Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
genscirma
(Klagenfurt 11, 13. Jh., bair.): Die Bedeu-
tung ist unklar. Das Wort kommt in einer
Rezeptsammlung mit eingestreuten Pflan-
zenbezeichnungen vor: cum herbe suco quae
dicitur bilese (
‚mit Saft einer Pflanze, die bi-Bilsenkraut, Schierling‘ heißt, sal
lisa [s. d.] ‚
qui dicitur genscirma
‚sal, der genscirma). Im Ahd. Wb. 4, 216 wird
genannt wird‘
vermutet, daß das lat. Lemma sal auf sola
(regia) als alte Bezeichnung für den
‚Echtenoder
Schierling, Conium maculatum L.‘
‚Wasserschierling, Cicuta virosa L.‘zurück-
zuführen sei. Lat. sal
‚Salz‘ergibt jedenfalls
keinen Sinn als Pflanzenbezeichnung. Weiter
wird vermutet, daß in -scirma vielleicht eine
Form von -scerne, -scerning
‚Schierling‘
enthalten sei. Doch müßte dann Verschrei-
bung von n als m angenommen werden, was
nicht sehr wahrscheinlich ist. Auch der vor-
dere Teil des Wortes gen- bliebe ohne An-
schluß. Möglicherweise ist aber von einer
anderen Segmentierung des Hapaxlegome-
non auszugehen. Es könnte sich nämlich um
ein urspr. Komp. aus mhd. gense, pl. vom
st. f. gans
‚Gans‘(mit Verlust des ausl. -e in
der Komposition; vgl. z. B. gensdistel 1482
‚Löwenzahn, Taraxacum officinale W.‘[als
Futterpflanze für Gänse]) und mhd. schirm
st. m.
‚Schirm‘handeln. *gens-scirma, und
schließlich mit Vereinfachung der Graphie
-ss- zu -s- nach Kons. (Braune-Reiffenstein
2004: § 170; vgl. auch halslag für halsslag
‚Ohrfeige‘; Gröger 1911: 202) genscirma,
eigtl.
‚Gänseschirm‘, wäre dann ein meta-
phorisches Determinativkomp. zur Bezeich-
nung des
‚Schierlings‘– natürlich unter der
S165gensebluome – ger 166
Voraussetzung, daß lat. sal für sola (regia)
‚Schierling‘steht. Der Schierling ist ein
Doldengewächs, dessen Blütenstand tatsäch-
lich wie ein Schirm aussieht (zur Benennung
nach äußeren Merkmalen vgl. noch gänske-
gel
‚Roß-Minze, Mentha longifolia Huds.‘
[der Blütenstand ähnelt dem Kegel
‚Kot‘der
Gänse; Ochs, Bad. Wb. 2, 289]).