ALLGEWALTIG adj. mhd. algewaltec.
in bedeutung u. gebrauch der verwendung 1
u. 2
mit allmächtig 1
u. 3 c
weitgehend übereinstimmend. 1
i. s. v. ‘allmächtig’ als attribut gottes: ⟨u1280⟩ as weirlich wir des sin gewis, / dat godes son algeweldich is, / so moisse hei it hude selve wrechen Hagen
in: chr. dt. städte 12,153. ⟨E13.jh.⟩ herre got algeweldiger, ich bin ein pilgerim und ein zukuͦmelinch vor diner herschaft
altdt. pred. 1,27 Sch. ⟨1349⟩ tuo uf dinen munt und enpfoh den grossen algewaltigen herren in dem heiligen sacramente in dirre halben ostien
Nicolaus v. Basel 148 Sch. ⟨1377⟩ daz du mich alsus besworen hast bi der heilgen ewigen algeweltigen trivaltikeit, wanne ich hie von iren wegen bin
ebd. 316. ⟨u1600⟩ es hat mich aber der allgewaltige gott nicht ganz und gar im kummer und sorgen stecken lassen, sondern mich auch mit freuden gestarket Schweinichen
lieben 3,241 B. 1657 ich .. beschwor sie hefftig durch den allgewaltigen gott, versprach und schwur, dass ich dieses ungerechte und böse werck nicht mehr begehen wolte Gryphius
trauersp. 268 LV. 1707 weil denn .. dergleichen hefftige grosse sonnen-finsternis .. keinen menschen bekannt ist, so ist kein zweiffel, daß der grosse allgewaltige gott hiermit auch grosse veränderungen in der welt andeuten wollen J. G. Schmidt
speculationes 384. 1781 auf solche weise aber können wir doch .. einen einigen weisen und allgewaltigen welturheber annehmen? Kant
reine vernunft 646 Sch. ⟨1943⟩ alles unheil .. komme dem menschen davon, daß er nach außen lebe und nicht nach innen, daß er sich den geschöpfen ergebe und nicht dem allgewaltigen gott Weismantel
trinität (1966)297. 1983 der allgewaltige gott
Duden, universalwb. 60a. —
substantiviert; geläufiger beiname (eines) gottes, vgl. allmächtig 2: 1619
(die gesandten) wüntschen, das der allgewaltige alle anschläge, consilia intentiones genedig dahin dirigiren wolle, damit dieselbten zu seines namens ehre .. gedeien mögen
acta publica 2,218 P. 1759 o höchster Zeus, du allgewaltiger Steinbrüchel
Oedipus 66. 1779 sie
(regenten, richter) thronen mit Christo und sind mit ihm, dem allgewaltigen, thätig Herder
9,215 S. ⟨1822⟩ seid mir
(Medea) gewärtig, götter! höret mich / .. allgewaltige, lauscht meinem rufen! Grillparzer
55,51 S. 1938 aller menschen schicksal scheint in die obhut eines allgewaltigen und allgütigen gelegt Unger
germanin 12. ⟨1943⟩ seine hand, die den stift hielt, zitterte, da er die unvollkommenheit seines vermögens vor den geheimnissen des allgewaltigen erkannte Weismantel
trinität (1966)308. 2
von personen, herrschern, unbeschränkte (voll)macht besitzend, macht ausübend: 1667 weil er nicht so knechtisches gemüthts war, daß er den leuten schmeicheln konte, auf welches der cardinal als allgewaltiger austheiler der ehren-ämter sehr viel hielte
Bussy-R., liebs-gesch. 197. ⟨1827⟩ zu jener zeit ließ es der allgewaltige minister nicht an stoff zu solchen gesprächen fehlen Hauff
1,225 F. ⟨1827⟩ genius der vergänglichkeit. willst du mich zum gaukler dingen, / mich, den allgewalt’gen tod? Raimund
233 C. 1850 die alte Brigitte, .. die allgewaltige beschließerin des hauses Gutzkow
ritter 1,283. 1874 seine bemühung, der allgewaltige herr und leiter der universität zu sein Mohl
lebenserinn. 1,57 K. 1899 um den dogmatischen machtsprüchen des allgewaltigen sekretärs und diktators der berliner akademie der wissenschaften entgegenzutreten Haeckel
welträthsel 209. 1923 der könig allein, .. zum ersten mal seit dreissig jahren verlassen vom allgewaltigen berater Hofmannsthal
in: n. dt. beitr. 1,2,40. ⟨1947⟩ sie besetzen eine ganze provinz, sind allgewaltig da, lassen keine weißen heran, keinen priester eines andern ordens Döblin
Amazonas (1973)548. 1965 doch schon damals saßen im westdeutschen
(fußball)verband allgewaltige funktionäre
wochenpost 18,29b. 1989 die „traditionalisten“, die andere starke strömung
(in der Colorado-partei Paraguays), würden gern auf einen allgewaltigen diktator verzichten
berl. ztg. (1. 3.)4b. —
substantiviert: 1787 so daß in den spätern zeiten die ersten allgewaltigen Roms Marius und Sulla aus dem volk waren Herder
14,165 S. ⟨1895⟩ daß er hier doch wohl an seinem rechten platz sei, einstweilen die rechte hand des allgewaltigen
(d. ministers) und in nicht zu ferner zeit in diesem glänzenden wagen allein Heyse
[1924] II 2,138. 1947 die ernennung des allgewaltigen der deutschen bank .. zum finanzwirtschaftlichen berater in der britischen militärverwaltung Norden
lehren 252. 1968 er rannte .. um die ecke des ganges, um dann atemlos vor dem allgewaltigen zu stehen, der das letzte kriegsjahr als nationalsozialistischer führungsoffizier am Starnberger See verbracht hatte Winzer
soldat 448. 3
allg., auf unterschiedliche (sach)gegenstände, erscheinungen u. vorgänge bezogen, ‘
sehr groß, sehr stark, von unbegrenzter, unwiderstehlicher macht’ ⟨v1688⟩ anno 1633. erwiese der gütige gott seinen allgewaltigen schutz an flüchtigen gebirgern Lehmann
schauplatz (1699)392. ⟨1773⟩ sehen sie diese veilchen! .. die allgewaltige kraft der sonne lockt sie aus der erde hervor
F. Nicolai
Nothanker 1(1776)214. 1780 jener allgewaltige mammon, dem die herberge unter meinem dache gar nicht ansteht – das geld Schiller
23,15 nat. 1783
(die liebe) ist rauh und gelinde, lieblich und schröklich, kraftlos und allgewaltig
journal Tiefurt 261 H. 1798 das publikum, acteur und statisten wurden mit ihm fortgerissen in dem allgewaltigen feuerstrome Iffland
laufbahn 53 DLD. 1800 die allgewaltige/ notwendigkeit, die auch das freie wollen/ der könige zwingt, gebot mir diese tugend Schiller
9,128 nat. 1803 auch ganze städte hat die allgewaltige zeit begraben Klinger
welt u. lit. 1,183. ⟨v1817⟩ o sehnsucht allgewaltig, / halb dunkel, halb bewußt Schenkendorf
s. ged. (1837)54. ⟨1822⟩ deswegen wird es auch bald so wenig diener wie herren auf erden geben, sondern nur eine allgewaltige confusion .. und dann heißt es am ende doch, der gemeine mann taugt nichts Tieck
(1828)14,266. ⟨1823⟩ vernehm’ ich nicht die allgewalt’gen schwingen, / die der natur erhabner geist bewegt
ebd. 13,236. ⟨1862⟩ der arzt sträubte sich nicht gegen das allgewaltige geschick, dem er mit aller kunst noch keinen hatte entreißen können Spielhagen
s. rom. (1895)5,154. 1889 es ist eine übermächtige, allgewaltige thatsache, dieses gefühl. man kanns nicht thun oder lassen, man thuts u. man muß es thun? Freytag
br. an gattin 381 S.-F./W. 1965 am schluß steht man da mit seinem können und seinem wissen, diesen scheinbar allgewaltigen schätzen Kraft
menschen 404. 1972 da geht nun Boschs landloper durch eine welt, über die das allgewaltige grau ausgeworfen ist Schuder
Paracelsus 360. —
hier oft auch adverbial: ⟨v1791⟩ indessen erfordert keine andere gattung von musik einen so festen, bestimmten und allgewaltig durchschlagenden tact Schubart
tonkunst 332 Sch. 1803 doch unerbittlich, allgewaltig treibt / des augenbliks gebieterstimme mich / an das entwohnte licht der welt hervor Schiller
14,15 G. 1836 und so zieht mich jede bedeutende erscheinung allgewaltig an Hebbel
III 1,87 W. ⟨1893⟩ in tiefen, scheinbar lang ersehnten schauern / dringt’s allgewaltig auf mich ein Hofmannsthal
kl. dr. (1907)1,66. 1911 bist du ein mensch, du hörtest diese weise; / du lauschtest einmal schon dem himmelslied, / das allgewaltig seine bunten kreise / in jede brust, um jede seele zieht Preczang
prologe 145.Braun