gedunk,
m. subst. zu gedünken, gedunken. 11)
in starker form, mhd. und noch nhd. im 16. 17.
jh.: ich sprechen nu nâ mîneme gedunke (: vunke). Haupt 10, 78, 19,
nrh.; es ist zuo fil (
die menge dort), ich kan es nút gescheccen für keine worheit. 'so schecce es noch geduonke'. Merswin
neun felsen 68, gedunk
und wârheit
als gegensätze. Nhd.: es seint die h. evangelien vor etlichen jaren in die deutsch sprach aus dem latein gesetzt und gewandelt, aber meines und vieler anderer gedunkes nit fast fleiszick noch eigentlich (
eifrig und genau).
das h. ev. Matth. aus kriechscher sprach .. durch J. Lang
von Erfurt Aug. ordens (1521)
vorr., genitivisch wie noch jetzt meines bedünkens, erachtens; die evangelia thun sie meidn (
die Calvinisten), welche von viel heiligen leuten verordnet sein aus (
l. als) sontagszeiten, thun ohngefehr ein text erwischn (
zur predigt), wie sie ihn nach gedunk erfrischn.
postreuter 1591 E ij,
nach beliebigem ungefähren '
gutdünken'.
noch bei Henisch 766 dunk, gedunk,
visio, opinio, phantasia, persuasio, bei Stieler 296
aber der gedunk
und der gedunken,
praesensio, praesagitio, conjectura, persuasio, animi libido, selbst im 18.
jh. bei Steinbach 1, 306
noch der gedunke, '
adhibetur pl. gedunken',
opinio, sententia. 22)
wirklich auch in schwacher form von je her, wenigstens im pl. (
vgl. übrigens unter 3),
mhd. Lexer 1, 776: jâ ist in mînen gedunken, ich sî gewesen trunken. Hagen
ges. ab. 3, 118, Haupt 13, 333.
nhd. sicher im folg.: gerad als werestu gewisser in deinem
dünken denn gott in seinen worten, so du doch solt alle
gedunken faren laszen. Luther 1, 64
b (
vom sacr. der busze),
alle eignen wahnmeinungen, alle '
subjectiven'
gedanken oder '
velleitäten' (
vergl. nachher aus Jer., auch gedünken 4,
e);
da sichert die unterscheidung der umlautsform einen pl. gedunken.
unsicher dagegen in dem häufigen nach gedunken (
mhd. bei Lexer,
s. auch nach gedunk
unter 1),
da diesz auch das subst. das gedunken (
s. d.)
sein kann. Dietz 2, 35
a stellt alle folg. stellen unter gedunk: wie ein wagen, so in der nacht feret und nach gedunken gehen musz. Luther 6, 138
a; wenn es nach gedunken in solchen sachen gülte zu reden, wolt ichs auch können.
ders. bei Dietz; wie die Deutschen singen necht zabent war ich trunken, da redt ich noch gedunken.
das. (Uhland
volksl. 248); gehorchen meiner rede nicht ... sondern folgen ires herzen gedunken.
Jer. 9, 14,
vulg. abierunt post pravitatem cordis sui; sondern gehen hin nach gedunken ires herzen und folgen andern göttern. 13, 10,
vulg. in pravitate cordis sui; sondern wandelten nach irem eigen rat und nach ires bösen herzen gedunken. 7, 24,
vulg. abierunt in voluntatibus et in pravitate cordis sui mali.
der pl. ist gewiss auch mit vertreten, vielleicht das ursprüngliche, doch mochte oder muszte man schon damals unsicher sein; Henisch 1411
faszt es als inf., Steinbach 1, 306
als pl.: sage nach gedunken,
quidquid cogitas, nach gedunken urtheilen,
utut videtur. das nach gedunken
stimmt einerseits zu dem heutigen nach gedanken (
sp. 1970),
anderseits zu nach gutdünken (
s. unter gedünken
e). 33)
der plur. erscheint auch bei dunk,
mit umlaut, mhd. und nhd. (
im mhd. wb. wie oben unter dunk
nachzutragen): den ich nâch mîner dünke (
hs. dunk) wâg hôhe wând ze prîsen. Haupt 10, 271,
falls das nicht fem. ist; was mehr da bleibt, das ist eitel schaum und ungewisse persuasiones odder
dünke. Luther
bei Dietz 1, 461
b.
bei dunk
ist auch die schwache form gesichert durch iren dunken
acc. sg. (
s. unter dunk
m.).
die entwickelung war also wie bei dem nächsten stamm- und sinnverwandten gedanke,
urspr. doppelt: gedank,
gen. gedankes,
und schwach gedanke,
gen. gedanken (
daneben dank
und danke
ebenso);
so urspr. gedunk, gedunkes
und gedunke, gedunken (
und wiederum dunk
und dunke).
s. auch bedunk I, 1237,
auch bei Keisersberg nach rechtem bedunk
crist. kün. bb 7
b,
bei Luther meins bedunks
Dietz 1, 222
a,
später geändert meines bedünkens
schr. 1, 364
b,
wie sich in nach gedunken
wol dem alten einfachen subst. der inf. unterschob; das m. gibt dafür z. b. Stieler 269.