fürdern ,
ein verbum, das sich nhd. aus dem ahd. und mhd. lange neben fördern (
s. d.)
erhalten hat. denn ahd. galt furdirjan, furdran,
provehere, das freilich sehr selten ist, mhd. häufig aber vürdern, fürdern,
für welches auch gegen ende des 14.
und im 15.
jh. mit ausfall des r
der ersten silbe füdern, fudern
vorkommt. s. Ben. 3, 382
b f. nhd. fürderen,
prodesse, adminiculari, conducere, commodare. Dasypodius 333
c.
eben so findet sich fürderen
geschrieben bei Frisius
und danach bei Maaler,
ferner bei Helber, Stieler, Dentzler,
mit unterdrücktem umlaute furderen
bei Schottelius
sp. 1321,
dagegen mit ausgestoszenem e
der endung furdern
im voc. theuton. 1482 i 6
a b,
eben so mit umlaut fürdern
bei Serranus
dict. a 4
a, Rädlein, Nieremberger
und den späteren. doch ist im 18.
jh. die übliche schriftdeutsche form fördern,
durch welche auch jene mit ü
völlig verdrängt wurde. jenem mhd. füdern, fudern
gemäsz erhielt sich auch nhd. hier und da füdern, fudern,
welche letzte form Aventinus
in seiner grammatik bei lat. favere hat, und heute noch wird in Kärnten fûdern si
für sich beeilen, sich fortmachen, weggehen gesagt. s. Lexer 104
und unten 2).
vgl. auch füder, fuder
oben sp. 714
unter fürder.
gleich füdder
durch assimilation des r
aus fürder
aber findet sich z. b. bei Mathesius füddern
für fürdern.
s. nachher 1) e)
am ende. Das wort steht 11)
transitiv, mit accusativ, und bedeutet: 1@aa)
sich fortbewegen machen, in weitere bewegung vorwärts bringen, hin zu etwas in fortbewegung bringen, promovere. dunckete mich rahtsam seyn, dasz ich die jungfraw köndte in jr vatterland und zu jhren eltern fürdern.
buch d. liebe 194, 3; aber unversehens wurde ich (
ein hanfsamenkorn ist gemeint) ... erstlich in ein buch, endlich in ein risz und alsdann er erst wieder unter die presz gefürdert.
Simpliciss. (
Keller)
s. 893, 27.
die bedeutung liegt bereits in mhd. vürdern,
wenn gleich dieses in derselben schon mehr bildlich und zu der folgenden bedeutung b)
geneigt erscheint: diu liebe und die leide die wëllen mich beide fürdern hin ze grabe.
MSF. 129, 35; ër vürdert manegen zuo dëm grabe swër gegen im mit wer quam, daʒ lëben ër im schiere benam.
Mai 122, 16. 1@bb)
durch zuthun in lebensgang oder beruf vorwärts kommen machen, vorwärts bringen, also wie befördern
in beziehung auf bekleidung einer stelle, eines amtes, einer würde u. dgl. auf das haben wir unser ratsbotschaft wider zu unserm herren von Bamberg (
dem bischofe) darum gesandt und der fleissiclich befolhen den dingen aber in dem besten form gen seinen gnaden nachczugeen, damit ir (
dr. Künhofer ist angeredet) zu dem vorgenanten pfarre (
der pfarrei zu sanct Lorenzen) komen und gefürdert werden möchtet.
chron. d. d. städte 1, 458, 22; als denn an sy gepraucht sye, wol vermainten ze fürdern zuo dem bystuome. 5, 353, 5. 1@cc)
helfend thätig sein für —,
zu besserem zustand unterstützen. wann wir (
die Augsburger) sy (
die juden) wol billich fürdern als unser burger.
chron. d. d. städte 5, 376, 23. 1@dd)
durch rasches thätigsein ohne aufenthalt weiter kommen machen, ohne verzögerung abfertigen. der gesworen meister (
von den fleischhackern) waren 6 unter den alten bencken und 4 unter den newen pencken, domit (
indem sie das fleisch aufhieben) wart daʒ volck wol gefürdert und auszgericht an (=
ohne) gedreng.
chron. d. d. städte 2, 309, 2; so weren ewer kauffleut in allen landen gefurdert. 528, 24. 1@ee)
beihelfend vorwärts kommen machen, fortgang haben machen, beschleunigen, beeilen. eine bedeutung, die die übliche von fördern
ist. mhd. belege s. Ben. 3, 383
a. daʒ sie dër stat z Nrembërg und allen dën iren getrewe sein und iren frumen furdern und wërben und iren schaden wenden und warnen.
chroniken der deutschen städte 1, 174, 36.
nhd. als ich dir dann yetzund auch beweisz dein nutz und frummen mer beger zu fürdern alsz den meinen. Wirsung
Cal (1520) C 8
b; unser volhabende macht anzuwenden, dasz der gemein nutz in allem zuvorderst gefürdert ... erscheine.
Amadis 321; ist es dann etwan ein burgersman in einer stat, der dem gemeinen nutz getreuwlich dienstlich geneigt ist und (
ihn) gern gefürdert sehe, der dann etwan den gemeinen nutz fordert und den groszen Hansen zuo vil darin redt. Schade
satiren u. pasq. 2, 54; auch einer thut den andern warnen, ... fürdert sein nutz, und wend sein schaden, und gündt jhm hertzlich alles gut. H. Sachs I (1590), 322
d; ich bin meinem herrn köng geschworn, sein nutz zu fürdern allen enden, dargegen sein schaden zu wenden. III (1588). 2, 122
c; heltest du also dein eyd und pflicht, unsern frommen zu fürdern thon? 127
c; drumb herr vetter nemmt gelt und gut und die sach auffs erst fürdern thut, eh wir dahin kommen zu spat, die sach kein lengern auffzug hat. 122
a; als sie ... gepetten hetten, die sachen zu furderen.
chron. d. d. städte 3, 372, 14; also auch sie (
die procuratores) am allermeisten derer leuth sachen die ... viel gülden haben, fürderen unnd günstig seyn. Kirchhof
wendunmuth 128
a; welchen er auch in viel wege ruhmwirdig gedienet und sie gefürderet hat. 121
b; ich hoffe, er werde alles fürdern, was ich in meinem sinn hab. Reiszner
Jerus. 2, 47
a; weil (=
so lange als) Salomon den gottesdienst fürderet, war gelt und guots genuog vorhanden. Nasus
Nasenesel 51
b; ein glück, welches die menschlichen sachen fürdert und hindert.
buch d. liebe 208, 3; sölchen krieg und zerstörung desz obbenennten schlosses hat Geörg auff der Flüe alles gefürderet. Stumpf
chron. 670
b; (
die feldcypressen) dienen ... für die geelsucht, fürdern den harn. Lonicerus
kräuterb. 195
a; ein stein, der euch zu ewer kranckheit nicht wenig nutzen, und zu gesundheit fürdern mag.
buch d. liebe 233, 3.
hier auch füddern: Venceszlaus der sexte könig in Behem hat sein bergwerck sehr lieb gehabt und aufs gnedigst gefüddert. Mathesius
Sar. 299
b. 1@ff)
begünstigen, bevorzugen. daʒ sie diesselben haller nemen und die furdern für alle ander müntz, und daʒ man dabey kauf und verkauff.
könig Wenzels münzgesetz v. j. 1385
in den chron. d. d. städte 1, 241, 18; die zeit herschet kunig Ludwig zu Ungeren ..., welcher die kauffleut von Nuremberg, die sein künigreich besuchten, vor anderen furdert und die stat Nuremberg in geprauchung seins lands mit sunderen freiheiten begabet. 3, 282, 5. 1@gg)
bergmännisch auch was fördern.
s. fördern 2)
und vorhin a). einen bergarbeiter fürdern,
ihn in die arbeit aufnehmen und an einem bestimmten punct in der grube anweisen. Scheuchenstuel 87. 22)
reflexiv, sich fürdern,
in dem sinne: sich ungesäumt vorwärts bewegen, um vom flecke und wohin zu kommen. unnd dieweil keiner (
der kranken kriegsleute) gern dahinden bleiben wil, fürdert jeder, wie er kan, sich in zeiten hinbey und auff die wagen, gedrungen vol. Kirchhof
milit. discipl. 118.
kärnt. fûdern si (
s. oben). lieber fuder dich bald,
geh bald weg spricht der landsknecht zum teufel. s. Lexer
a. a. o. 33)
intransitiv, in der eben unter 1) c)
angegebenen bedeutung. das (
dasz) er (
der allmächtige) fürbasser mit glücksamer schickung uch und alle, die mit uch zu den sachen sind gewannt, die wolle fügen zu freudenrichem ende, das zu ewiger selickeyt fürdere.
chron. d. d. städte 2, 216
a. sie sprach: ja recht, noch eins auch gaht, dasz man sucht wollust, gwalt vnd pracht, was darzu fürdert hat man acht. ich sprach: was fürdert dann darzu? die sprach: das gelt ... H. Sachs I (1590), 293
b.