ERTAUBEN vb. ahd. irtouben
und irtoubên,
mhd. ertouben, ertöuben.
präfixbildung zu tauben, täuben
vb. (als abl. von taub
adj. in seinen vielfältigen bedeutungen, von denen der jüngere wortgebrauch des verbs beeinflußt zu sein scheint, so besonders noch in der schweiz. mda.). eine tendenz, die intr. bedeutungen durch das fehlen des umlauts, die trans. durch den umlaut zu kennzeichnen, ist nicht deutlich feststellbar. zur möglichen vermischung von ertauben, ertäuben 3
mit au-
varianten von ertoben vb. s. schweiz. id. 12(1961)90. 1
verderben. a
dumpf, ungenießbar werden. einzelne frühbezeugung: A11.jh.
(quod si sal) euanuerit feruukrdkt
(l. feruuirdit
) ertovbet
ahd. gl. 5,12,17 S./ S. b
bezwingen, niederhalten: ⟨u1300⟩ daz er gar wolde ertouben/ an in den gelouben,/ den si heten sus genomen
passional 205,48 H. A15.jh.
(gegenüberstellung von leib und seele:) under yme helt er dich, wo du yme geleubes,/ wo du yn mit crefften nit erdeubes
pilgerfahrt d. mönchs 5951 DTM. 2
betäuben, betäubt werden. a
jmdm. die besinnung nehmen, ihn besinnungslos machen: 11.jh.
obtundis, surdum facis redouu es
ahd. gl. 2,624,9 S./S. ⟨u1220⟩ der jüden schal min herz erdouvet
rhein. marienlob 814 LV.hs. 14.jh. mit groszem zorne gabent sy also/ einander grimme slege do,/ daz sie ertoubet wurden gemein Wisse /Colin
244 Sch. hs.u1470 ‘du hâst al gar ertoubet
(hs. erteu- bet
) mich, dir selber leit gebriuwen’
meisterlieder kolmarer hs. 14,30 LV. 1555 alle menschen ertaubt er
(mönch) mit seim disputieren Wickram
3,27 LV. b
betäubt, benommen werden: ⟨13.jh.⟩ des was vor leide nâ irtoubit/ Kehenis dâ ûf der stete Eilhart
6800 L. ⟨1293⟩ im was so vbil gelungen/ an der megde iungen/ daz er was so ertovbit/ rehter sinne berovbit Hugo v. Langenstein
Martina 220,95 LV. ⟨u1330/40⟩ dem
(könig) hett ain wib behefft die sinne/ .. dennocht was er als gar ertopt/ und also in ir minne erlaffen Konrad v. Helmsdorf
1680 DTM. ⟨1456⟩ und begonde Geffroy von dem slage und streich sere ertöuben Thüring v. Ringoltingen
108 TSM. 1531 er was schon ertŏbet von dem schmertzen, so er leyd
haimonskinder 130 LV. ⟨v1683⟩ nach dem er dergestalt sich nicht wenden konte, versetzte ihm Ganasch mit einem schweren streit=hammer einen so harten schlag rückwerts aufs haupt, daß er gantz ertäubet auff den erd=boden fiel Lohenstein
Arminius (1689) 1,39b. 3
erzürnen, zornig werden. vgl. ertoben
vb. a
jmdn. erzürnen. selten mhd., öfter lexikalisch gebucht, verbreitet schweiz.-mdal.: hs.2.h15.jh. syt mir uwer wiplich zucht/ zu reden hatt erlaubt,/ hab ich uch dan erdaubt,/ das ist mir sicher czorn
mhd. minnereden II 7,252 DTM. 1579
furiatus, .. furore concitatus, .. zuͦ grimm vnd wuͤtigkeit bewegt, ertaubet Calepinus
dict. 621a. 1603
furiatus .. zu grimmen vnd wuettigkeit bewegt, ertaubet Megiser
thes. 1,581a. 1769
furiatus, a, um. erwildet, ertaubet
dict. lat.-germ.-bohem. 246b. 1961
schweiz. id. 12,97. b
zornig, wütend werden: 1526 ich möcht schier bi üch ertouben,/ dass ir
s. Paulo nit gar glouben wend
N. Manuel
164 B. 1549 kein biderman kans achten ring/ so jm sin eewyb wirt geroubet./ kein wunder ists ob er erdoubet Aal
Johannes 93 HND. 4
taub machen oder werden. a
jmdn. gehörlos machen: ⟨u1350⟩ der übel singt, der singet vil;/ menglîchen er ertouben wil Boner
edelstein 146 P. hs.u1470 als wolte ich daz etlîcher meister tæte,/ der mit gesange ertoubet allez daz dâr ist
meisterlieder kolmarer hs. 67,23 LV. 1639 o rühr die ohren an/ die Satan gantz ertäubt, damit ich hören kan Gryphius
sonette 55 HND. 1682 so daß des gantzen heers ertäubendes/ frolocken drob ein solch vergnügen zeygte Berge
Milton, paradeis 48. 1725 ich betäube,
obtundo alicujus aures. ertäubt, ich ertäube,
idem Steinbach
wb. 382. b
taub, gehörlos werden: 1494 dor vmb ist der blindt vnd ertoubt/ der nit hoͤrt wißheit vnd jr gloubt/ oder hoͤrt gern nuw maͤr Brant
narrenschiff b8a faks. 1645 die ohren ertäubeten gleichsam von dem lieblichen gesäusel des flusses Birken
pegnitz-schäferey 6. 1702 die meisten müller ertäuben mit der zeit von dem getös und geklippel ihrer mülen Kramer
dict. (1700)2,1054c. 1838 so werdet ihr im lärm erblinden und ertauben Rückert
ges. poet. w. (1868)8,123. ⟨1946⟩
(malaria-anfall:) er nahm eine größere dosis
(chinin) als sonst und fühlte schon bald seine ohren ertauben Langgässer
siegel (1948)261. 1983 auf einem ohr war er fast ertaubt
Duden dt. universalwb. 370b. 5
absterben, gefühllos werden. von 2 b
her, jung: ⟨1924⟩ die dreinfahrenden eisböen machten die ohren mit scharfem schmerze brennen, lähmten die glieder und ließen die hände ertauben Th. Mann
ges. w. [1960]3,666. 1976 mit dem brot im arm, auf ertaubten füßen Trampe
kupferpfennig 103.Rahnenführer