Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
BLÔƷ adj.
1. bloß, nicht bekleidet.
a. in eigentlichem, wenn auch nicht immer wörtlich strengem sinne. er reit âne gewant unde blôʒ sam ein hant Erec 5400. er zarte abe sîn gewant, daʒ er wart blôʒ sam ein hant Iw. 124. ich stân aller fröiden rehte als ein hant blôʒ MS. 1,69. vgl. hendeblôʒ. blôʒ an beinen unde an armen Iw. 185. swer den stein hât in blôʒer hant Iw. 53. swâ ir der lîp blôʒer schein Iw. 58. diu nase niender blôʒ ganz behaart Iw. 26. disiu blôʒiu frouwe fuort im ungelîchiu kleit Parz. 261,23. swes ieman an si gerte des wâren si bereit: des gestuont dô vil der degene von milte blôʒ âne cleit Nib. 1310,4. warnet iuch gar junge und alte gegen dem winder; des ist zît. nieman blôʒer vor im halde MS. 2,36. a. der ruost stuont blôʒ ohne federn Bon. 39,51.
b. tropisch. daʒ blôʒe gevilde freie ebene feld Gregor 2591. der boum wart blôʒ unt loubes alsô lære Iw. 33. ein vil scharfeʒ wâfen truog er blôʒ an sîner hant Nib. 1888,4. daʒ swert blôʒ unt bar troj. 5559. — daʒ machet dick die liute blôʒ arm und dürftig Ls. 2,582. gotes wunder sint sô grôʒ, des menschen sin ist gein in blôʒ Vrid. 9,4. âne gewonheit diu natûr ist blôʒ Boner 65,4. daʒ wunder daʒ ist blôʒ offenbar (?) Frl. 314,2. Verstärkt wird blôʒ durch ein vorgesetztes al. diu kindelîn lâgen ûf dem bette al blôʒ Parz. 801,17. si sluogen in vil sêre nackent durch die stat, al blôʒ Barl. 129,25.
2. nicht bewaffnet. Êrec was blôʒ sam ein wîp 102. daʒ er âne wâfen blôʒ und gesellelôs ze velde kam Er. 2504. si wâren gewâfent sêre, sô daʒ an in niht mêre blôʒss wan daʒ houbet schein Iw. 245. swâ er in blôʒen sach Iw. 247. des lebens in dâ nâch verdrôʒ, mange âventiure suohter blôʒ Parz. 27,22. Gâwân dâhte 'dirre ist blôʒ: sîn wer ist gein mir harte laʒ Parz. 570,10. gewâpent reitʒ (daʒ ros) der tumbe man den tac sô verre; eʒ hete lân ein blôʒ wîser ein nicht tumber ohne harnisch (die flexion an wîser gilt für beide adjective) Parz. 161,19. wer jæhe mirs für êre grôʒ, ob i'uch slüege alsus blôʒ Parz. 607,30. mir ist als mære, daʒ si gewâfent sîn, als ob si blôʒe stüenden Nib. 1804. b. v. d. Hagen. welt ir dar blôʒer gân (weder schilt noch wâffen truoger an der hant) Nib. 2185. 2186. blôʒ al âne schilt Frl. 216,7. si sluogen die angeleiten zuo den blôʒen Rab. 598. — daher heißt die nicht durch den schild gedeckte seite diu blôʒe sîte: ein ausdruck der auch bildlich, oder sprichwörtlich gebraucht wurde. swâ man se wolt an rîten, daʒ was zer blôʒen sîten Parz. 257,22. sus was der wol gelobte man gerant zer blôʒen sîten an mit rede Parz. 299,14.
3. blôʒ wird schon im mhd. einem substantive vorgesetzt, um jedes andere substantiv von der rede auszuschließen. Wir gebrauchen jetzt in gleichem sinne auch das adverbium; aber ein adverbium (blôʒe) kennt die alte sprache meines wissens nicht. ich sanc hie vor den vrouwen umb ir blôʒen gruoʒ MS. 1,117. a. sol ich sô verderben unde alsô gar ersterben. daʒ (so des frhn von Laßberg hs.) von mir niht werde wan ein blôʒiu erde Barl. 34,38.
4. blôʒ mit einem subst. im genitive, so viel als ohne das was der genit. nennt. ich hete ungerne 'decke blôʒ' gerüefet Walth. 54,21. (so rief man wohl spottend den kleinen kindern zu, wenn sie sich nacket zeigten; vgl. L. s. 179). minnen solt wirt geholt volleclîche dâ ein man und ein wîp umb ir lîp lâʒent viere arme gân, decke blôʒ (einige zeilen nachher l. wunt st. funt) MS. 2, 34. a. frauend. 433,27. hôher muot gewan mit wîbe nie sô manege fröide grôʒ. Ich hân in bî dînem lîbe ofte funden decke blôʒ MS. 2,38. b. wîplîcher êre was si blôʒ Bon. 53,4. hemde blôʒ ohne hemd (so eine hs. Nib. 1066,3). kleider blôʒ Vrid. 124,19. dâ von wart er lebens blôʒ U. Trist. 3268. lônes blôʒ Bon. 45, 50. râtes blôʒ der kein brot im hause hat MS. 2,188. b. aller schimpfe blôʒ Parz. 437,17. aller sorgen blôʒ Bon. 4,30. trôstes blôʒ Bon. 57,8. aller vriuntschaft stâst du blôʒ Bon. 84, 40. des gestên ich vröiden blôʒ MS. 1,51. b.