fǟlen
V. [verbr.] fehlen. — 1.1. nicht existieren, nicht vorhanden sein. — Sprichw.: Wo de Meß fählt, do hälpt ’t Biarn auk nich (Kr. HalleHal Kr. Halle@HörsteHö). Wo nich es Mistus, da fehlt ock Kristus (Ennepe-Ruhr-KreisEnr HOLTHAUS). — 1.2. nicht zu jmds. Verfügung stehen, jmdm. mangeln. Dat is et jüst, wat mi feilt (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@SelmSm). — Ra.: Do feuhlt wat er ist geistesschwach (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs = PLATE-NAUWB). Diem fäihlt bläoß de Häörn, dann ies de Osse praot er ist ein Grobian (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || ähnl. mehrf.). Dine Haorn faihlt de Lusefarke du hast unordentliches Haar (Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl). Wenn ’t Kr. BrilonBri riänget, feihlt em de Liäppel er verpaßt die besten Gelegenheiten, kann seinen Vorteil nicht nutzen (Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl || mehrf.). — Sprichw.: Boa kein Mann im Huse, doa fählet de Roat; boa keine Frau, doa fählet de Noaht (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). — 1.3. abwesend sein, ausbleiben; zu einer bestimmten Zeit nicht an einer bestimmten Stelle sein. Meist feiggelt oiner, dä denn Kläos spielen mot (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@SüdlengernSl). Gistern Aowend bi’t Kiegeln, dao häß du failt (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@AltenrheineAr). — Bauernregel: Pankratius, Servatius un Bonifatius könnt maken vïell Verdruss, un telest fählt nie de kolle Sophie (Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@HilbeckHi). — 1.4. nicht mehr da sein, verschwunden, verlorengegangen sein. Dai Hāke fElt (Kr. ArnsbergArn En). — Ra.: Du säöß wat slächt ut; wat failt di? (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@AltenrheineAr). Em fehlt nix er ist gesund (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe). — Sprichw.: Wieker köff, wat he nich bruket, de mott an’t leste verkaupen, wat em faihlt (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi). — 1.5. herbeigewünscht, vermißt werden. Minne Brille fēält mi (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). Hä fēält mi an alle Ecken un Kanten (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). — 1.6. (in festen Wendungen:) zur Erreichung eines Ziels erforderlich sein: Denn feilt ’n Groschen anner Mark der ist nicht ganz zurechnungsfähig (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@GohfeldGo). Dat fiählte mie noch tor Siäligkäit hoffentlich trifft das nicht ein (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr). — Sprichw.: Wenn en Pennink am Daler fehlt, dann ies hai nit vull (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). — 2. (unpers.) nicht in erforderlichem Maß vorhanden sein, nicht ausreichen, mangeln. — Sprichw.: Boa de Schuarnstäin rouket, fählet et nit an Frönnen jmd., dem es gut geht, hat Freunde genug (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). — 3. nicht treffen, verfehlen. — Sagw. (mit Anspielung Bed. 4): Dät waß gefehlt, saggte de Krüeppel, do harr ne de Ruie int Holtbäin bietten sagt man, wenn jmd. einen Fahler begangen hat (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || (ähnl.) mehrf.). — 4. eine Sünde begehen, etwas Unrechtes tun. Wi fält olle äinmaol, dåvör sin wi Minsken (Kr. MindenMin Kr. Minden@HahlenHa). ⟨›fǟlen‹ [verbr.], ›fē¹len‹ [Kr. DetmoldDet Höx], ›fē²len‹ (Kr. IserlohnIsl Is), ›feilen‹ (Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)Wal Ro), fäggelen, „feiggelen“ u.ä. [Ravensbg Lippe], ›feªlen‹ [verstr.]⟩