Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
gebüeʒe swv.
1. ohne weitern beisatz. thue buße. ich gebüeʒe mit dir wir beide gebüeʒen MS. 2,256. a.
2. ich gebüeʒe etw. hebe, tilge, bessere es. den durst gebüeʒen Walth. 30,5. diu frouwe mîn mageʒ wol gebüeʒen MS. 1,13. a. sol ich daʒ hie gebüeʒen niht MS. 2,257. a. der smit gebüeʒet brünne, îsenîn gewant pf. Kuonr. 192,3. halsberc Karl 70. b.
3. ich gebüeʒe einem etw. müeste ichʒ ime gebüeʒen En. 11334. si mac mir gebüeʒen wol den kumber Walth. 120, 18. er hatte gesagt daʒ er worte arzât wære, und kunde grôʒe swære von worte wol gebüeʒen mit arzenîen süeʒen Barl. 17,15. wie er sîne grôʒen schulde gebüeʒte gotes hulde Barl. 343,30. daʒ ich Criste dem vil süeʒen immer müge gebüeʒen die vil unrehten schulde Barl. 346,10. — dâ mit mahtu gebüeʒen mir mîne wunden Tund. 43,5.
4. ich gebüeʒe einem eines d. der staar klagt dem falken, daß er sich nicht hoch in die luft schwingen könne, sondern sich immer vor den stoßvögeln in die dorne verstecken müsse, u. fügt dann die bitte hinzu des gebüeʒet mir, sô sît ir guot lehret mich, gleich euch, in den lüften schweben a. w. 3,236. des (smerzen) enmohte ir wîp noch man gebüeʒen H. Trist. 4620. Heinrich von Veldecke mußte in seinem niederd. st. ich büeʒe sagen ich bôte, und hatte mithin reime, wie sie im hochd. sich nicht immer fanden. En. 4274 schrieb er habit iuwer ungemach ubele (euern ungevüegen zorn) dâ mete gebôt (d. i. gebôtet). ih wêt wol dat he haben môt unse tohter te wîbe. dieß machte der hochd. schreiber zu einem sinnlosen gebuoʒ: muoʒ, ebenso MS. 1,20. b. dat se mi der sorgen gebôt mich meiner sorgen ledig macht, und reimte richtig tôt (thut), woraus dann wieder ein sinnloses tuot: gebuot gemacht wurde. (reime wie gebüeʒen: vüeʒen En. 11334 machten keine schwierigkeit). — daraus geht deutlich hervor, daß entweder Heinrich seine gedichte niederd. schrieb, oder daß er von niederd. reimen sich beschleichen ließ.