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Asbest

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Asbest

Bd. 1, Sp. 842
Asbest (v. griech. asbéstos, »unverbrennlich«). Mineralien, die dick- oder feinfaserige, elastisch biegsame Aggregate von weißlicher, grünlicher oder bräunlicher Farbe darstellen, oft seidenartigen Glanz zeigen, teils fettig, teils mager anzufühlen sind und zu Hornblende und Serpentin in enger genetischer Beziehung stehen. Sie finden sich daher auch meist in Gesellschaft dieser Mineralien, die bisweilen so allmählich in A. übergehen, daß eine bestimmte Grenze nicht anzugeben ist. Die chemische Zusammensetzung des Asbestes ist sehr schwankend; der Hornblendeasbest ist wasserfrei, der Serpentinasbest aber enthält Wasser. Man unterscheidet: Amiant (v. griech. amianthos, »unbefleckt«, Bergflachs, Byssolith), oft sehr lange, seine und biegsame, weiße bis grünliche Fasern mit seidenartigem Schiller, ist ein dem Aktinolith gleich zusammengesetzter Hornblendeasbest und kommt besonders in Hornblendegesteinen in Gestalt von Schnüren, in Talk- und Chloritschiefer, auch in Kalkstein vor und ist zuweilen in Bergkristallen und Kalkspat eingeschlossen. Er findet sich auf Korsika, in Steiermark, Tirol, Piemont, Savoyen, am St. Gotthard, zu Oisans in der Dauphiné und im Gouv. Perm, wo er bei Newjansk einen ganzen Berg bildet. Schillernder A. (Chrysotil, v. griech. chrysos, »Gold«, und tilos, »Faser«) ist ein weicher, in seinen Fasern biegsamer Serpentinasbest mit lebhaftem hellmetallischen Seidenglanz, meist lauch- und ölgrün, wenig durchscheinend, durchsetzt in Platten und Schnüren in parallelfaseriger Zusammensetzung den gewöhnlichen Serpentin, mit dem er in chemischer Hinsicht vollkommen übereinstimmt; er findet sich besonders bei Reichenstein, Zöblitz (Sachsen), in den Alpen etc. Eine Abart dieses schillernden Asbestes ist der weiße oder hellgrüne Leukotil (v. griech. leukos, »weiß«) von silberähnlichem Seidenglanz. Unreinere Varietäten sind der gemeine A. mit gröbern, weniger biegsamen Fasern sowie der Bergkork (Bergleder, Bergpapier), bei dem sich die filzartig ineinander gewobenen Fasern schwer voneinander trennen lassen. Letzterer ist matt oder wenig schimmernd, undurchsichtig, grau, grün, braun und kommt in Serpentin und Hornblende führenden Gesteinen vor, am St. Gotthard, in Tirol und Spanien, auch auf Erzlagern in Schweden. Beim Bergholz (Sterzing in Tirol, Kanada) sind braune Teile zu einer holzartigen Masse fest verbunden. – Italienischer und griechischer Amiant wurde von den Alten zu unverbrennlichen Tafel- und Leichentüchern (asbestinum) verarbeitet. Nach Pausanias besaß die goldene Laterne der Minerva in Athen einen Docht aus karystischem Flachs. Irokesen und Huronen haben aus A. Kleider hergestellt, und in Urua fertigen die Eingebornen aus A. Gefäße. In Sibirien trägt man Handschuhe, in den Pyrenäen und in Como fertigt man mittelfeine Spitzen aus A. Die neue Asbestindustrie verarbeitet A. aus den Gruben von Quebec, die 1878 entdeckt wurden und neun Zehntel des in der ganzen Welt verbrauchten Asbestes liefern, 1898: 15,892 Ton. Rußland, Schweden, Tirol, Ungarn, Italien, Korsika, Sibirien, Südamerika, Südafrika, Australien liefern weniger A. Kurzfaseriger A. (Asbestolith) wird in Sall Mountain in Georgia gewonnen. In der Regel sind die Fasern glatt und seidenartig, die kanadischen gekräuselt, 5–6 cm lang, spez. Gew. 2,5. Der blaue A. vom Kap ist länger, feinfaseriger, viel leichter als italienischer und kanadischer. Die durch Sprengarbeit gewonnenen Blöcke werden auf Kollergängen oder Walzmühlen zerkleinert und durch Maschinen in lang- und kurzfaserige Ware gesondert. Die langen Fasern werden zu Garn, zu Seilen und Schnüren meist mit etwas Baumwolle versponnen (12,000 m seiner Asbestfaden wiegen 1 kg). Seile aus A. vom Kap sind etwas leichter als Hanfseile und besitzen zwei Drittel ihrer Haltbarkeit, während sie durch Witterung weniger leiden. Asbestgewebe werden aus reinem Asbestgarn oder mit Kette aus Baumwolle, Wolle, Seide, Draht hergestellt und überall benutzt, wo Feuersicherheit in Betracht kommt. Schürzen und Gewänder aus Asbestkautschuk dienen in Hüttenwerken zum Schutz gegen spritzenden Metallguß und strahlende Hitze. Asbestschnüre benutzt man in der chemischen Technik und zum Befestigen der Glühstrümpfe. Kurzfaseriger A. wird mit Papierbrei oder einem andern Bindemittel gemischt und zu Papier, Pappe verarbeitet. Das Papier dient zu Dokumenten, Theaterdekorationen; Asbestpappe als Wärmeschutzmittel, zur Erhöhung der Feuersicherheit (Türen, Vorhänge etc.), zu Dichtungen an Dampfmaschinen etc. (auch Schnüre), zu Füllungen in Geldschränken, als Einlegesohlen, als Isoliermaterial in der Elektrotechnik etc. In Pulverform mit Wasserglas und Mineralfarben gemischt, liefert A. feuersichern Anstrich (Asbestemail). Aus kurzfaserigem A. gewinnt man durch Druck und Brennen bei hoher Temperatur eine porzellanartige Masse. Sehr ausgedehnte Verwendung hat A. in den verschiedensten Formen im Baufach gefunden, namentlich um Bauteile der Einwirkung des Feuers zu entziehen, zur Errichtung von Scheunen, Arbeiterhäusern, Baracken, Pavillons, Tropenhäusern etc. Vgl. Luschin, A., dessen Vorkommen und Verarbeitung in Österreich-Ungarn (Wien 1890); Jones, Asbestos, its properties, occurrence and uses (Lond. 1890); Röll, Der A. und seine Verwendung (Geestemünde 1901).
5266 Zeichen · 64 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Asbêst

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Asbêst , des -es, plur. von mehreren Arten, die -e, ein thonartiger Stein, welcher dem Amianthe sehr nahe kommt, nur…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Asbest

    Goethe-Wörterbuch

    Asbest unverbrennbares Mineral eine halbe Stunde von Schleiz gleich an der Chaussee .. Durch die Haupt- und Nebenklüfte …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Asbest

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Asbest , griech., bedeutet unverbrennlich; Krystalle der Hornblende (des Strahlsteins und Temolits), bisweilen, jedoch s…

  4. modern
    Dialekt
    Asbest

    Südhessisches Wörterbuch

    Asbest Band 1, Spalte 355-356

  5. Spezial
    asbest

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    asbest [as·bęst] m. (-sć) Asbest m. ◆ stöp de asbest Asbeststaub m .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit asbest

11 Bildungen · 9 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

asbest‑ als Erstglied (9 von 9)

asbestartig

GWB

asbest·artig

asbestartig A-er Kiesel, von dem Escurial B39,320 Grüner 8.3.25 K Brigitte Mattausch B. M.

Asbestik

Meyers

Asbestik , der kurzfaserige und pulverförmige Teil des Asbestes, der nach dem Ausziehen der längern Asbestfasern verbleibt und zur Herstellu…

asbestinus

MLW

asbestinus (abe-) , -i m. asbestus — Bergflachs : Albert. M. miner. 2,2,1 p. 31 a ,22 absicti virtus videtur esse imitans ab-um abestinum . …

Asbestmörtel

Meyers

asbest·moertel

Asbestmörtel , Mörtel aus Asbestik mit wenig Kalk, Gips oder Zement und Wasser, wird wie gewöhnlicher Wandputz behandelt. Er zeichnet sich d…

ASBESTOSE

DWB2

ASBESTOSE f. durch asbeststaub verursachte erkrankung d. lunge. mit dem in d. spr. d. medizin geläufigen suffix -ose, aus grch. -ωσις, zu as…

Asbesttrümmer

GWB

asbest·truemmer

Asbesttrümmer ein mächtiger Gang von Kalckspath-Hornstein .. es kommen A. [Ausbestrümmer T2,23,19 v Aug 90 Hs eines unbekannten Schreibers ]…

asbest als Zweitglied (2 von 2)

F_s;der-Asbếst

Adelung

Der F_s;der-Asbếst , des -es, plur. inus. S. Adelung Federweiß .

strahlasbest

DWB

strahl·asbest

strahlasbest , m. : Jacobsson 4, 310 a ; Krünitz 175, 173 ; vgl. unten strahlglimmer, -gips. u. s. w.