etslich und verderbt etzlich,
mhd. ëteslîch, ëtslîch,
ahd. ëtislîh, ëteslîh, ëdeslîh, ëddeslîh, ëthaslîh (Graff 1, 146),
unter welchen ëddeslîh
die älteste form und der partikel ëddo
zunächst steht. ëddo
aber ist das goth. aiþþau,
scheint also schon verdünnung eines älteren, nirgend aufzuweisenden eiddô,
dessen diphthong nicht nur im goth. ai,
sondern auch im lat. au
von aut
und autem
hinlänglichen grund findet. wir gerathen hier in eine der ältesten und dunkelsten conjunctionen. offenbar liegen goth. iþ
und das in aiþþau, eiddô
steckende aiþ, aid
den lat. partikeln it,
wie es in iterum
enthalten ist, aut
und autem
verwandt und die lautverschiebung stimmt nur in diesem fall, denn die übrigen ahd. formen verwischen wieder alle spur des gesetzes. möglich aber ist auch, dasz das ahd. ëtas, ëtes
und ëtalîh
unmittelbar auf iþ
zurück geht und nicht aus aiþ
gekürzt wurde. wie nun die vorstellungen aut und forte in einander greifen, dies zu untersuchen gehört noch nicht hierher, sondern erst unter die conjunction oder,
hier ist blosz gelegen an der bildung ëddes, ëdes, ëtes,
die sich mit lîh
und wie wir nachher sehen werden, mit den fragwörtern was, wer, wie
und wo
verbindet, kein entsprechendes goth. aiþþis
ist in den bruchstücken überliefert, wäre gleichwol denkbar und könnte den bekannten allis, raihtis, halis
zur seite stehen, ja mit rücksicht auf aiþþau
sogar aiþþaus (
analog dem filaus)
lauten. in den frühsten ahd. glossen erscheint wirklich ein allein auftretendes ëthas
tandem (Hattemer 1, 212
a),
wo es nicht mit dem vorausgehenden wanne
demum zu verbinden ist, wie auch hernach ethashuanne
tantundem folgt. dies praefix ëtes
oder ëta,
welchem vielleicht gleiches alter einzuräumen ist, hat nun deutlich in den wörtern ëteslîh, ëtalîh, ëteshuër, ëtahuër, ëteshuaʒ, ëtahuaʒ
u. s. w., die kraft des lat. ali
in aliquis, aliquid, aliquot
u. s. w. d. h. es kommt dadurch in die vorstellung etwas unsicheres, wie wir es auch durch irgend
ausdrücken, der etsliche, etliche
ist irgend einer, etswas, etwas
irgend was hier mag schon vorläufig daran erinnert werden, dasz selbst in den disjunctionen aut, ëddo, ëdo, odo, oder
ein anklang von alius
und alter
ist, da durch aut
die einheit, durch alter
die einzahl überschritten und aufgehoben erscheint. Diese höher schwebenden fragen bei seite gesetzt, reizt es zu forschen, welche mhd. dichter ëtslîch, ëteslîch
statt ëtelîch,
so wie die nachfolgenden ëteswâ, ëteswaʒ
u. s. w. statt ëtwâ, ëtwaʒ
gebrauchen oder welche beide nebeneinander anwenden. willkür der schreiber hatte doch hier viel freie hand: ëtslîcher was ein rubî
n. Parz. 85, 4; ouch heten die este und ëtslich dorn ir hemde zerfüeret. 257, 9; ëtslîcher riet ir brœder lîp, daʒ si diu wërc volbrâhte. 518, 26; vor ungedolt ër sich sô want, daʒ brast ëtslîch sîn wunden bant. 587, 24; ëtslîch frouwe wart gehurt. 777, 11; ëtslîch man daʒ prîste.
Wh. 4, 22; ëtslîche wolten daʒ bewarn. 182, 8; ëtslîche nâmen sînen solt. 184, 21; entsliuʒ ûf daʒ tor, ich erzürne ëteslîchen noch hiute davor.
Nib. 457, 2; ganzer tage drî und ëteslîche naht.
MSF. 126, 21; doch sæhe ich an ir ëteslîchem gërne ein schanden mâl. Walther 30, 23; waʒ ob ir ëteslîcher ûf lieb gedinge mir gelîchem kumber hât.
MS. 1, 154
b; ëtslîchen den list oder den rât.
Trist. 385, 19; nu bæte ich gërne, möhtëʒ sîn, ëtslîcher hëlfe dich.
Barl. 124, 25; ze ëtslîcher stunde.
Gerhart 2994; ouch fuoren zuo dem rîche dës mâles ëteslîche.
tr. kr. 25028; unde ëteslîchen grâven.
Helmbr. 415.
die stellen lehren, dasz das ahd. ëddeslîh, ëteslîh
auch zur mhd. zeit fortbestand. man könnte ëteslîch
dem bairischen, ëtelîch
dem schwäbischen dialect beilegen wollen, doch sehen wir selbst Wolfram
zwischen beiden bildungen schwanken und bei Megenberg
findet sich zwar etswie,
überaus oft etleich,
nur selten etslich,
z. b. 28, 32;
umgekehrt mangelt ëtslich
weder in Gotfrieds, Conrads
noch Rudolfs
dichtungen, wie es auch späterhin elsäszische und schwäbische urkunden gewähren. man begreift leicht, wie etslich
zuletzt nhd. in die schlechte schreibung ezlich
und etzlich
übergieng, da in unserm anlautenden und zuweilen auch auslautenden z
der ts
laut enthalten ist und z. b. für seltsam
häufig seltzam,
für gotes kotz, potz
gesetzt wurde. Rothes
thür. chr. hat fast immer etzlich. der sagten etzlich grausam mer. Schwarzenberg 104, 1; vor etzlichen jaren. Rebhun
klag des armen mannes s. 3.
indessen gerieth die form bald in abnahme. Dasypodius, Maaler, Denzler
stellen nur etlich
auf, kein etzlich, Henisch 951, 18
und Stieler 884
geben noch etzlich
an, Frisch 1, 234
mit richtigem bezug auf eddeslîh,
bei Adelung
ist es nichts als gemeine, oberdeutsche mundart. belege für etzlich
liefern die chroniken von Königshoven, Anshelm, Wurstisen
u. a. m. der Schweidnitzer stadtschreiber Jacob Garthener in seinem
bericht von den unruhen in den j. 1520 —1524
sagt s. 394: sulch vorhoren vorzugk sich 'einen etzlichen tag',
d. i. einen oder etlichen tag, etliche tage, fast wie sich Chemnitz (
vorhin sp. 1177)
ausdrückt. das etzlich
mochte also in Schlesien haften, unter den dichtern des 17
jh. hängt ihm Opitz
besonders an, obschon er auch etlich
gebraucht: hilf gott! hat denn der krieg nicht volk genug gefressen von etzlich jahren her? 2, 34; von etzlich tausend jahren. 2, 105; etzliche vernichten die poeterei gar mit einander, etzliche, und diese die klügsten, gestehen
u. s. w. (
a. 1622) 2, 247; nicht weit von ihnen lagen etzliche lauten, geigen. 2, 265; und bestetigen mich in dieser meinung etzliche Holländer.
prosod. germ. p. 54; etzliche sein der meinung. Hofmannswaldau
vorr. und oft. so steht auch im erzschrein der fruchtbr. ges. s. 129 für etzlicher zeit (
a. 1638);
s. 45 etzliche andere.
in Riemers
reime dich s. 2 etzliche unnütze, doch lustige fälle;
s. 5 ein schlechtes löhnchen, nemlich das lob etzlicher wenige;
s. 12 etzliche mengen unter die wahrheit ganz ungeschehene dinge; etzliche nennen sich unverschämte historienschreiber
u. s. w. und ebenso oft in seinem pol. stockf. (1681): etzliche liebesblicke einzuernten.
s. 90; etzliche blicke.
s. 123; etzliche mal gesuchet.
s. 133; wisset ihr nicht, dasz Cupido zweierlei pfeile führet, etzliche womit er zwinget und verwundet, etzliche aber, womit er rächet und strafet.
s. 144; bisz auf etzliche augenblick.
s. 146; etzliche unter denen medicis.
s. 335. Stieler 884
stellt etzlich
neben etlich.
aus dem 18. 19
jh. läszt sich wenig oder nichts anführen, wenn gleich das wort im leben und in büchern hin und wieder vortritt; es hat dann zuweilen einen gesuchten oder scherzhaften nachdruck.