Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bürdene stswF.
1.1 allgemein
1.2 speziell eine bestimmte (Trag-) Last, ein Bündel von etw. bezeichnend
1.3 bildl. (z. T. in 2 übergehend)
2 ‘was einen belastet, bedrückt, Bürde’
3 ‘finanzielle Belastung, Abgabe’
4 ‘Leibesfrucht’
5 ‘Fülle, volles Maß’
1 ‘das, was getragen wird, Last; Gewicht’ 1.1 allgemein: der esel [...] treit die puͤrde PrOberalt 165,19; ein borjen [Tragegestell] hat er in den handen, da lag ein burdi uffe glich der erde Mechth 7: 11,4; der mensch hât grœzer achseln dann kain ander tier nâch seiner grœzen, daz ez dâ mit trag und hab sein pürd BdN 19,10; des cypressen holz [...] ist gar vest, alsô daz ez grôz und swær pürd mag auf gehalten und getragen ebd. 319,14; davon sitzt ez [ ertreich ] in der mittel ungwegleich von seiner sweren puͤrd KvMSph 10,8 1.2 speziell eine bestimmte (Trag-) Last, ein Bündel von etw. bezeichnend: – Getreide, Gras, Dung: vnde sol der banwart deme [für das Pferd] sniden an den fuͦrhoͮbetten [vordersten Ackerstücken] einv burde kornes vnde [...] einv burde grases UrkCorp (WMU) N 306,34; achzich burdi gvͦtis buwes [Dung] ebd. 842,13; auch sont die vorgen. lenlüte jerliches in die reben legen 80 burdinen guotes rinder buwes SchweizId 4,1543 (a. 1334). – Holz, Pfähle, Ruten, Bücher usw.: do bant er ûf sinen sun eine burde wites Spec 102,17; einen tumben man, / dern mac nochn chan / eine burde holzes niht erwegen StrKD 94,31; Märt 15783; UrkCorp (WMU) 1295,10. 3304AB,20; swer pfele verkauffet, der sol die buͤrden mit 50 pfeln gebunden habe und niht mer WüP 60,2; wie sy doch geslagen wurde, / daz zebrochen wurde ein purde [Ruten] / mit grozzen slegen ann yr Märt 11954; von hôher liste buochen / brâhtes’ [Pallas] eine bürde, / dar an bewæret würde / ir witze und ir bescheidenheit KvWTroj 1043; der fenix [...] machet im ain nest auf den paum von weirauch, von mirren [...], und wenn diu sunn ir hitz auf daz nest wirft, sô wæt der fenix zuo mit seinen vetachen, unz diu pürd des edeln dinges enprint BdN 186,31. – eine aus Reisigbündeln bestehende Vorrichtung zum Fischfang, ‘Fischreuse’: wie manig burdi ieglicher vischer legen sol SchweizId 4,1544 (a. 1304) 1.3 bildl. (z. T. in 2 übergehend): diu bercswære bürde / der verwâzenen huote / diu lac in in ir muote / swære alse ein blîgîner berc Tr 17844; o crux benedicta, / aller holze besziste [...]. / ja truogen din este / di burde himelisce VEzzo 378; o wi, wie suͦze purde darane [am Kreuz] hangote, do diu vil edelen lider sant Marien chindes darane gehohet waren Konr 11,20; daz du [Maria] die burde, / die er uf sich nam, / do er in dise werlt cham, / mit samt ime huobest SüklV 79; die bürde süntlîcher gir / wirf durch den guoten got von dir RvEBarl 11123; swaz chleiner sunde ein mensch hat, / [...] got samnet si alle gemeine / und machet dar uz eine / so groz und so swære, / daz dem armen sundære / diu burde wirt berchmæzzich / und wirt nimmer antlæzzich StrKD 129,217 2 ‘was einen belastet, bedrückt, Bürde’ od wie möhte sich gevüegen daz / daz sî mir gnædec würde / nâch alsô swærer bürde / mîner niuwen schulde? Iw 1616; si hieten die puͤrde des langen tages und der grozzen hitze getragen. si trugen grozze puͤrde und liten grozziu arweit, die juden vor gotes geburt, von der haidenscheft di si an vachten PrOberalt 49,11; da von was im [dem armen Ritter] not genuͦc, / daz im daz silber wrde, / daz im sin swæriu burde / geringet wrde etewaz StrKD 41,24; igelicher, swâ er muge, der trage des anderen burde StatDtOrd 48,32; er dâhte an Vîvîanzes tôt, / wie der gerochen würde, / unz daz sîn jâmers bürde / ein teil gesenftet wære Wh 79,30; der strengen minne bürde / twanc sô vaste sînen lîp / daz er durch daz schœne wîp / wær in den grimmen tôt gevarn KvWHerzm 132. 574; SM:KvL 6:2,3; SM:Te 8:1,12; der dise bürde an sich neme / und der uns ze schirme zeme Iw 7859; diz dûhte ein swære bürde / den got [Jupiter] [...], / daz ir einiu [eine der drei Göttinnen] disen prîs / enphienge dâ besunder / und die zwô dar under / beliben sînes lobes vrî KvWTroj 1582; hie ligt mein purd allermaist, / wie sich der hailig gaist frumt / und wunderleich von in paiden kumt KvMSph 3,11; ime were di richtum / uf deme gotis wege ejn swere burde Litan 862; wand swelich menschen irdeschú ding nit ein swere burdin sint, der mag vor gotte nit heissen ein warer geistlich mensche Mechth 6: 4,16 3 ‘finanzielle Belastung, Abgabe’ vnde das die burger desde lihter dise burdi getragin mugin, so sun sv̓ vngelt nemin gemeinlich UrkCorp (WMU) 1142AB,32; der menschen der stat zw Trint, die da mitleident [mittragen] die purde [...] der stat StatTrient 158; [sie] sollen nuͦ furbaß so gethane bedte und sture geben und reichen von dem selben gute, also die [...], die das selbe gut vor inne hatten, [...] wanne die burde dem gut billich nachfulget StRMiltenb 305; do wurdent funden vnd ernüwret dü reht, swaerung, burdenen vnd tragnüst der höfe vnd der lüte ze Hoengg WeistGr 1,5 (a. 1338) 4 ‘Leibesfrucht’ mac ain wîp zwuo burde insamt tragen? Kchr 3588. 3592; din muter truͦc aine salige purde; / got wile daz du geborn wurde Rol 5901; daz du [Anna, Mutter Marias] swanger wurde / cheiserlîcher burde Wernh 614; unt ir [Marias] lîbes burde / nie bekuchet wurde / von deheines mannes gelphe ebd. 3681; selik ist div purde, / daz wuͦcher deiner prust / an aller svnde gelust ebd. A 2200. A 2390; MarlbRh 52,26. 97,17 5 ‘Fülle, volles Maß’ ob im [Jason] gelücke mêrte / der sælikeite bürde, / daz im diu wolle würde KvWTroj 7207; wisheit sunder wan, / die aller salden bürde treit Mügeln 91,8; dû swebest oben / ob aller êren bürde LobGesMar 54,8; ich wenne, daz nie wibe / [...] ald ie vrowe wurde, / die ganzer tugenden burde / so lieplich hat an sich gelait, / so din vrowe vil gemait JvKonstanz 1338; alle die sie an sahin, / daz den [...] / ir vil liehten ougen / also vinster wurden / uon ir schonheit burden, / wan von ir lip fine / giengen solhe schine, / die so clare luhten Martina 96,12
MWB 1 1136,1; Bearbeiter: Tao