Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
entseben
1.1 oft mit Gen.-Obj.
1.2 mit Akk.-Obj.
1.3 mit abh. Satz
1.4 refl. mit Gen.d.S.
1.5 intr.
2 ‘schmecken’ oder ‘fühlen’ als einer der fünf Sinne, mit denen Wolfram an anderer Stelle auch rechnet (
1 ‘wahrnehmen, bemerken, empfinden’ 1.1 oft mit Gen.-Obj.: ein vêde harte scharf / undir in sich dô irhûb, / in der dî cristinheit intsûb / dêswâr jâmerlîchir nôt NvJer 1563; im wart ser wol zuͦ muͦt da er ir bloßen hant an der synen enzuͦb Lanc 139,27; ich han entsebet der minne sin Albert 625; Tr 847; KvWLd 25,52 1.2 mit Akk.-Obj.: ez ne mohte nehein zunge / nimmer vore bringen / mit deheinen dingen / daz ungemach daz ich entsebe En 10121; gnediger herre, ich entsebe an mir sulche kraft unde macht, der ich noch ni entsub Köditz 22,28; sin zeldende phert sanfte schreit, / daz er ez niewen entsup, / wen ez den fuz vf hup Herb 5643. 2129. 5491; Lanc 639,11. – verhüllend für den Geschlechtsakt, (vgl. das biblische cognoscere ‘erkennen’): die sterck des giffts was vergangen, dwil er die jungfrauw so entsebt hett Lanc II 298,1 1.3 mit abh. Satz: sie entsuben alle wol da, / daz Hector in dem strite reit Herb 10230. 6655; der kunic hâte schiere entsaben, / war sie die rede karten EbvErf 784; GrRud Hb 9; PrLpz (L) 132,15. – und mit Korrelat im übergeordneten Satz: zujungist sî ouch zu mir quam / und dô sî des intsebete, / daz ich dennoch lebete, / mit alsulchim trôste / sî lîblîch zu mir kôste NvJer 7259; StatDtOrd 90,8. 30,24; Herb 741 1.4 refl. mit Gen.d.S.: er tet, als der weise tuot, / der sich liebes niht erhevet / vnd sich leides niht entsevet Krone 7280 1.5 intr.: got vil genaden mit im treib, / als er nu wol hat entsaben Pass III 43,97 2 ‘schmecken’ oder ‘fühlen’ als einer der fünf Sinne, mit denen Wolfram an anderer Stelle auch rechnet ( Parz 488,26 ), von denen er hier aber nur vier nennt; entweder ‘fühlen’ oder ‘schmecken’ fehlt in der Aufzählung: ir kunnet hœren unde sehen, / entseben unde dræhen Parz 171,23
MWB 1 1704,46; Bearbeiter: Richter