Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
erblenden swV.
2 übertr.
2.1 ‘jmdn. (ver)blenden, täuschen, verwirren’
2.2 ‘etw. verdunkeln, verschwinden lassen’
1 ‘jmdn. (jmds. Augen)/ein Tier blind machen, (auch vorübergehend) blenden’ si [Märtyrer] sint gesoten vnd gebrant / [...], / an daz chrivce genagelot, / [...] erslagen vnt erblendet Warnung 1235; do Sampson irblendit wart RvEWchr 21088; SchwSp 20a; SHort 734; wenne man den pern væht, sô erplent man in alsô. man nimt ain glüend eisen oder glokspeis und habt im daz für, sô erplint er zehant BdN 163,4; (als gerichtl. Strafe:) das der von Zúrichern mit gerichte erblendet wart UrkCorp (WMU) 2163,24; huobens an [den Kalk] ze werfen dar / und erblenten si sô gar, / daz si nihtes gesâhen Ottok 4488; luͤte und ors erblenden wolt der selbe melme JTit 4155,1. – diu [Kerze] hât unser hâr gâr besenget an den brân / unde hât ouch uns der ougen vil erblendet Walth 84,35. – bildl., in geistlichem Sinne (übergehend zu 2): die [Geistlichen] solden hinden unt vorne / der ougen alsô wesen vol, / daz si allenthalben wol / die vînde gesæhen, / wâ si sich wolden næhen / ze den die in bevolhen sint. / wellent si nû bêdenthalben wesen blint, / sô werdent si êwichlîchen erblendet Erinn 253; swer die werlt gerne siht / und an sie sîn leben wendet, / der mac got erkennen niht, / wand im diu ougen sint erblendet, / bî den man siht daz wâre lieht LvRegSyon 314; ain iegelicher suͥnder, den die suͥnde an den oͮgen sinez herzen hânt erblendet PrSchw 2,64; dc dir der [Teufel] diu oͮgen dinez herzen ûz stichet, dc ist dc er dich also erblendet, dc du got niht gesehen maht ebd. 2,65 2 übertr. 2.1 ‘jmdn. (ver)blenden, täuschen, verwirren’ des tievels trugenere / die waren erblendet, / gehonet vn̄ geschendet Wernh A 4221; die selben trugenære [...] habent mit ir listen / erblendet die kristen Ottok 46854; swenn si [die Seele] sich aber her nider keret engegen der creatur, so wirt si erblendet und wirt geboͤsret und wirt zerstoͤret PrGeorg 209,2. – mit sachl. Subj. (girde, sunde, zouber etc.): div girde in irblante / daz recht gotes er nerkante VMos 72,27; die [Priester] läider sô ir sunde erblendent, / daz si ûf sînen [Gottes] zorn sô balde ernendent Priesterl 441; wie in diu hôhvart hete erblendet PrBerth 1:398,35; PrSchw 1,128; entriuwen daz erblante mich, / daz was daz zouber, dâ von ich / mîn selber sus vergezzen hân Tr 1039; daz mich ir süezen minne bant / an den sinnen hât erblant MF:Mor 23: 3,7. – mit Gen.: siner witze was er erblant Martina 218,101. – Sprichw. (vgl. TPMA 2,34): swer blinden volget, der ist wol erblendet: / waz wunders ist, obe den sîn blintheit schendet? SM:UvS 28: 3,7 2.2 ‘etw. verdunkeln, verschwinden lassen’ so wir daz [teuflische] werc geschenden / und wir die ere erblenden, / die ez velschlichen treit Pass III 107,42; mit ir zovber fiure / het si ez [den Tempel] gar geswendet, / der göte lop erblendet Martina 173,56
MWB 1 1819,54; Bearbeiter: Tao