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Garwer

mhd. bis Dial. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Garwer m.

Bd. 3, Sp. 46
Wossidia Garwer m. Gerber: 'Wilseth vidua Reinoldi gherewere' (1260) Beitr. Rost. 2, 2, 17; 'Borchardus gherewer' 21; sie werden nach ihrem Gerbverfahren in die Loh- oder Rotgarwer und die Wittgarwer geschieden; die Lohgerber (lore, loere, cerdones, serdones) waren in älterer Zeit ein wichtiges und zahlreiches Amt, das in Ro im 15. Jahrh. 20 Bewaffnete zu stellen hatte Beitr. Rost. 2, 3, 84; 'Godschalkus cerdo' (Wi 1296) UB. 3, 613; 'Johannes Brandenborg lore' (Wi 1281) 3; in Ro sitzen sie auf dem nach ihnen benannten Gerberbruch und zahlen um 1279 eine gemeinsame Abgabe von 12 M. Beitr. Rost. 2, 3, 84; für ihre Plätze auf dem Markt mußten sie 30 M. entrichten (Ro 1325) UB. 7, 256; (Ro 1380) 19, 465; 1722 betrug diese Miete 3 fl. 8 ß. Beitr. Rost. 3, 2, 115; nach einem Regulativ von 1770 gehörten sie in Ro mit den Bäckern, Schuhmachern und Schneidern zu den vier Gewerken und hatten drei Repräsentanten im Hundertmännerkollegium; Ende des 18. Jahrh. werden unter den einheimischen Manufakturen Gerbereien zu Ro, Schw, Gü und Röbel genannt N. Monschr. 2, 336; über den Niedergang der guten Gerbereien, der teilweise durch die Einführung des russischen Leders verursacht wurde, klagt Langerm. 128. Die Lohgerber verarbeiteten fast alle in der Gerberei vorkommenden Häute und benutzten als Gerbstoff vornehmlich die Eichenrinde: 'verlangt speziell die Gerberei, auf welcher die gesamte Lederfabrikation beruht, den Anbau der Eiche, da 6 bis 7 Zentner alter Eichenrinde oder 4 bis 5 Zentner junger Eichenborke zum Gerben eines Zentners Leder erforderlich sind' Arch. Landesk. 9, 77; die frischen Felle, die von den Knakenhauern, Kütern und Specksnidern erworben wurden (Grab. Lohgerb. 126), wurden in Wasser gelegt, gekälkt oder geäschert, abgespült, auf dem Haarbaum mit Hilfe des Scherdegens enthaart, dann die Aas -oder Fleischseite auf dem Schabebaum (Gerberbaum) mit Hilfe der Schabeisen abgetrennt, die so gewonnenen Blößen (Lederhaut) wurden dann gebeizt, geglättet und schließlich in Gruben abwechselnd mit Lohe geschichtet und mit Wasser übergossen; je nach der Dicke mußte das Leder ein bis drei Jahre in dieser 'Gerkule' verbleiben, ehe es lohgar war. Das Wappen der Lohgerbergesellen (Abb. Archiv f. d. Geschichte der Naturwiss. u. der Technik 7, 340; 202) zeigt zwei über dem Blanchiereisen, mit dem die fertig gegerbte Haut bearbeitet wurde, gekreuzte Schabeisen. Rechte und Pflichten der Lohgerber sind in ihrer Amtsrolle dargelegt, s. Grab. Lohgerb. 124 ff.; ihr Verhältnis zu den Schustern, die ihnen ihrer Meinung nach oft ins Handwerk pfuschten, wird durch Beliebungen und Verträge geregelt: 'ist ... beslaten, dat kein amptbroder der garver ... des gantzen jahrs nicht mehr alse 10 decker warmgaer ledder den schostern geeren schall und gantz kein unecht edder koldtgaer ledder ... Auch hefft sich ein erbaer ampt beraden und beslaten, dat kein amptbroder der gerver van den schostern ruch ledder kopen schall, idt were den, dat ein schoster van einem garver etwas gaer ledder köpen wurde und hedde gudt ruch ledder und wolde idt ehm vör billichen koep wedder geven' (Ro 1630) Grab. Lohgerb. 175; ein Schuhmachermeister muß geloben, daß er in dem Hause, welches er in der Nähe des Gerberbruchs zu Bürgerrecht aufführen darf, 'nene kuven, schavebome edder ethwes hebben wil, dat thom gerwende und dem ampte der gerwer tho schaden edder nadeile syn und gebruket kone werden' (1548) 148; die Schuster beschweren sich dagegen, daß die Gerber das Leder 'zu lange im Kalke, im lohe aber zu weinig' lassen 158; 1633 wird den Schustern erlaubt, in der Warnow ein mit Brettern belegtes Gestell zum Waschen und Reinigen ihres Leders zu errichten 165; die Uneinigkeit mit den Leddertauern (Lederbearbeitern; Grab. Lohgerb. 135 ff.) wurde endlich dahin beigelegt, daß die ursprünglich zweijährige Lehrzeit auf drei Jahre festgesetzt wurde und die Lehrlinge im letzten Jahr die dem Gerbprozeß folgende Lederbearbeitung erlernten. Die Wittgarwer (dealbatores corei) bildeten in Ro schon in ältester Zeit ein besonderes Amt, das im 15. Jahrh. drei Bewaffnete zu stellen hatte, seit dem 18. Jahrh. scheinen sie in dem Amt der Beutler (s. Büdler 2, 75) aufgegangen zu sein. Sie zahlten eine gemeinsame Abgabe an die Stadt, welche 1325 2 M betrug Beitr. Rost. 2, 3, 83; sie verarbeiteten meist Schaf-, Lamm- und Ziegenfelle, die sie mit Alaun zubereiteten. Die Zss. sind meist Scherzbezeichnungen für andere Berufe: Blag'-, Guschen-, Hasenfell-, Jacken-, Leddergarwer. Mnd. gerwer. Dä. 143a; Kü. 1, 543; Me. 2, 304; Schu. 50.
4531 Zeichen · 71 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    garwerst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    garwer , st. M. Vw.: s. gerwære

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    garwerM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    garwer , M. Vw.: s. gerwære*

  3. modern
    Dialekt
    Garwerm.

    Mecklenburgisches Wb.

    Garwer m. Gerber: 'Wilseth vidua Reinoldi gherewere' (1260) Beitr. Rost. 2, 2, 17; 'Borchardus gherewer' 21; sie werden …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit garwer

13 Bildungen · 11 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von garwer

garwen + -er

garwer leitet sich vom Lemma garwen ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von garwer 2 Komponenten

gar+wer

garwer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

garwer‑ als Erstglied (11 von 11)

Garwerbrauk

MeckWB

Garwerbrauk n., m. Straßenname in Ro: '2 boden belegen twyscken den küterbrocke unde den gerwerbrocke' (1554) Grab. Lohgerb. 44.

Garwerden

GWB

garwer·den

Garwerden vom Leder in der Lohgerberei 34 1 ,66,16 RheingauHerbsttage ~ Tgb 6.9.14 Josef Mattausch J. M.

Garwerhoff

MeckWB

garwer·hoff

Garwerhoff Gerhof m. Gerberhof: 'zwischen den Wendentore und beuteler gehrhove' Grab. Lohgerb. 160. Br. Wb. 2, 485.

Garwerhund

MeckWB

garwer·hund

Garwerhund m. Gerberhund: de lütt Trompeter ... smet buten Ballast œwer Buurd (erbrach sich) as 'n Garwerhund Bri. 2, 218. Dä. 143 a ; Me. 2…

Garwerhus

MeckWB

garwer·hus

Garwerhus Gerhus n. Gerberhaus, Gerberei: 'do dat gerhus dekket wart, do geven unse olderlude vor sten und vor kalleck und to lonegelde 19 m…

Garwerkul

MeckWB

garwer·kul

Garwerkul Gerkul f. Grube, in der die Häute mit der Eichenlohe eingesetzt wurden: 'denn sie keine gehrkuhle ... eingerichtet hetten' Grab. L…

Garwersche1

MeckWB

Garwersche 1 f. Ehefrau eines Gerbers: 'item schall nene garversche hude kopen in den scharen' Grab. Lohgerb. 126.

Garwersche2

MeckWB

Garwersche 2 f. Garbenbinderin: '1 m. der garwerschen' (Wi um 1500) Schill.-Lübb. 2, 15 b .

Garwertäw

MeckWB

Garwertäw f. Gerberhündin: kotzen as ne Garwertäw Wa.

Garwertöl

MeckWB

Garwertöl f. Gerberhund Gü Gülz ; dee hett sick braken as ne Garwertöl Wi.

Garwerwark

MeckWB

garwer·wark

Garwerwark Gerwerk n. Gerberei, Gerberarbeit: 'ihr gerwerck' Grab. Lohgerb. 163; 'item ein jeder meister schal gudt geherwerck bereiden, idt…

garwer als Zweitglied (2 von 2)

rōtgarwer

KöblerMnd

rōt·garwer

rōtgarwer , M. Vw.: s. rōtgerwære* L.: MndHwb 2, 2268 (rôtgarwer)