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dinglich

mhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
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15 in 9 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

dinglich

dinglich

Ding n. ‘germanische Volks- und Gerichtsversammlung, Sache, Gegenstand, Angelegenheit’, ahd. thing (8. Jh.), mhd. dinc, asächs. thing, mnd. mnl. dinc, nl. ding, aengl. þing, engl. thing, anord. þing, schwed. ting und (im grammatischen Wechsel) got. þeihs ‘Zeit’ gehen zurück auf die zur Wurzel ie. *ten- ‘dehnen, ziehen, spannen’ gehörende Gutturalerweiterung ie. *tenk- ‘ziehen, dehnen, spannen, Zeitspanne’. Zur gleichen Wurzel stellen sich lat. tempus ‘Zeitabschnitt, Zeit’ und air. tan ‘Zeit’. Westgerm. und nordgerm. *þenga- bezeichnet die ‘Volksversammlung aller Freien’, die über Krieg und Frieden beschließt, den Heerführer oder König wählt und in der Recht gesprochen wird. Got. þeihs als Übersetzung für griech. kairós (καιρός) meint ‘eine für einen bestimmten Zweck festgelegte Zeit’. So bedeutet auch germ. *þenga- in vorliterarischer Zeit (wie noch ahd. thing in seinen ältesten Belegen) ‘Zeitpunkt’, dann die zu einem bestimmten Zeitpunkt angesetzte allgemeine Volksversammlung. Die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Völkerwanderungszeit, wie sie sich deutlich in der Errichtung des fränkischen Feudalstaates zeigen und zum Zerfall der alten Volksversammlung führen, lassen sich an der Bedeutung von ahd. thing nachweisen: thing ist vor allem die ‘Gerichtsversammlung’, an der ein bestimmter Personenkreis teilnimmt; daraus abgeleitet bezeichnet es den ‘Versammlungs- oder Gerichtstermin und -platz’, die ‘Gerichtsverhandlung’ und deren Ergebnis ‘Urteil, Vertrag’, dann auch (unter dem Einfluß von lat. causa, rēs, negōtium) die zu verhandelnde ‘Rechtssache’, den ‘Fall’, ‘Ursache’, ‘Grund’. Damit hat sich thing von der alten Bedeutung ‘Volksversammlung’ gelöst, und der Weg zu (nhd. herrschendem) ‘Sache, Gegenstand, Angelegenheit, Geschehen’ ist beschritten; als Terminus der mittelalterlichen Logik kann es für ‘Wesen, Begriff’ u. dgl. stehen; vgl. Karg-Gasterstädt Ahd. Thing – Nhd. Ding (1958). Eine ähnliche Entwicklung erlebt das Wort in allen germ. Sprachen (vgl. aengl. þing ‘Beratung, Versammlung, Gerichtshof, Prozeß, Tat, Ursache, Gegenstand’, engl. thing ‘Ding, Sache, Wesen, Angelegenheit’). Jünger ist die Verwendung für Personen oder Sachen, die nicht benannt werden können oder sollen (14. Jh.) und der (umgangssprachlich und mundartlich übliche) herabsetzende Gebrauch, vgl. kleines, armes, grünes Ding ‘Mädchen’ (17. Jh.), Plural Dinger. Ding als philosophischer Erkenntnisgegenstand (18. Jh.); Ding an sich (Reimarus 1760); mit rechten Dingen zugehen ‘auf natürliche Weise geschehen’ (18. Jh.). – Unding n. ‘etw. Widersinniges, Torheit’, mhd. undinc ‘Böses, Schlechtes, Übel, Unrecht’, zusammengesetzt mit verneinendem un- (s. d.). dinglich Adj. ‘gegenständlich’, mhd. dinclich; vgl. ahd. thinglīh (10. Jh.), mhd. dingelich ‘gerichtlich’. Dings n. m. f. distanzierende oder abschätzige Bezeichnung für Personen und Sachen (16. Jh.), Ersatzwort für Eigennamen (18. Jh.), vgl. auch Dingsda n. m. f. (19. Jh.). dingfest Adj., vorwiegend dingfest machen ‘festnehmen, in seine Gewalt bekommen’ (19. Jh.); vgl. dazu das Gegenwort mhd. dincvlühtec ‘sich dem Gericht entziehend’. Dingwort n. ‘Substantiv’ (um 1900). dingen Vb. ‘in Dienst nehmen’, ahd. thingōn ‘Gericht halten, Urteil sprechen, streben’ (8./9. Jh.) und thingen ‘streben, hoffen, Gericht halten, eine Entscheidung herbeiführen’ (9. Jh.), mhd. dingen, auch ‘durch Verhandlung ausbedingen, mieten’, woraus sich die heute noch geläufige Bedeutung entwickelt. abdingen Vb. ‘abmieten, abhandeln, vom Preis herunterhandeln’, mhd. abedingen ‘ein Übereinkommen treffen, abhandeln’.
3573 Zeichen · 103 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    dinglichN.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    dinglich , N. Vw.: s. dingelich (3)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Dinglich

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    1. * Dinglich , adj. et adv. gerichtlich, zum Gericht gehörig, ein Wort, welches im Hochdeutschen völlig veraltet ist; S…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    dinglich

    Goethe-Wörterbuch

    * dinglich rechtsspr idVbdg ‘d-e Lasten’ für Realabgaben A(LA I 1,40,20) NachrBergb Ilmenau 28.8.83 [Eckardt BergwKomm] …

  4. modern
    Dialekt
    Dinglich

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Dinglich Band 3, Spalte 3,1730

  5. Spezial
    dinglich

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ding|lich adj. 1 (real) real (reai, -a) 2 (gegenständlich, konkret) concret (-ec, -a), material (-ai, -a). ▬ dinglich es…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit dinglich

18 Bildungen · 6 Erstglied · 8 Zweitglied · 4 Ableitungen

Ableitung von dinglich

ding + -lich

dinglich leitet sich vom Lemma ding ab mit Suffix -lich.

dinglich‑ als Erstglied (6 von 6)

Dingliche Klage

Meyers

dinglich·e·klage

Dingliche Klage ( Actio in rem ), im weitern Sinn im Gegensatze zur Klage aus einer Obligation eine jede Klage, bei der die Person des Bekla…

Dingliche Rechte

Herder

dinglich·e·rechte

Dingliche Rechte , sind Rechte an Sachen, entweder totale wie Eigenthum oder partielle (jura in re) wie Servituten, Emphyteuse, Superficies …

Dingliches Recht

Meyers

dinglich·es·recht

Dingliches Recht nennt man diejenige Machtbefugnis über eine Sache (s. Sache), die nicht aus der Verpflichtung eines andern Berechtigten sic…

dinglich als Zweitglied (8 von 8)

bedinglich

DWB

beding·lich

bedinglich , conditionalis: da er inen bedinglich, cum conditione implendae legis, das land Canaan zusaget. Mathesius 129 a ; bedingliche ab…

gedinglich

DWB

gedin·glich

gedinglich , adj. zu geding, wie dinglich ( s. d. ) zu ding, in der rechtssprache, mhd. und gewiss auch noch nhd.: mit gedinglichen worten. …

propstdinglich

DRW

propst·dinglich

propstdinglich, adj. einem Propstding (II) zugehörig so ein probestinglicher hagestolte na vestig jaren un drei weken afstörve, so schullen …

teidinglich

DRW

teiding·lich

teidinglich, adv. in der Art und Weise eines Teidings (IV), einvernehmlich haben die gemaindtsleut tedingelich abgeredt, ob ainer oder mehr …

Unbedinglich

Campe

unbeding·lich

○ Unbedinglich , adj . u. adv . so beschaffen, auf die Weise, daß keine Bedingung Statt findet, ohne Bedingung, nothwendig (absolut ). »Der …

wohlbedinglich

DWB

wohl·bedinglich

-bedinglich , adv. (17. jh. ), unter sorgsam formulierten bedingungen: so würde der hertzog ihnen ... nicht verdencken, das wieder allen nac…

ūsdinglich

Idiotikon

ūsdinglich Band 13, Spalte 571 ūsdinglich 13,571

Ableitungen von dinglich (4 von 4)

bedinglich

DWB

bedinglich , conditionalis: da er inen bedinglich, cum conditione implendae legis, das land Canaan zusaget. Mathesius 129 a ; bedingliche ab…

gedinglich

DWB

gedinglich , adj. zu geding, wie dinglich ( s. d. ) zu ding, in der rechtssprache, mhd. und gewiss auch noch nhd.: mit gedinglichen worten. …

verdinglichen

FiloSlov

verdinglichen , v овеществлять/овеществить , гл

Verdinglichung

FiloSlov

Verdinglichung , f овеществление , ср