BESCHEISZEN vb. ahd. biskîzan,
mhd. beschîzen,
mnd. beschîten.
im 18. u. 19. jh. nur selten bezeugt. 1 ‘
etwas, jmdn., sich (mit kot) beschmutzen, bekoten’ 11.jh.
oblite piscizzano
ahd. gl. 2,435,20 S./S. ⟨u1380⟩ der rock ist kurz, da pristet tuoch, / des siht man im die swarz bruoch, / die ist beschiessen und niergent ganz Altswert
52 LV. 14.jh. da von vint man mer wiegen vnd beschizzner winteln in den pfarrhoͤfen dann metten puͦch vnd pirmet hæut
gesta Romanorum 8 K. ⟨E14.jh.⟩ also di mule mit yren sten tud; / .. dreget man dar uf den sand, / si vorterbet sich danne alzu hand. / schotet man dar uf hartz ader beche, / so wirt dar van grosse gebreche, / wanne si beschissit sich unnd wirt glad Rothe
keuschheit 2627 DTM. 1479 du salt blaißen nit / in den drank ader spyße, / uff daz dyn speychel / der keyns beschyße
höf. tischzuchten 19 TSM. E15.jh. er bescheiß den pfaffen wol mit ruß / von dem haubt piß auf den fuß Rosenplüt
in: märendicht. 15. jh. 198 F. 1530 ich förcht, ich werd mich vor lachen bschissen!
N. Manuel
258 B. 1534
(bildl.:) an eim vnnützen boͤßen menschen soll sich nyemants bescheissen Eppendorff
Plutarch, sprüch 347. ⟨v1537⟩ den Nesli .., welcher aufm kirchhof zuͦ Unser Frauen die epitavien mit bluͦt beschissen hett
(Augsb.) chr. dt. städte 29,25. 1669 wenn man unter ein hüner-hauß weggehet, und der hahn bescheisset einen; so wird er glücke haben Praetorius
glückstopf 195. 1683 güldene müntze ist gar beqvem, man bescheißt die finger nicht so dran, als am kupffer-gelde Weise
Masaniello 112 HND. 1794 nicht wahr, das ist bei euch freiheit; die fenster einzuschmeissen / und das schloß in Mainz, wie die straßen, zu bescheißen? Laukhard
anekdoten 1,80. 1807 beschissene wäsche oder kleider
st(ark) beschmutzte, in: provinzialwörter 597a H. 1840 das neue geschlecht wird auch die beschissenen windeln sehen wollen, die seine erste hülle waren Heine
br. 2,368 H. 1927 seit ich mei erste windel beschisse hab .., weiß ich nix anders wie alleweil krieg und soldate Zuckmayer
Schinderhannes 60. 1939
(bildl.:) aber warum sollen sie nicht meine forschung bescheißen, da sie meine dichtung beschissen haben, was ihre bäuche hergaben? Th. Mann
Lotte 293. ⟨1970⟩ dicke fette tauben .. beschissen die lange rote fahne auf dem rathausdach Johnson
jahrestage (2006)219. 1998 tu dir das neue kleed ne glei wieder bescheißen!
wb. obs. mdaa. 1,218b ak. 2008 während sein
(eines gastes in einer fernsehsendung) rabe Corax ganz ungerührt die bühne bescheißt
tagesspiegel (26.2.)27b. —
übertr. ‘jmdn., etwas, sich entehren, in schande bringen’,
speziell ‘die weibliche ehre beflecken, frauen schänden’: 1475 rette
(die Rublin) sy
(die Ferrin) were als wol sin
(des eigenen mannes) huor gesin, ee er sy nem, als ir junkfrow; daruff die
F. iro antwurte: hat er mich dann beschissen, so hät er mich ouch wider geweschen
in: schweiz. id. 8,1339. 1509 dann sye die muͦter gottes gantz / on sünden rein all zeit predigen, / ir krentzly mit keinr sünd schedigen, / .. mit erbsünd ir den krantz beschissen Murner
1,1,11 Sch. ⟨1524⟩ das ein fürst, all weg unverhüret, allen menschen ire kinder, wyber, closterfrouwen beschisse Zwingli
3,418 E./F. 1531 es wurden die junckfrawen geschwecht, die matronen vnnd eerlichen frawen beschissen Hedio
Josephus 1,320a. 1548 dieweyl dann dein eyngang an das papstthuͦm̄ mit so vil meineyden geschendt vnd beschissen Stumpf
chr. 1,313b. 1555 das du das erlich und wolkönnent und zichtig meitlin bschissest Platter
br. 70 B. 2 ‘
jmdn. (um etwas) betrügen, übervorteilen’.
refl. ‘sich täuschen’: E13.jh. er sprach: ‘do muostu boeser nuz / von mir noch hiute enbizen, / wiltu mich sus beschizen, / du boese lottervalle!’ Appet
ritter 204 G. ⟨u1440⟩
(die ketzer) gobent sich für, sie weren gerecht, und beschissen domit .. das ganz römsch rich Windeck
denkw. 188 A. ⟨1.h15.jh.⟩ der fuchs gieng aber dahin / und gedacht in dem sinne sin, / wie er den wolf wölt beschissen
schweiz. kleinepiksamml. 9,51 ATB. 1530 die welt wil beschüssen sein; ist villeicht besser die Jüden dan die christen tuens Paracelsus
I 7,99 S. ⟨1537⟩ sturbe ich, so wurde sich die bestia, des babst legat, hoch erfreuen, aber sie sollen sich vber der freude weidlich bescheissen, denn sie werden ihren furbitter verlieren Luther
tischreden 3,392 W. 1615 unsere kriegsleuthe .. üben sich lieber in partiten zu machen, wie sie nur den herrn wacker bescheissen .. können Wallhausen
in: Frauenholz
heerwesen (1935)3,1,20. ⟨1645⟩ da fieng der bawer an zu beichten, vnnd bekandte daß er ja die obrigkeit im frucht vnd weinzehenden beschiessen Moscherosch
(unecht) gesichte (1646)3,317. 1716 ewer bruder .. hatt 20
m. francken verspilt mitt etlichen damen hir; ich glaub, sie haben ihn ein wenig beschißen, mitt verlaub, den sie haben die reputation, woll zu spillen können Elisabeth Ch. v. Orleans
br. 3,18 LV. 1794
(ein kardinal) antwortete als der pabst ihn fragte: wovon leben diese alle? ihro heiligkeit sie bescheisen einander K. E. Goethe
br. 51,272 K. 1846 Grün hat die arbeiter um
ca. 300 fr. beschissen, unter dem vorwande, eine broschüre .. in der Schweiz dafür drucken zu lassen Engels
in: Marx/E.
(1956)27,32. 1965 einer von euch beiden ist ein so ehrvergessener halunke, wie seit Kains und Josefs zeiten keiner seine leiblichen brüder beschissen hat Hacks
stücke 264. 2012 bescheißen wir die krankenkasse! machen wir einen auf dement, kassieren pflegestufe zwei und ziehen zusammen ins altersheim
berl. ztg. (25./26.8.)25b. 3
als part.adj. beschissen
zur (derben) pejorativen bewertung und beschimpfung von dingen und menschen ähnlich wie verflucht, verdammt
i. s. v. ‘
schlecht, minderwertig, widerwärtig’; auch ‘verlogen, hinterlistig betrügerisch’
(vgl. 2
): 15.jh. wenn ein einfeltiger .. ein beschissen Juden betreugt
fastnachtsp. 1,299 LV (anm. 1). 1526 da truckend sy
(die gegner) mich mit solcher läckery
(nichtsnutzigkeit) und beschißnen worten, das es nieman bas mercken kan weder sy Zwingli
5,121 E./F. 1548/64 es regenett fast und gar beschissenn wetter Dreytwein
essling. chr. 50 LV. ⟨1565⟩ der Luther werd selbs .. ein beschißner prophet sein vnd bleiben Nas
warhait 1(1567)27b. 1575 was solt auff dise beschissene antwort der Höralt anders thun, als sich wider zu seim hern Grantbuchier fügen Fischart
geschichtklitterung 344 HND. 1605 beschissen werck vnd gute wort / sind arger den diebstal vnd mord Petri
weissheit K 4b. 1644 es soll mit euch ein beschissen end nemmen Weidner
apophthegmata 3,288. ⟨1668⟩ ich dachte nicht an das beschiessene raben-aaß Weise
überflüssige gedanken 241 HND. 1865 die frechheit des herrn Schweitzer .. ist fabelhaft. aber was soll der beschissene hund auch machen Marx/E.
(1956)31,95. 1920 nichts freut und wärmt. alles ist öd, trist, beschissen Hesse
wanderung 70. 1931 mensch, frägst ’en siebenundachtzigjährigen, wie’s ihm geht. beschissen natürlich Fechter
land 426. ⟨1963⟩ „Scheiße!“ brüllte er nach ein paar minuten. „beschissene scheiße!“ Valentin
d. unberatenen (1965)85. 1967 im moment ist die lage beschissen Braun/B.
engel 273. 1972 ach, ist das eine beschissene zeit, wo sie einem solche lügen anbieten Kant
impressum 63. 2004 „und? wie läuft’s?“ fragte Achim. „beschissen“, sagte Frank Regener
Neue Vahr Süd 94. 2011 manchmal ist das leben einfach nur beschissen!
das magazin 3,36b. 4
phraseol. jmdn. bescheißt der ritt
(eine krankheit ein unhold, vgl. 1DWB 8,1051 ff. s. v. ritten
), der teufel
u. ä. als warnung vor eintretendem oder eingetretenem übel: 1521 wann du nit huͤner magst essen, so gysz du fisch, so dein nolbruͦder fleisch ist .. hat vns der ritt mit den münchen beschissen?
flugschr. ref. 3,55 C. ⟨1533⟩ wenn wir ymmer solten freud haben, so solt vns der teuffel bescheissen Luther
tischreden 1,244 W. 1549 was b’gerst du da? botz bluͦtigen darm / beger das nit, min tochter nit / vns bschisse alle dry der ritt Aal
Johannes 238 HND. 1561 ach, helfft mir wiederumb gewinnen / mein bachn, mich wirt der rit sunst bscheisen Sachs
14,225 LV. 1574 dann ich
(der narr) hab dirs vnder der rosen gesagt, vnnd solt es offenbar werden, das ichs gesaget hett, der teuffel beschiß mich Höniger
narrenschiff 25a. ⟨v1605⟩ sehe ich nicht / dorten von ferrn ein jungen stehn, / .. wenn er hett gehört vnsern rahtschlag / vnd brecht denselben an den tag, / vns solt wol all der teuffl bscheissen Ayrer
d. ä.
2,820 LV. 1654 nun must ihr die feinde zum lande nauß schmeissen, / sonst wird euch der teuffel zu letzte bescheissen Logau
sinnged. 172 LV.Arbeitsstelle