fürstrecken ,
s. vorstrecken.
im praet. strackte für
und streckete
oder streckte für,
im part. praet. fürgestrackt
und fürgestrecket
oder fürgestreckt.
jenes fürgestrackt
hat noch Steinbach 2, 732,
aber später, etwa seit dem vierten jahrzehent des 18.
jh., erlischt diese veraltete rückumlautende form, wie auch das praet. strackte
von strecken (
s. d.).
das wort steht II.
transitiv, mit beigesetztem acc., in den bedeutungen I@11)
vorwärts ausstrecken. ahd. furistrecchan,
vorwärts auf den boden stellen, vom fusze gesagt, als glosse zu Virgils Aen. 10, 587.
mhd. vürstrecken
in der angegebenen bedeutung ist ohne beleg, eben so nhd. fürstrecken,
doch kann z. b. die hände, die füsze fürstrecken
u. s. w. leicht vorkommen. I@22)
vornhin strecken, vor etwas ausspannen, vor etwas hinspannen. obtendere, fürstrecken, bedecken, fürwenden, fürspannen. Frisius (1556) 899
b;
obtentus, fürgespannen, fürgestreckt, oder fürgewendt. 900
a;
praetendere, fürsetzen, fürstrecken, fürspannen. 1048
b.
dieses fürstrecken
hat auch noch der Züricher Dentzler 2, 119
b. I@33)
hervorstrecken, herausstrecken. I@44)
zur förderung darreichen, zur förderung geben, zur förderung zu theil werden lassen. suggerere, zuosteüren, darreichen, fürstrecken, handreichung thuon. Frisius 1264
b;
suppeditare, zuosteüren, zuostellen, fürstrecken, eim beholffen seyn. 1274
a und danach Maaler 150
d.
gewöhnlich zugleich mit dat. der person: dasz der Türcken furnehmen dermassen gestalt, dasz die nothdurfft erfordern würde, obgemeldte hülff der kron zu Hungarn fürzustrecken und zuleisten.
reichsabschied von 1529 §. 17.
Gehört unter diese bedeutung fürstrecken
in folgender stelle: bald ich erdapp ein gute gspieln, so thu ich jr denn heimlich zieln, zun kupplerin und teyberecken, daselb thu ich mein gelt fürstrecken, da hab wir frewd und guten mut. H. Sachs I (1590), 226
a.
wirklich scheint der dichter mehr die hier angegebene bedeutung, als die folgende im auge zu haben. I@55)
leihweise dargeben, zur aushilfe darleihen, eigentlich so viel als vor die hand geben. fürstrecken geld und gut.
aus einer Münchner handschrift des 15.
jahrhunderts bei Schmeller 3, 681. und gedacht das pallium den Fockern (
Fuggern) zu bezalen (denn die hatten das gelt fürgestreckt) mit des gemeinen mans beutel. Luther 7, 423
a.
zumeist zugleich mit dat. der person: ich bedürfft wol, das (
dasz) du mir zehen oder zwenzig gülden fürstreckest.
dessen vier predigten (
Wittembberg 1546) Jj
b,
s. Ph. Dietz 759
b; nam ouch geld uff und zalt, fand ümerdar lüt, die mier fürstrackten. Thomas Plater 100; hat mir korn, geld u.
s. w. fürgestreckt, dz (
dasz) ich mein weib und kinder erneret hab. Alberus
widder Jörg Witzeln E 4
b; es heysset auch die natur das ameyszlein nicht, das sie das jrige, das sie mit gott unnd sawer arbeit erarnet unnd offt an jrem maul ersparet, dem müssigen unzyfer solle fürstrecken. Mathesius
Sarepta (1562) 36
b; ob sie (
die ameise) der faulen tröpffin nicht all jr vermögen fürstrecken wil. was wahr auff borg unnd deste thewrer fürstreckt unnd nöttiget den leuten jr bier ein, ob solchen jr narung umbschlegt, dürffen sie es niemandts klagen. 37
a; wenn er (
der kaufmann) den leuten gelt fürstrecken solte.
ebenda = 1587 26
a; tregt die gülden groschen inn secken heim, ... leget die schuldt abe, erzeigt sich gegen denen danckbar, die jhn inn seiner armut was gedienet, fürgestreckt, oder one böse wort jhm geharret haben. 296
a.
per syngrapham credere quidpiam alicui, eim leyhen und fürstrecken auff sein handgschrifft. Frisius 342
a und danach Maaler 150
d. mein anrufliches bitten, er wolle mir
n. thlr. auf ein jahr fürstrekken. Butschky
kanzlei 157,
daneben aber auch vorgestreckte gelder. 161. vorstrecken
et fürstrecken,
mutuo dare. Stieler 2194,
der diese bedeutung als die gebräuchliche angibt, in dem beigefügten beispiele aber nur vorstrecken
setzt, ein zeichen, dasz ihm dieses wort überwiegt. doch haben Rädlein, Weismann, Dentzler
in diesem sinne wieder beide wörter, jedes an seiner stelle im alphabete, also keines bevorzugt vor dem andern, eben so bringt Steinbach 2, 732 für-
und vorstrecken,
während Wilhelmi
bei vorstrecken
auf fürstrecken, Hederich
mit seinem nachtreter Nieremberger
umgekehrt bei diesem worte auf jenes verweist und Kirsch
so wie der ihm folgende Matthiä (1761)
nur fürstrecken
aufnehmen. später findet sich schriftdeutsch einzig vorstrecken,
und fürstrecken
dauert blosz mundartlich in Süd- und zum theil in Mitteldeutschland (
Wetterau, Oberhessen u. s. w.)
fort. IIII.
reflexiv, sich fürstrecken,
in der bedeutung: sich vor etwas hin erstrecken, sich vor etwas hin ausdehnen.