älteste,
adj. u.
adv. 1) Überhaupt, was schon eine Zeit lang, oder auch eine lange Zeit da ist, oder gedauert hat, besteht. Er ist noch gar nicht alt. Ih bin bald dreißig Jahr alt; auch wol mit Weglassung des alt: ich bin bald dreißig Jahr. Er ist der Ältere von beiden. Mein Rock ist älter als der deinige. Er ist unter uns der Älteste. Ein alter Baum. Ein alter Mann. Es besteht unter ihnen ein alter Gebrauch, eine alte Sitte. Er wohnt in einem alten Hause. Er stammt aus einem alten Hause,
d. h. aus einer Familie, die seit alten Zeiten bekannt ist. Kurze Röcke zu tragen ist schon eine alte Mode. Alte Tage, die Tage des Alters. Er hat sich so viel erworben, daß er in seinen alten Tagen (in seinem Alter) gemächlich davon leben kann. Jung gewohnt, alt gethan, wie man sich in der Jugend gewöhnt hat, so ist man im Alter. Jung und Alt werden auch als Sachwörter gebraucht für Junge und Alte. Und überall, allüberall Auf Wegen und auf Stegen Zog Jung und Alt mit Jubelschall Den Kommenden entgegen. Bürger. So auch der Alte, die Alte, die Alten, für, alte Personen. »Alter, du bist nicht klug!« Voß. Unsre Mutter ist eine gute Alte, die keine Freude stört. ≠ I manchen, besonders
N. D. Gegenden, wird die Hebamme die Alte genannt, weil dazu alte Personen gewählt werden. — Х Von dem Umstande, daß die Alten wegen ihrer mehrern Erfahrung ein größeres Ansehen haben, mehr geachtet sind, oder doch sein sollten als die Jungen, rührt wahrscheinlich die Benennung her, welche man der höchsten Karte, oder dem höchsten Trumpfe in der Deutschen Karte, dem Eichelober giebt, welchen man vorzugsweise den Alten nennt. Auch der Grünober, der jenem an Range nahe kömmt, wird so benannt, und beide zusammen heißen die beiden Alten. Hieher gehören einige uneigentliche Bedeutungen, in welchen alt gebraucht wird und in welchen der Begriff einer verhältnißmäßig langen Dauer Statt findet. Er ist mein alter Freund, ist schon seit langer Zeit mein Freund. Ein alter Krieger, einer der schon lange in Kriegsdiensten ist. Ein alter Fuchs, Schalk, Sünder, einer der dies schon lange ist, es als solcher also weit gebracht hat. Eine alte Liebschaft. Alte Liebe rostet nicht. Was alt ist, ist gewöhnlich auch mehr bekannt, als etwas, das erst seit kurzen da ist. Daher der Ausdruck: das ist etwas Altes, etwas Bekanntes; auch mit diesem Zusatze, das ist eine alte, bekannte Sache. Was alt ist wird unscheinlich, verliert sein schönes Ansehn, man setzt also jenes für dieses. Sie wird vor der Zeit alt, verliert ihr gutes junges Ansehn früher, als es den Jahren nach sein dürfte, daher die unbillige Gewohnheit, alles unscheinlich gewordene, Schlechtere und Geringere alt zu nennen. Manche Sachen verderben, wenn sie alt werden. Daher: altes Fleisch, alte Butter , für riechend, zäh, unschmackhaft I den Bergwerken nennt man einen alten Mann, einen ehemahls gebaueten aber wieder verfallenen Stollen, und in den alten Mann bauen heißt, ein verschüttetes Grubengebäude wieder aufräumen. 2) Was schon länger, früher da war, in Hinsicht auf etwas Jüngeres, Späteres, für früher, älter. Alte Handwerke, solche, die in einem Lande oder Orte früher zünftig waren, als andere. Alte Gewerke im Bergbaue, solche, die eine Zeche zuerst zu bauen angefangen haben. Die alten Dichter, die alten Griechen, Römer, Deutschen, in Gegensatz der spätern oder neuern. Die Schriften des alten Testamentes, in Gegensatz der des neuen. Eine alte Ausgabe ist nicht so brauchbar als eine verbesserte neue. So auch Х die Alten, für Ältern, in Gegensatz der Jungen, der Kinder. Was werden unsre Alten nicht für Freude haben! Was wird sein Alter dazu sagen! Da ist das ganze Nest mit den Jungen, sammt der Alten. Sprichw. Wie die Alten sungen, so zwitscherten die Jungen. Plinius der ältere, in Gegensatz des jüngeren (Senior, junior). 3) Was ehemahls da war, geschah. Die alte und neue Zeit. Die alten Zeiten sind nicht mehr. Die alte Deutsche Redlichkeit. Die alte Geschichte, die Geschichte der alten Zeiten. Ein Haus in altem Geschmack, oder im Geschmack der Alten,
d. h. nach Griechischer oder Römischen Bauart. Die alten Bewohner Ialiens kamen aus Griechenland und Asien. So auch, die Alten, die Menschen, die lange vor uns gelebt haben, besonders die alten Griechen und Römer. Die Alten lesen. Die Kunstwerke der Alten emsig betrachten. Er hat seine alte Wohnung wieder bezogen, die er vor Zeiten schon einmahl bewohnte. Die Stadt hat ihre alte Freiheiten wieder erhalten. »Wie fürchte ich mich, diesen angenehmen Traum zu vertieren und wieder in meinem alten Jammer zu erwachen!« Lessing. Es bleibt noch immer beim Alten. Х Das alte Lied, die alte Leier, immer dasselbe, dieselbe Klage Alt wird häufig in Zusammensetzungen gebraucht, wo es dann auf die alten Zeiten, in welchen etwas war, geschah, oder auf den Zustand, in welchem sich etwas vor alten Zeiten befand, zurückdeutet. Altdeutsch, altenglisch, altgriechisch Der Altbritte, der Altdeutsche I Folgenden werden von solchen zusammengesetzten Wörtern nur diejenigen aufgeführt, welche sehr gewöhnlich sind, und in Schriften vorkommen. Wenn der höhere Grad von alt, älter, als Beilegungswort gebraucht wird, so wird ihm die Beilegungssilbe er angehängt. Ein älterer Mann als er ist mir nicht bekannt. Ir Brief ist ein älterer. Unrichtig ist es aber zu sagen, je älterer er wird, desto schwächer wird er.