beschouwet diu sêle, sô si got beschouwet? ebd. 252,12
MWB 2 568,5; Bearbeiter: Helmich