durch glück: nicht alle reichen sind es durch glück geworden, sondern viele durch sparsamkeit Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 398; der könig in Spanien, der die provinzen durch gut glück zusammen besitzt Göthe I 8, 206
W. —
besonders gern unerwartetes, unverhofftes,
unverdientes, unglaubliches
glück: unerwartetes glück, unverhoffte befreyung von übeln, krankheiten ... wurden dann ... dem bilde selbst zugeschrieben Heinse 5, 103
Sch.; es ist ein unerwartetes glück für unser haus, dasz ... Lenz
ges. schr. 1, 87
Tieck; bist dus Medea? unverhofftes glück Grillparzer 5, 89
Sauer; er findet es viel, dasz mir bösewicht ein so unverdientes glück geworden ist Bismarck
br. an s. braut u. gattin (1900) 48 (
mit hereinspielen der bedeutung II E 4 b, c); es ist wirklich ein unglaubliches glück, solch ein wesen gefunden zu haben W. v. Humboldt
br. an Welcker 18
Haym. —
oft allgemeiner als das wünschenswerteste, erstrebenswerteste: der tod schien ihm ein glück, das leben eine strafe
bei Eschenburg
beispielsamml. z. theorie (1788) 1, 101. 22)
unter betonung der günstigen verhältnisse '
günstiger umstand, günstige zufälligkeit im zuständlichen, gute fügung, günstige möglichkeit, gelegenheit, vorteil, nutzen, vorzug'. 2@aa)
eigentlich: wir haben Gaschiere gevangen einen grâven abe: der biutet uns vil grôze habe. der ist Kayletes swester suon: swaz uns der nu mac getuon, daz muoz ie dirre gelten. sölch gelücke kumt uns selten Wolfram von Eschenbach
Parzival 31, 20
L.; des raben gelücke wol erschein: die küniginne vant er (
der rabe) alein
Münchener Oswald 2024
Baesecke; das war das grosz glück, dann wo ein stein vonn dem tach fiel oder ein balcken von dem husz, so möcht man sprechen, wer ich da gestanden, so het mich der stein ... zu tod gefallen, das war myn grosz glück, sollich glücks wollt er gern entberen
Eulenspiegel 31
ndr.; und sagt Ausonius ..., dasz die wiedererstattung der gesundheit bey den krancken nicht der kunst der medici, sondern dem glück zuzuschreiben seye Grimmelshausen
Simpl. (1713) 3, 102; das beste glück war, dasz eine kleine seitentreppe zur hinterthüre zu gieng Chr. Weise
erznarren 172
ndr.; ein hübsches mädchen, so das glück hat, vom funfzehnten bis zum neunzehnten jahr in einem guten hause zu seyn Hippel
üb. d. ehe (1774) 15; bei allem unglück doch ein glück A. v. Droste-Hülshoff (1878) 2, 87; sagt, menschen, ists kein glück, sein schicksal nicht zu wissen? Gellert
w. (1839) 1, 87; in der christlichen religion ist es ein glück, dasz die menschen unter 20 000 heiligen ... wählen können J. Möser
s. w. 5, 85
Abeken; es ist ein glück für ein groszes volk, wenn es neben der entwickelsten arbeitskraft auch noch einen reichen rückhalt wenig benützten kapitals an land und leuten besitzt W. H. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 133; ich erlebte nie so andauernd schönes wetter — und ein glück ists für unser einen, dasz Wien so liebliche umgebungen hat Stifter
s. w. 1, 99; der ganze mann zitterte, und es war sein glück, sonst wäre ich ernstlich ... böse geworden
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 145; es ist ein glück, dasz die menschen unter ihren sternen schlafen können; nur so wird die sehnsucht zum glauben und nicht zum stachel E. G. Kolbenheyer
weihnachtsgesch. (1933) 24.
mit annäherung an die abgeschwächte verwendung (b
β): da ich das glück habe, fast in allen beträchtlichen städten Deutschlands mit männern von kenntnissen und talenten in korrespondenz zu stehen Nicolai
reise d. Deutschl. (1781) 1, 14; und er hat das glück, mit den besten seines zeitalters und kreises in dem schönsten verhältnisse zu stehen Göthe I 46, 28
W.; Jordan, den ich zum erstenmal sah, der aber nicht das glück hatte, uns zu gefallen Jac. Grimm
an Dahlmann in: briefw. 1, 26
Ippel. an 1
und 2 a
anknüpfend oft ironisch zur bezeichnung des unmöglichen: wirt der deheiner behalten (
wird einer von denen, die gott nicht wesentlich in ihr herz aufgenommen haben, beim jüngsten gericht gerettet), so hant si gt gelucke Tauler
pred. 189
Vetter; hasen mit paucken fangen ist grosz glück Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, Hh 5
a. glück '
günstige gelegenheit': in das innere zu dringen gibt das äuszre glück und lust Göthe I 4, 50
W. besonders häufig in der sehr vielseitig gebrauchten wendung das glück haben, zu
mit inf. '
günstige, erfreuliche gelegenheit haben, zu': drey sind der schrecken derer, die ihm von hinten nachzusehen das glück haben Lessing 8, 33
M.; (
man musz) sich erst an der schale freuen, bis man zu dem kerne zu gelangen das glück hat Göthe I 24, 44
W.; ich hatte das glück, die beiden ersten und die letzte offensive (
des jahres 1918) mitmachen zu können Adolf Hitler
mein kampf (1933) 217; mögen sie daraus die grösze einer zeit ermessen, die sie das glück haben, miterleben zu dürfen
ders., rede v. 22.
jan. 1938,
Münchener neueste nachr. v. 24.
jan. 1938.
ähnlich von nichtpersönlichem: eine derselben (
oden) hat das glück gehabt, ... ins lateinische übersetzt zu werden Dusch
verm. krit. u. sat. schr. (1758)
vorr. a 2
b.
bei den entsprechenden wendungen mit konjunktionalem dasz-
satz ist meist schwer zu entscheiden, ob das ereignis selbst (
s. 1)
oder die günstige gelegenheit dazu im vordergrund steht: ... nicht ein jeder hat das glück, dasz er vngeschlagen den bapst erblick Fischart
geschichtklitterung 30
ndr.; und hatte Florinde das glück, dasz er im dritten gange dem unbekannten eisenfresser eines in den arm versetzte Chr. Weise
erznarren 20
ndr. —
ironisch für '
unglück, pech': ich zweifle nicht: der neider wird seiner löblichen art und tugend nach dieses büchlein nicht unangefochten lassen: wie denn dieser art schriften insonderheit das glück haben Rachel
satyr. ged. 3
ndr. 2@bb)
in stark verblaszter bedeutung. 2@b@aα)
in der wendung es ist ein glück, dasz '
es ist nur gut, dasz',
in der regel mit der nebenbedeutung '
es ist ein unglück verhindert, es hätte leicht schlimmer sein, schlimm ausgehen können': es ist ein glück für die welt, dasz die wenigsten menschen zu beobachtern gebohren sind Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 21; es ist ein glück, dasz die fächer getrennt sind Göthe IV 28, 176
W. gern mit adjektiven wahres, besonderes glück: das ist ja ein wahres glück, dasz er (
der conrektor) seiner secunda nicht so als galoppierende windmühle ins auge ... fällt Raabe
Horacker (1876) 82; es ist ein wahres glück, dasz es solche liebes- und zärtlichkeitsnamen gibt Fontane
ges. w. I 5, 142; ein besonderes glück ist, dasz es niemand gesehen hat H. Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 15.
häufig elliptisch: ein glück für mich, dasz ihr mann ein eifersüchtiger narr ist Mozart
bei O. Jahn
Mozart (1856) 3, 27
anm.; dein glück, dasz zu verzagt die Troer sind, sonst hätten sie ... Bürger
w. 151
Bohtz; ein glück, dasz dus gesehen hast Göthe I 14, 199
W.; Siegwart, ein roman der vergangenheit, fand ich auf dem klavier das tintenfasz draufliegend, ein glück, dasz es nur wenig tinte mehr enthielt Bettine
d. Günderode (1840) 1, 23; ein glück, dasz ich arbeit habe; je mehr arbeit, desto besser Fontane
ges. w. I 5, 134.
gelegentlich mit verschobener konstruktion: glück sind diese mordanfälle, dasz sie immer fehlschlagen, aber gröszeres unglück, dasz sie überhaupt stattfinden Gutzkow
ges. w. (1872) 7, 407. 2@b@bβ)
in höflichkeitswendungen. glück '
vorzug, freude'
mit annäherung an die bedeutung II E 3
u. 4.
besonders häufig im komplimentierstil des 17.
jh., s. A. Denecke
z. gesch. d. gruszes u. d. anrede, zeitschr. f. d. dt. unterricht 6 (1892) 337: ich wollte wohl sagen, er solte platz an meiner seite nehmen, so zweiffle ich, ob ich das glück würde haben können Chr. Reuter
ehrl. frau zu Pliss. 40
ndr.; das glücke, dir gedient zu haben, wird in ermanglung bessrer gaben mein ansehn bey der nachwelt seyn J. Chr. Günther
ged. (1739) 157; das glück ..., ewr. excellenz persönlich aufzuwarten Lessing 18, 214
M.; verschaffen sie meiner frau das glück, frau v. Humboldt kennen zu lernen Göthe IV 21, 273
W.; es wäre unerlaszlich, dasz seiner tochter, bevor sie sich erkläre, das glück seiner näheren bekanntschaft würde H. v. Kleist 3, 258
E. Schm.; ich habe nur meinen bruder aufgesucht; auf das glück, diese herren zu treffen, war ich nicht gefaszt A. Bäuerle
kom. theater (1820) 1, 23; herr vetter Anselmo, wie hat man das glück? was führt euch endlich zu uns zurück? A. v. Chamisso
w. (1836) 3, 224; wir machen uns ein glück daraus, dieses blatt durch deinen ruhm zu zieren J. J. Schwabe
belustigungen (1741) 1, 42.
auch mit sachlichem subjekt: ew. durchlaucht zum geburtstage aufzuwarten wird dieses blat das glück haben Göthe IV 19, 47
W. 33)
in festen verbindungen, in denen vielfach der übergang zu glück II A 2
und II D, E
sehr flieszend ist. 3@aa)
neben verwandten oder gegensätzlichen begriffen. glück und heil: welnd ir mich füern in Venus land, daz zel ich mir für glück und heil Hermann von Sachsenheim
mörin 143; desz geringern heyl vnd glück ists, wenn er den gewaltigen zum freund hat Lehman
floril. polit. (1662) 1, 335; was dir denn ist für guts, für glück und heyl geschehen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 359. glück
und heil
im gegensatz: der inneren stimme gehorchen zu dürfen ... sei nicht blosz das glück, sondern auch das heil des Darius Fontane
ges. w. I 6, 17. — glück und flor Gottsched
neueste ged. (1750) 17. —