athmen ,
spirare, halare, bei Lohenstein
Arm. 1, 34
noch athemen,
ein und aus athmen. 11)
intransitiv, leicht, ruhig, schwer, unruhig athmen; solange ich athme,
lebe; er athmet noch,
lebt noch; noch athmest du (
kind), frei von der erde sorgen. Gotter 1, 173; und furchtbar musz Orest, so lang er athmet, sein. 2, 29; ach mit ofnen armen stand ich gegen den abgrund, und athmete hinab! hinab! Göthe 16, 152; wir in reichen geboren und athmend (
lebend), welche sich beständig an einander reiben. Klinger 10, 4; under disem last ahtemen. Weckherl. 467; frei athmen macht das leben nicht allein. Göthe 9, 7; ein eigentlicher lebemann, der frei und practisch athmet, hat kein ästhetisches gefühl. 6, 73; zerrissen ist der bange schleier, der unsern bund der welt entzog, und deine Lyda, Heinrich, athmet freier. Gotter 1, 287.
aber nicht blosz menschen oder thiere athmen,
auch der übrigen natur wird ein athmen,
gleichsam duften, wehen, leuchten beigelegt und selbst abstracten vorstellungen: und der morgen athmete kalt. Klopst.
Mess. 7, 54. 14, 20; und es wehete schon leise, als athme der morgen vor der sonne her. J. Paul
flegelj. 3, 130; süsz, wie die athmende luft (
spirans aer). Göthe 16, 173; wie athmet rings gefühl der stille. 12, 139; und rosengedüft ... athmete ringsum. Voss
weihe an Stolberg 16; Mirjam, sein auge verlischt und schwerer athmet sein leben. Klopst.
Mess. 10, 507; lieder, aus denen zufriedenheit und ruhiges vergnügen athmete. Wieland 6, 91; seelenvolle melodien, aus welchen schöne gefühle athmen; aller deutschen dichter, in deren werken der geist der unvergänglichkeit athmet. 1, iv; in deinen augen athmete beredsamkeit. Platen 165. 22)
transitiv, wie auch lat. spirare aliquid: wenn ich dies frische leben regsam athme. Klopst. 2, 94; nur einzelne kalte wort athmete sie. 7, 19; gleich einer lichten wolke mit goldnem saum, erschwebt die dichtkunst jene gewölbte höh der heitre, wo, wen sie emporhub, reines gefühl der entzückung athmet. 2, 25; doch, was er noch athmete, waren flüche wider sich selber, dasz ihn ein schauer so täusche.
Mess. 6, 326; aller, die sterblichkeit athmen. 16, 148; in einem hause, wo alles freude athmete. Wieland 1, 75; zu den füszen einer lauter liebe und wollust athmenden Danae. 1, 257; ich athme reine luft, freiheitsluft, freiheit; es athmet der hain balsamische düfte. Gotter 3, 431; nichts ist bezaubernder als der eintritt in diese heiligen mauern. alles athmet ruhe. 3, 10; ihre stille bescheidenheit athmet eine liebevolle begierde. Göthe 19, 78; er soll freier luft athmen. 7, 133; und eine frische gabe, die auf langer fart beklommnen reisenden erfrischung athmet. 9, 381; mir schlug das herz, ich athmete turnier. 41, 268; aber kühnheit athmend .. zogen die Griechen. Bürger 206
a.
aus dieser fügung entspringen die zusammensetzungen: blutathmend, himmelathmend, liebeathmend, racheathmend, rosenathmend, wollustathmend
bei Wieland, wellenathmend
bei Göthe.
Beide ausdrucksweisen können einigemal tauschen: in dem garten athmet es stille,
oder der garten athmet stille.
auch läszt die intransitive weise sich der transitiven oft gleichstellen, sobald man den acc. luft
hinzudenkt. vgl. ausathmen,
einathmen.
Ganz transitiv wurde athmen
in einem jetzt erloschnen sinn gebraucht für trocknen, der luft aussetzen: darumb man auch ofen und spor wol abdrücknen, athmen und abderren lesset, damit im gestübe nichts feuchtes bleibe. Mathesius 148
a.