gätling,
getling,
m. gesell, bursch u. ähnl., das mhd. getelinc (
goth. gadiliggs
u. s. w. s. unter 3
ff.),
im bair. sprachgebiete noch im 15.
jahrh. und wol länger gebraucht, heutzutage noch in dem namen Göttling
lebend (
zu dem ö
s. unter gätlich 2,
c);
weiterbildung des gleichbedeutenden gate,
s. 5. 11)
von bauerburschen, aber als ehrenname; eine bauerdirne erklärt: ich ... will frölich springen und mit den gätlingen raien hin und her umb den maien (
maibaum).
fastn. sp. 403, 2; der gettling (
gen. pl.) in den gesmirbten hosen, die kunnent mit schonen frauwen kosen. Heselloher
bei Schmeller
2 1, 956;
im 14.
jh. ebenso beim Teichner,
s. lieders. 2, 476.
alle drei gedichte sind im neidhartischen geschmacke, und auch Neidhart
selbst nennt die dorfburschen getelinge (60, 20. 74, 1. 77, 7),
vgl. dorfgetelinge (177, 9
var.),
während zugleich und früher das wort von kämpfern, helden gebraucht wird, z. b. im Biterolf, in der klage, im Rolandsliede, gern auch der küene getelinc (
s. mhd. wb. 1, 488
a);
die stolzen bauern haben sich, schon nach der ersten stelle zu urtheilen, gewiss selber den heldennamen beigelegt, den dann die dichter mehr spöttisch oder geringschätzig gemeint beibehielten, d. h. das wort erscheint da auf demselben wege, den z. b. knabe, knecht, kerl
gegangen sind, s. z. b. kerl II, 2
und 7,
auch unser heutiges bursche
ist ja von höherem ursprunge, aus dem universitätsleben. 22)
auch für gesell
überhaupt erscheint es gebraucht, z. b. oberrheinisch im 14.
jh. von junggesellen: ein hagestolz, (
d. i.) ein getling, der âne wîp ist unt ân ê.
weisth. 1, 366,
und als kraftwort für mann überhaupt, eben wie kerl,
z. b. in dem mhd. ein verlegen getelinc, ein verloren getelinc
wb. 1, 488
a.
ebenso altengl. gadeling, gedeling,
z. b. a berdles gadling,
ein bartloser bursch, a luþer gadeling,
ein böser kerl, s. Stratm. 230,
auch gadling, gedling
allein in schlimmem sinne wie kerl,
s. Halliw. 388
a. 395
b,
der geradezu die bedeutung vagabond ansetzt (
s. dazu unter gatte II, 1,
a);
vgl. das ags. unter 4. 33)
das älteste und zwar goth. zeugnis aber gewährt vielmehr die bed. verwandter, vetter, das griech. ἀνεψιός Col. 4, 10
ist vom Gothen mit gadiliggs
übersetzt. und auch bei uns erscheint diese bed. noch bis ins 14.
jh.: ahd. bei Graff 4, 143 gatulinc
cossofrenus (
d. i. consobrinus), katilinga
parentes (
d. h. vettern), katalinga
contribules; ebenso alts. gaduling,
und noch mhd. in der rechtssprache gadelinge eder mâge,
auch mit umlaut '
consanguinei, qui nêsten (
die nächsten) gedelinge
vulgariter nuncupantur, s. Haltaus 582,
im Sachsensp. sîn nêgeste gedeling II, 31, 1,
auch in der md. übers. noch getelinc,
im Deutschensp. 140
aber in mâg
geändert, wonach die bed. im oberd. damals schon verloren war, während das Freiberger stadtrecht noch der nêhiste getelinc
braucht, s. bei Schott 3, 155. 247,
an erster stelle mit der späteren var. goteling (
vgl. gätlich 2,
d),
bei Haltaus
aber götling,
noch heute in dem namen Göttling.
so hatten sich im 13.
jh. das hd. und das md.-nd. in zwei hauptbedeutungen des im niedergange begriffenen wortes gleichsam getheilt. 44)
in den ursprüngl. stand des begriffskreises weiter vorzudringen erlaubt das alts. und ags.; im Heliand bezeichnet es einmal den landsmann, volksgenossen, im pl. wie im sg., s. besonders 5214. 5216,
wo Pilatus Jesu erklärt, er sei nicht '
sein geteling' (gaduling thîn),
und ihn hätten seine volksgenossen ihm ausgeliefert, âgâbun thik thîna gadulingos mi,
anderseits in der zusammensetzung mit dem allgemeinen mâg
die eltern, gadulingmâgos 838,
also die allerweiteste und die allerengste zusammengehörigkeit zugleich. zwischen beide aber in die mitte tretend ags. gädelingas
von der gefolgschaft eines helden Beow. 2950, gädeling
kampfgenosse u. ä. 2618,
eine bed., die gewiss auch ahd., alts. und schon goth. bestand, in der bed. verwandter mitenthalten. denn wie im ags. die kampfgenossen auch als mægas
bezeichnet werden, das glied einer gefolgschaft als mæg (W. Scherer
zeitschr. f. d. östr. gymn. 1869
s. 105),
so musz diesz unserer vorzeit überhaupt eigen gewesen sein, denn noch mhd. klingt die vorstellung nach z. b. in der Gudrun, wenn nebst den dienstpflichtigen verwandten eines königs auch seine vasallen und mannen seine mâge
heiszen 34, 3. 35, 4. 37, 2. 208, 3. 820, 3
u. ö. (
s. auch Rieger
zur heil. Elis. s. 391
a),
auch sein künne 563, 2. 1303, 3,
vgl. 1461, 4,
wie sonst mâge unde man;
das beleuchtet zugleich weiter die vermischung von künne
und künde
u. ä., s. V, 2636. 2664.
die erweiterung auf ein ganzes volk, wie alts., liegt ebenso vor in ags. mægð
f., mægburh
im Beow., eigentlich magschaft. als grundbegriff tritt aus allem heraus der der engsten zusammengehörigkeit, wie sie besonders im kampfe und vor gericht sich zeigte und ausbildete, und noch in dem gätlinge
unter 1
mag das von den bair. bauern des 15.
jh. nachgefühlt sein, während die mhd. verwendung von helden ein nachklang jener gefolgschaft sein wird. 55)
die bildung von gätling
ist wie in den sinnverwandten mâgeling, frûndeling
contribulis Dief. 147
c gleich mâc, friunt,
wie in fremdling
gleich fremder,
d. h. ohne für uns erkennbaren unterschied zwischen dem einfachen und dem erweiterten worte, und wirklich scheint gate
selbst schon ganz gleich getelinc
gegolten zu haben; s. darüber und weiteres u. gatte,
besonders II, 1,
a z. b. die Dieterîches gaten,
d. h. er selbst mit seinen kampfgenossen, seiner gefolgschaft, wegen der form auch ebenda III, 1 gatel.