Barometer Vereinzelt mask. — Etwa 240 Belege, entsprechend vielfältig die Kompos. Zunächst nur vereinzelter Gebrauch des Wortes seit den 80er Jahren; zunehmend häufiger Gebrauch seit 1816/17 nach der Beschäftigung mit Howards Wolkenlehre u der Einrichtung meteorol Beobachtungsstationen in Sachsen-Weimar-Eisenach1),
bes gehäuft 1822/25 iZshg mit der Ausarbeitung einer meteorol Theorie2).
Nach dieser Theorie werden die Veränderungen im Zustand der Luft, die G als Veränderungen der ‘Elastizität’, ‘Schwere’, ‘Dichtigkeit(Dichtheit)’ od des ‘Drucks’3) beschreibt, nicht durch kosmische u atmosphär Bedingungen wie Kometen, Sonneneinstrahlung u Luftströmungen bestimmt; sie haben ihre Ursache in der als veränderlich gedachten Anziehungskraft der Erde. Dh das Barometer zeigt ein primäres, rein tellurisches Phänomen an, von dem alle Wettererscheinungen unmittelbar abhängig sind. Dies bezeichnet G als sein barometrisches Glaubensbekenntnis4). —
Bei den von G benutzten Instrumenten handelt es sich wahrscheinl immer um Quecksilberbarometer5).
Das ist auch die Grundlage für die Ersetzung von ‘Barometer’ durch ‘Quecksilber’, ‘lebendig Silber’, ‘Hermes’ bzw ‘Merkur’ (als Elementennamen) 1
als Gerät der meteorol Beobachtung u Messung, auch zur Wettervorhersage6), einmal zugl mit der Funktion der Höhenmessung; sehr häufig metonym für die Quecksilbersäule; zweimal idVbdg ‘Baro- und Thermometer’ als der beiden wichtigsten meteorol Instrumente Schaffe dir ein gutes B. an .. vergleiche sein Steigen und Fallen mit der Physiognomie der Atmosphäre, mit der Bewegung der Wolken GWBB45,5,12 Zelter [6.]9.28 Der größte Gewinn unserer meteorologischen Anstalten war mir die Anerkennung des entschieden gleichförmigen Ganges der B. in Bezug auf ihre Höhenstellung über dem Meere .. Ich finde mich im Stande, diese Gleichförmigkeit von Dublin bis Charkow nachzuweisen
7) GWBB45,319,8 Sternbg 29.6.29 [
betr die tägl Oszillation am Äquator] daß um Nachmittag .. das B. auf dem niedrigsten Puncte stehe; daß um 9 Uhr früh, und Abends um dieselbe Stunde, es am höchsten stehe GWBN12,100,12 Witterungslehre 1825 Diese Bestimmungen [
‘beständig, schön, unbeständig, trüb, Regen, Sturm’] sämmtlich hat man auf neuern B-n als empirisch, unzuverlässig .. weggelassen und zwar mit Recht: indem eine allgemeine, auf allen B-n gleichmäßig bestimmte Linie für die verschiedensten Ortslagen nicht hinreichte GWBN12,95,11u13 Witterungslehre 1825 Das B. ist in steter Bewegung, wir können uns in dieser Jahrszeit keine beständige Wittrung versprechen GWBB12,170,8 Schiller 27.6.97 [
üb CMDepretz, Traité élémentaire de Physique, 1825] vermißt man die Beschreibung des B-s, insofern es zu den Höhemessungen dient GWBB40,308,7 Stark dJ 23.2.26 K GWBB6,373,6 CarlAug 18.10.84 GWBN12,7,12 Wolkengest GWBN12,98,13 Witterungslehre 1825 GWBN12,161,2 JenMuseenSternwarte GWBN13,484,10 Met Plp
uö einmal metonym für die barometr Kurve Die beiden am niedrigsten gelegenen [
Orte] .. zeichnen sich dadurch aus, daß das B. von der größten Tiefe, langsam, aber stetig, bis zu großer Höhe steigt, ein gradliniges Steigen und Fallen immer beibehält, die Veränderungen gewöhnlich im rechten Winkel .. vollbringt GWBN12,70,10 BaromSchwankungen
vereinzelt metonym für den Barometerstand Hoher
B.: Trockenheit, Ostwind; tiefer
B.: Nässe, Westwind; dieß ist das herrschende Gesetz, woran ich mich halte Gespr Eckerm 11.4.27
uö 2
als Indikator der pulsierenden Erdanziehungskraft u ihrer Auswirkungen auf den Zustand der Atmosphäre; in systemat u theoriebezogener Betrachtung; teilw metonym für die Quecksilbersäule Die erhöhte Anziehungskraft der Erde, von der wir durch das Steigen des B-s in Kenntniß gesetzt sind, ist die Gewalt die den Zustand der Atmosphäre regelt GWBN12,103,24 Witterungslehre 1825 Die zweite .. Bewegung [
des Erdkörpers], die wir einer vermehrten oder verminderten Schwerkraft gleichfalls zuschreiben, und sie einem Ein- und Ausathmen vom Mittelpuncte gegen die Peripherie vergleichen; diese darzuthun haben wir das Steigen und Fallen des B-s als Symptom betrachtet GWBN12,102,5 Witterungslehre 1825 Das B. gibt uns eine unmittelbare Andeutung von einer großen Naturerscheinung, von der ab- und zunehmenden Schwere der atmosphärischen Masse, daher darf dieses, was wir hier vor Augen sehen, ein Grundphänomen genannt werden GWBN12,83,7 Witterungslehre 1825 GWBN12,85,5 Witterungslehre 1825 GWBN11,215,12 Luft [1805] Gespr Eckerm 2.6.23
uö 3
metonym für die pulsierende Erdanziehungskraft bzw die sich verändernde Luftbeschaffenheit als primärer Ursache der atmosphär Erscheinungen; teilw personifiziert Die Methode, das B. als hauptwirksam bey allen atmosphärischen Erscheinungen anzusehen, hat mir sehr gefruchtet, ja mich beynahe übermäßig in diesem Fache beschäftigt GWBB37,181,18 Schultz 9./19.8.23 Das B. .. kümmert sich weder um Nähe noch Ferne jenes großen weltbewegenden Gestirnes [
der Sonne], es .. übt ungestört seine großen Hauptwirkungen aus, die Wasserbildung der Atmosphäre zu bejahen oder zu verneinen .. Hierauf glauben wir denn das B., und mit ihm den Erdball von allen übrigen äußeren Einwirkungen befreit zu haben GWBN12,67,12u22 BaromSchwankungen daß das B., sich erhebend, wüthenden Stürmen gebieten und den Himmel wieder aufklären kann GWBB44,280,5 Ottilie 18.8.28 K Und so hat denn dießmal das B. sein quos ego
8) entschieden ausgesprochen .. die Atmosphäre war vollkommen gereinigt .. Es ist doch, wie überall, auch in der Weltgeschichte: sobald Carl Martell auftritt, so klärt sich der Wust auf GWBB45,7,22 Zelter 8.9.28 Ebb’ und Fluth der Atmosphäre | Denk’ sich’s jeder wie er kann! | Will mich nur an Hermes halten; | Denn des B-s Walten | Ist der Witterung Tyrann GWB3,362 ZXen VI 1752 GWBB40,427,4 Döbereiner 26.12.25
uö 4
in meteorol Bed übertragen auf ein Musikinstrument u im Rahmen einer erweiterten Metapher auf den menschl Körper; im Vergleich u in zT erweiterten Metaphern als Indikator eines geistig(-polit) Klimas, einmal auch iS der metonym Bed von 3 als auf die geistige Atmosphäre einwirkende Kraft Sie [
der Harfner u seine Tochter] trügen ihren B. mit sich, und das sey die Harfe. Wenn sich der Discant hinaufstimme, so gebe es gutes Wetter
9) GWB30,15,11 ItR Wenn wir in einem bessern Clima wohnten; so wäre viel anders, ich bin der dezidirteste B. der existirt
10). Wie aber die schweere der Lufft und ihre Wärme nicht mit einander gehn, so macht mir deine Liebe auch ein besonder Clima GWBB5,99,4 ChStein 28.3.81 daß eine Bildung, die über das Ganze geht, auch dem Einzelnen zu Gut kommt, ohne daß man begreift, wie sie ihn berühren kann. Ein B. deutet im verschlossensten Zimmer genau den Zustand der äußern Luft an GWB42
2,27,10 Rez:Hiller,Ged ist die Einwirkung jener großen politischen Atmosphären-Veränderung [
durch Napoleons Rückkehr von Elba] an jedem, selbst dem stillsten häuslichsten B. zu spüren GWBB25,278,8 Knebel 22.4.15 Genauer als sonst werde ich die Tagesschriften .. lesen .. und es sollte mir sehr angenehm seyn, wenn diese B. des Zeitgeistes eine bessere Witterung andeuten, als ich mir erwarte GWBB24,153,21 Bucholtz 14.2.14 Freylich lasten die Schulnebel [
der Newton-Schule] zu schwer auf den Überliefernden .. wer weiß aber ob das B. der Vernunft nicht so hoch steigen kann, um jenen dichten Dunstkreis auf einmal zu zerreißen GWBB49,152,23 Boisserée 24.11.31
uö → GWB
Reise- vgl GWB
Glas GWB
Hermes Merkur Quecksilbersäule Quecksilber Röhre(Toricellische R.) Silber(lebendig S.) Wetterbübchen Wetterglas Wetteruhr 1) Die meteorol Stationen, an deren Einrichtung G im Auftrag von CarlAug wesentlich beteiligt war, unterstanden auch in den folgenden Jahren seiner Oberaufsicht. Als Vorbild ist bei ihrer Einrichtung die 1780 vom Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz gegründete Societas Meteorologica Palatina mit ihrem Beobachtungsnetz wirksam; vgl KSchneider-Carius, G-s Erlebnis u Erforschung der atmosphär Erscheinungen, GOETHE 12, 1950,294. 2) Nach ersten Andeutungen im Tgb der ital Reise 1786 trug G seine Hypothese in einem Vortrag 1805 u in der redigierten ItR vor; zu einer umfassenden Theorie entwickelt sind diese Überlegungen in der 1822/23 entstandenen ‘Meteorol Nachschrift’ (von der WA veröff unter dem Titel ‘Über die Ursachen der Barometerschwankungen’) u in dem ‘Versuch einer Witterungslehre 1825’ (letzteres publiziert erst nach G-s Tod durch Eckerm in den ‘Nachgelassenen Werken’ 1833). 3) von ‘Schwere’ u ‘Druck’ spricht G mehrf nur in eingeschränkter Form; begründet ist dies in der theoret Grundvorstellung: dieser [
der Dunstkreis] hat weder Schwere, noch übt er irgend einen Druck aus, sondern stärker angezogen [
von der Erde] scheint er mehr zu drücken und zu lasten GWBN12,61,10ff BaromSchwankungen
4) Vgl GWBB39,87,3 CarlAug 17.1.25 GWBB45,317,1 Schultz 29.6.29 —
Die Behauptung, daß G-s Theorie von der nachfolgenden Meteorologie ignoriert worden sei, wie es unter anderen Ficker (FuF 8,1932,95f) u Beurlen (GHb2 1961 s v Barometer) darstellen, muß eingeschränkt werden. Zum Fortwirken der G-schen Vorstellung in der romant Naturphilosophie vgl Carus (Natur u Idee, 1861, zB 186u193), der von einer “Atmung der Erde” spricht, die die Spannung der Atmosphäre, wie sie das Barometer anzeige, ändere. 5) Zur G-schen Vorstellung von der Geschichte des Barometers, insbes der Erfindung des Quecksilberbarometers durch Toricelli vgl GWBN11,215ff Luft. —
Auch die Bezeichnung ‘Wetterglas’, die G gelegentl (6 Belege, davon 5 vor 1800) benutzt, ist wahrscheinl nur der populäre Name für das Quecksilberbarometer u nicht die Bezeichnung eines speziellen Instruments (vgl Wetterglas). Neben dem Barometer kennt u besitzt G als Meßgerät für die ‘Verdichtung der Luft’ ein Manometer, d. i. eine an einem Waagebalken sich hebende u senkende luftleere Glaskugel; doch sieht er im Barometer das eindeutig überlegene Gerät. 6) zu G-s teilw skept Haltung der Wettervorhersage gegenüber vgl GWBB39,59,6ff Reinhard 26.12.24
u GWBB45,189,6ff Zelter 4.3.29
7) bereits HWBrandes hatte in seiner Arbeit ‘Beiträge zur Witterungskunde’ 1820 auf Grund der Beobachtungen des pfälzischen Stationennetzes von 1783 die entgegen der G-schen Annahme bestehende Unterschiedlichkeit der Luftdruckverteilung festgestellt, s HvFicker, Bemerkungen üb G-s ‘Versuch einer Witterungslehre’, Die Naturwissenschaften 23,1934,83 8) =
“euch (werde) ich (hart strafen)”: sprichwörtl für eine Strafandrohung nach dem Zuruf Neptuns an die Winde, die entgegen seinem Willen gestürmt hatten (Aeneis I 135) 9) die Darmsaite, mit der auch das populäre Wetterhäuschen konstruiert ist (vgl Wetteruhr), liefert durch Ausdehnung u Verkürzung hygroskopische Angaben u dient damit wie das Barometer der Wettervorhersage 10) zur Frage der Wetterfühligkeit G-s vgl WMHSchulze, G u die Meteorologie, Wiss Annalen 6,1957,105fElke Umbach E. U.