Der
Úmschlag, — es, Mz. — schläge. 1) Der Zustand, da etwas umschlägt, sich auf eine gewisse Art verändert; ohne Mehrzahl. Der Umschlag des Wetters, des Windes, des Glückes , die plötzliche Veränderung desselben. † I Umschlag gerathen, sich plötzlich verändern. »Ih merkte ihm seinen Umschlag ab.« Reiske. Der Umschlag des Weines, des Vieres, der Milch ist der Zufall, wenn sie plötzlich verderben. I manchen Gegenden nennt man auch eine zu frühzeitige Geburt einen Umschlag. 2) Der Zustand, da etwas plötzlich und schnell umfällt. Henisch. 3) Die Handlung, da man etwas umschlägt; ohne Mehrzahl. Der Umschlag einer Spielkarte, die Handlung, da man sie umschlägt oder schnell auf die rechte Seite wendet. I weiterer Bedeutung, sofern umschlagen, von Waaren gebraucht, auch umsetzen bedeutet, im
N. D., der Umsatz der Waaren und des Geldes; dann auch, ein jeder Handel. So sagt man im
N. D., sein Umschlag hat nicht viel zu bedeuten, sein Handel ist unbedeutend. I einigen
N. D. Städten wird daher auch ein großer Jahrmarkt, wo Waaren umgesetzt, Geldsummen zurückgezahlt und von neuen belegt werden, der Umschlag genannt,
z. B. der Kieler Umschlag. 4) Dasjenige was umgeschlagen wird oder ist. So nennt man (1) an Kleidungsstücken einen am Ende umgeschlagenen Theil, welcher den Rand bedeckt, einen Umschlag. Noch häufiger nennt man das einen Umschlag, worein etwas geschlagen wird, was man leicht und locker um ein Ding befestiget. So ist der Umschlag um eine Waare, um ein Pack, dasjenige, worein man sie gewickelt hat. Bei Tüchern, Zeugen bedeutet es auch die äußere, um das Stück geschlagene Lage, welche gewöhnlich besser und sorgfältiger bearbeitet ist als das Übrige. Der Umschlag um eine Zeitschrift, das Blatt Papier, welches um dieselbe anstatt der Decke befestiget ist. Der Umschlag eines Briefes, das um den Brief gebrochene, beschnittene und versiegelte Papier (Couvert). Der Umschlag um einen kranken Theil, ein Heilmittel, welches zwischen Leinwand gelegt oder womit die Leinwand bestrichen oder befeuchtet wird, welches man um den kranken Theil schlägt,
d. h. legt. Einen Umschlag von warmem Weine machen. Umschläge verordnen. I der Pflanzenlehre führen verschiedene Arten der Bekleidung einzelner Theile der Pflanzen den Namen Umschläge. a) Die äußere eigenthümliche Haut des Samens, welche den Samen entweder ganz oder zum Theil, oder so bedeckt, daß sie nur in der Gegend des Nabels an demselben hängt, sonst aber überall von der Schale getrennt ist (Arillus); auch Samenhaut, Samendecke, Hautgranne. b) Eine Art Haut, welche eine oder mehr Blumen umgiebt, sich immer in einiger Entfernung von den Blumen befindet und den Doldenpflanzen vorzüglich eigen ist (Involucrum); auch die Hülle. c) Die dünne, auf verschiedene Art zerreißende Haut einiger Bauchpilze, unter welcher der Same oder ein Samen tragender Körper liegt (Peridium). Er ist einfach (simplex), wenn er aus einer einfachen Haut bestehet; doppelt (duplex), wenn er aus zwei über einander liegenden Häuten besteht; nicht zerreißend (non dehiscens), wenn er niemahls zerreißt; zerreißend (dehiscens), wenn er in Stücke zerplatzt ; netzförmig (reticulatum), wenn er fein durchlöchert ist und das Ansehen eines Netzes hat. d) Bei dem Strunke, eine an der Inenseite des Holzes anliegende, weiche, gefäßreiche Lage, welche das Mark umschließt (Corona). Iliger. (2) Eine umgeschlagene Karte. (3) I Deichbaue, eine große Krümmung an den Deichen, wenn diese
z. B. um einen großen Deichbruch herum geschlagen oder geführt worden. 4) † Zins, Gewinn, Wucher. I Bergwesen werden alle Zinsen Umschlag genannt. Zuweilen führen aber nur die ungebührlichen Zinsen von Zinsen diesen Namen.