ge- II:
die Vorsilbe
ge- dient zur Bildung 1. von Subst.
n. a. von Subst., denen dadurch der Sammelbegriff (Collectiva) verliehen wird. α. ohne verächtl. Nebensinn, nur zur Bezeichnung des Collectiven; ohne Umlaut u. Brechung:
Gebergs, –bot, –brauch, -brech, –bund, –burt, –danken, –duld, –drang, –fach, –fahr, –fell (Felder),
-flog, –fug, –krupps, –lag, –lass, –lust, –mach, –madd (-mar), –mahl, –maren, –mark, –melk, –nann, –nahref, –part, -quell, –rak, –rass (Wabe),
-rodd(s), –ruch, –sang, –satz, –schmack, –schrott(s), –schwell, –sell, –spann, –spund, –stank, –tau, –trag, –tracht, –trau, –tronnje, –wachs, –walt, –wann (Pflugstelle),
-warf, –watt, –webs, –werb, –zahl, –zau. — Mit Umlaut:
Gebäck(s), –bälk(s), –bänd(s), –bähr (Tumba),
-bäu, –blüms, –blüt(s), –börds, –bühne, –bühnze, –dächs, –däme, -dün(s) (Balkenlage),
-drüste, –fläu, –flög, –frür, –fühl, –fürne, –güss, –häus, –hänk, –hölz, –hör, –kräut, –köch(s), –kürns, –länn(de), –längk, –läub(s), –löck, –mäch, –mäss, –möbel(s), -mäg (Verwandte),
-mül(de), –müs, –müt, –plänz, –räms, –räum, –schmälz, –spärr, –spräch, –stäng, –stöch(s), –stöffs, –stühls, –sülz, –täfels, –träb, –tränk, –tüch, –völk, –wäld, –wäpchen, –würm, -würz, –zäun, –zög. — Sonstige, wo Umlaut u. Brechung nicht in Frage kommen:
Gebeiz, –bild, –biss, –bitt, –brei(ts), –ding, –driss, –feg(s), –hirn(s), –kind, –leg, –leis, –nick, –pinn, -rech(el)
(s), –reis(ersch), –richt, –schein, –schien, –schirr, –schneis, –schrei, –schwee(g) (Schwäger),
-seil, –setz, –sims, –sind, –spind, –spring, –steig(er), stein(s), –sticks, -vieh(s), –wicht, –wirk, wissen, –zeit. — Mit der Nachsilbe
-sel: Gebäcksel, –kämmsel, –lichtsel, –lüngsel, –mengsel: –räffsel, –stümmsel. — Mit der Nachsilbe
-də, Gebäckde, -nügde, –wännde (Gewohnheit). — Mit der Nachsilbe
-icht: Gebäckicht, –deihicht. — Mit der Nachsilbe
-nis: Gedächtnis, –dräugnis, –häugnis, –schürnis, –wildnis. — Mit der Nachsilbe
-ər: Gegitter, –häuster, –länder, –lachter, –mülter, –mülster, –pläster, –späller, –spleiter, –splitter, –witter [Pl.
Gebrüder, –fäəsser (Sehnen),
-gichter, vattersch, -schwister]. — Mit
t- Suffix:
Gedeicht (Gartenbeet),
-hücht, –schäft. — Die Bezeichnungen für Eingeweide,
Gebälgs, –bäuchs, –bütt(s), –därm(s), –flick(s), –krös, –plösch, -plöss, –räub, –schlüng(ersch), –schlegels, –treibs, Ingeweid, Ingeäders, Ingeräub, Ingereid, Ingereis, Ingetum leiten schon zur folg. Gruppe über. — β. mit verächtl. Nebensinn; individuell kann jedes Subst. collect. gebildet werden, wenn die durch es bezeichneten Dinge den Ärger des Sprechenden hervorrufen, sei es, dass sie schlecht, unordentlich hergestellt sind, sei es, dass sie zu viel da sind, sei es, dass sie in Unord nung liegend hindern; aber aus der
möglichen Menge der Bildungen sind doch nur einige in festeren Besitz der MA. gekommen; alle umlautfähigen Vokale haben meist den Umlaut, u. im selben Orte kann dieser auch ausbleiben (
Geschohns u.
Geschöhns Schuhe); im Mosfrk, Rip, Berg, SNfrk steht etwa neben
Gebänks auch
Gebänk, während das Rhfrk u. Klevld die
s-losen Formen vorziehen;
dat Gebrett(s) (Gebreddersch) die zu vielen Bretter, in Unordnung liegend, mich hindernd;
dat Gefedder(sch) die zu harten Bettfedern, das umherfliegende Gefieder;
wat wellste met all dem Geböch(s)? mit den vielen, wertlosen, hindernden Büchern, vor allem von dem gefragt, der das unzeitgemässe, zu lange Lesen verurteilt oder den Wert des Lesens nicht anerkennen will;
dat Gekroms u.
Gekröms der lästige Kram;
dat Gekrämpel(s) der lästige Krämpel, Plunder;
dat Gerömpel(s) das lästige Gerümpel [alle Subst. auf
-əl, die an sich schon verächtl. Nebensinn haben, gestatten diese Bildung]; man hört wohl
dat Gedesch(s), dat Geschaf(s), dat Gestivvel(s), Gebild(s) (Tische, Schränke, Stiefel, Bilder) usf., aber doch nur gelegentlich. — b. von Verben; jedes Verbum ohne Ausnahme gestattet die Collectivbildung; sie ist ausserordentlich beliebt neben der Bildung auf
-ərei. Auch hier steht neben etwa
dat Gespill (die Spielerei) auch
dat Gespills (
s. o. die Verbr. des
-s-Anhanges); die umlautfähigen Vokale zeigen den Umlaut u. entbehren ihn bei demselben Sprechenden; jede sich oft wiederholende, fortdauernde Tätigkeit, die lästig, unzeitgemäss, widersinnig, zu häufig, zu schwer, minderwertig ist, die also den Unwillen erzeugt, wird durch diese Bildung kurz benannt; auch das Produkt einer solchen ärgerlichen Tätigkeit wird dadurch bezeichnet;
dat Gestreck(s) das lästige, mir auferlegte, das unzeitgemässe, schlechte Stricken anderer und das Gestrickte, das schlecht ist;
dat Gewabbel(s) das lästige, unschöne Hin- u. Herschwanken u. die unschöne Fettgeschwulst;
dat Gelüg(s) das offenkundige, beleidigende Lügen u. die Lüge selber;
dat Gestupp(s), Gestüpp(s) das hinterlistige Knuffen;
dat Gematsch (Gemätsch) das Manschen in den Speisen u. das Durcheinandergepanschte usf. Rip, Allg. — 2. von
Adj.,
Adv. zu Subst. u. Verben,
z. B. ge-ässig, –biddig, –blümlich, –bräuch(er)lich, –brech(er)lich, –buckelig, –bürtig, –dammer, –däuschelig, –dicht, -dingstig, –dom, –drücklich, –duldig, –fache, –fähr, –fährlich, –fällig, –flädig, –frässig, –frech, –fünkelig, –hässig, –häuglich, –heəl, –heilsam, –heim, –herzlich, –heuer, –hier, –hörig, -hörlich, –källig, –kräuterig, –krauselig, –lässlich, –lind(ig), –linderig, –listig, –lüstig, –lüsterig, –mächlich, (-mällich), –mallich (jeder),
-mein(lich), –middsen (mitten),
-mujsam, -muddig, –mütlich, –nährlich, –nängig, –nästig, –naschtig, –nau, –nehm, –nickig, –nüglich, –nüssig, –nüsslich, –pirplich, –rästelich, –rätlich, –räum(l)ig, –recht, –richtlich, –ring(lich), –rührig, -sässig, –schäftig, –scheit, –schicklich, –schicks, –schier, –schlauchig, –schlubberig, –schmächtig, –schmändig, –schmüggig, –schnäppig, –schwank, –schwätzig, -schwind, –sittig, –spassig, –spräch(l)ig, –sprenkelig, –sprickelig, –sprunzelig, –streng, –sund, –teilsam, –trauschelig, –treulich, –wächsig, –wahr, –waltig, –werbig, –willig, –wirmelig, –wiss, -wöhnlich, –wütig. — 3. bei Verben. a. nur vereinzelt, mit u. ohne
ge- verb. (mit
ge- vielfach besondere Bed.)
ge-bagen, –bannen, –bären (-ī-), –beren, –bieten, –bören, –brauchen, -däuen, –dauern, –deihen, –denken, –dulden, –fallen, –freunden, –heien, –hören, –landen, –libbern, –lieben, –loben, –lingen, –lüsten, –mahnen, –micken, –muten, –schmiegen, –niessen, –ramen, –raten, -reihen, –reuen, –rieren, –rinnen, –sagen, –schehen, –schlachten, –schnören, –schwachen, –schwellen, –schwüren, –segnen, –sehen, –sellen, –sinnen, –sitzen, –spielen, –trauen, –trösten, –werden, -zauen, –ziehen. — b. in der MA. der älteren Generation hört man noch, aber selten, dass man jeden Inf. mit dem Präfix
ge- versieht, der bei einem Prät.-Prä
s. steht;
de kann et gemachen; ech mag et net gesagen; diese Anwendung ist Mosfrk, Rip, OBerg bezeugt. — c. zur Bildung der
Part. Perf. Pass., wie
nhd.; nur bei prä
d. Verwendung sind einige
Part. präfixlos (doch richtet sich die jüngere MA. vielfach schon nach dem Nhd.), so bei
bringen (bracht), finden, geben, gehen, glauben, gelten, kaufen, kennen, können, kosten, kriegen, treffen, werden (dies WMosfrk; im übrigen unterscheiden sich die MA. hinsichtlich der Zahl dieser Fälle, so Rip nur
bringen, finden, geben, kriegen, werden). — Bei
l-, r-anlautenden Wörtern entwickelt sich
gəl- <
gl-, gər- >
gr-, wie
nhd.,
z. B. Glauben, Glied, gleich, Glück, grade; doch hört man in diesen Wörtern daneben
gəl-, gər-; in der MA. steht hier u. da neben diesen Bildungen noch das Simplex, so
gliken neben
liken (gleichen);
glücken neben
lücken, glitschen neben
litschen; glinnen neben
linnen, glem neben
lem, glühen neben
lühen; griseln neben
riseln usf.