Fittek m.(f.
n.) [verbr.] 1. Flügel, Schwinge. — 1.1. Flügel eines Vogels. — Spez.: Flügel der Gans [bes. OWestf]. Medden Fittken slon vom Hahn (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh). De Hāne lait ǟinen Fitken hangen (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). De Hahn böhrt (hebt) beide Flittken an, hee will kraihen (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@LegdenLe). De Klucke namm de Kǖken unner ehre Flitken (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@AltenrheineAr). Pack em es bi de Flittken (Kr. TecklenburgTek Me). Hai kräich ne an de Fittke er erwischte ihn (den Fortlaufenden) noch (Kr. IserlohnIsl Is). De ēine Flitk is lamm (Kr. WarendorfWdf Ob). — Ra.: Dä lätt de Flürke hangen er ist mutlos, verzagt, traurig (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@ElseyEl || mehrf.). Em hangt de Flittken dass. (WMWB). He slōuch sick helske in de Flittken er brüstete sich sehr (Kr. BeckumBek Vh). Hai kann wuohl in de Fitken klappen, aower nit krägen er macht nur große Worte, läßt aber keine Tagen folgen (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). He hät de Eierschellen nao an de Flittken hangen er ist noch zu jung, um mitreden zu können (Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@BuldernBu). Ick well di de Flürke wuoll stuwen! Drohung: ich werde deinen Tatendrang schon einschränken (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@LehmuferLu || ähnl. mehrf.). Äs en Küken, wat de Köll in de Flittken trokken is so sieht ein kranker Mensch aus (Münsterl WAGENF 65). Dai māint, heïer krīch me de Gōüse up Fitken gebren der meint, hier brauche man selbst nicht mehr zu arbeiten (Kr. IserlohnIsl Is). Diu meins wuoll, dao gengen de Goise brohn (gebraten) un härn de Messer op’n Fittken liggen sagt man zu jmdm., der seinen neugewählten Aufenthaltsort über alle Maßen lobt (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). — Sprichw.: Me kann nich eher fleigen, os(e) me Flittke häw (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi). Biäter en Stücke Bräot in d’r Hand ase Fiähren un Fittike am Haue (Hut) (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). Mannigem Mensken goeiht et guet, wuil hai bui anneren unner iähre güllenen Fittike kriupen kann (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@DrewerDr). — 1.2. Flügel eines Engels [verstr.]. Besuih di mol op diem Bïelle dïem Engel sine schoinen Flittekes (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@KirchveischedeKv). — 1.3. Flügel der Windmühle [Münsterl Sos, verstr. Arn]. — 1.4. Flügel der Spindel (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@NordwaldeNw). — 2. Hand (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm), Arm (Kr. SoestSos Kr. Soest@SassendorfSd). Eck he ’n lām’m Flürk (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl || mehrf.). — 3. abgeschnittener Flügel der toten Gans oder eines anderen Vogels. — 3.1. Handfeger, -besen; zum Abstauben verwendeter (Gänse-, Raben-)Flügel [verstr.]. — Spez.: Hühnerflügel zum Abstreichen der Spreu beim Kornreinigen mit der Getreideschwinge (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@RhodeRh). — Ra.: Doa es man oll mett’n Fittk uppn Bühn wesen sagt man, wenn es Zeit wird, daß Brotkorn hereinkommt (Kr. LübbeckeLüb Kr. Lübbecke@GehlenbeckGb). — 3.2. „Gänseflügel in der Bienenwirtschaft“ (Kr. MeschedeMes Kr. Meschede@BrachtBr), wurde auk to’t Inküöwen van’n Schwuorm brukt (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@WettringenWt). Do stönnen näo äinige liege Bejker (Bienenkörbe), ne äinige Fitteke un ne äinige Kasten (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). — 4.1. leichtsinnige Person [verstr.]. Dät ies ne lichtferrigen Fitteck (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). — 4.2. Schelm, pfiffige Person; jmd., der harmlose Streiche im Kopf hat, dabei erfinderisch ist [verstr. südl.]. ’n lǟn (schlechter) Fittek (Kr. HöxterHöx Sb). Hei issen grauten Fittek (Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)Wal Bh). Dai Fittek hiät käine guerre Floi imme Koppe (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@HeldenHe). — 4.3. kleiner Junge (KKWB). ⟨Bedd. 1-3: Fittek [Kr. DetmoldDet südl. OWestf Hellweg Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt KSauerl], Fitk [nördl. OWestf, sonst verstr.], Fitke(n) [Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. SoestSos Kr. IserlohnIsl Arn], Firk(e(n)) [Isl, verstr. Kr. SoestSos Enr]; Futtek (Kr. SoestSos SCHMB); Flittek [Tek], Flitk(e(n)) [Münsterl Wie, verstr. Kr. MindenMin Dor], Flittike (mit Sproßvokal) [Olp]; „Flüödderik“ (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@OlpeOl); Flirk [verstr. die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Kr. SoestSos Isl], Flürk [WMünsterl Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Stadt HagenHag Kr. IserlohnIsl Alt], Flü(r)tk [Kos]. — Genus:
m. [verbr.],
f. (F(l)it(te)ke, Flirke) [verstr. bes. SWestf]. — Kr. MindenMin Kr. Minden@HahlenHa differenziert zwischen Fitk ’abgeschnittener Flügel der toten Gans’ und Flitk ’Flügel der lebenden Gans’ sowie →
Flüᵉgel ’Flügel der Windmühle’; Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe zwischen Flitken (ä.) und →
Flüᵉgel (j.)⟩ ¶ Vgl. RHWB 2,628: Flitsche Bed. 1, 2,632: Flitte, 2,686: Flurk; NDSWB 4,585: Fittje, Fittjen, Fittj, Fittek.