Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
frevil
(13. Jh.):
‚Rechtsverletzung, Verbrechen, vio-. S. fravalen, fravaili. – frevilAWB m. a-St.(?),
lentia‘
nur Gl. 1, 416, 66 f. (12. Jh.); 2, 352, 15 (der lat.
Text dieser Hs. [Straßb. C. V. 6] stammt aus
dem 9. Jh. [vgl. Steinmeyer-Sievers, Ahd. Gl.
IV, 615], aber die wenigen ahd. Glossen müs-
sen viel jünger sein; die Schwächung der nicht
starktonigen Vokale bei freuele [dat. sg.] wie
auch bei spichere, Gl. 2, 852, 39 [= ahd. spicha-
ri] erlaubt keine frühere Datierung als
„spät-):
ahd./frühmhd.“
‚Unbesonnenheit des Han-(mhd. vrevele, vrevel st.f.m., nhd. Fre-
delns, Vergehen, Rechtsverletzung, fredus, te-
meritas‘
vel m.; mndd. vrēvel[e] m.; mndl. vrevel m.;
ae. fræfel). Spätahd. frevil, mhd. vrevel (m.f.)
ist eine jüngere Variante von ahd. fravalî
(s. d.); als das e (< i) der Endsilbe nach l mit
vorausgehendem kurzen Tonvokal schwindet
(vgl. Kienle, Hist. Laut- u. Formenlehre des
Dt.2 § 65), fallen die Deklinationen von ver-
schiedenen Genera zusammen (vgl. Wright,
Hist. Ger. Gr. § 346). – Ahd. Wb. III, 1230 f.;
Splett, Ahd. Wb. I, 6; Köbler, Wb. d. ahd. Spr.
327; Starck-Wells 811; Schützeichel, Glossen-
wortschatz III, 294.