zwischenzeit,
f. ,
ein im 17.
jh. nur vereinzelt, seit dem 18.
jh. häufig belegtes kompositum. 11)
eine zwischen zwei zeitpunkten gelegene zeitspanne. 1@aa)
die zeitspanne ist genau bestimmt durch zwei festliegende zeitpunkte, ereignisse oder vorgänge, zwischen denen sie gedacht wird: apyrexia ist die zwischenzeit in den fieberen von einem ansprung zu dem anderen, so man in den dreytägigen fieberen den guten tag heisset Blancard
mediz. wb. (1710) 60; erwarten sie mich also zu anfange des künftigen monats zuverlässig und brauchen sie diese zwischenzeit, alles nach ihrem besten gutdünken einzuleiten (1769) Lessing 17, 302
L.-M.; die oberstatthalterin beschlieszt, das gutachten des versammelten staatsraths zu erwarten; doch verhält sie sich in dieser zwischenzeit nicht müssig Schiller 7, 189
G.; (
sie erzählten einander), was sie während der langen zwischenzeit betroffen A. v. Arnim
s. w. 3 (1857) 147; in der immerhin mehrere menschenalter betragenden zwischenzeit zwischen den begebenheiten und ihrer aufzeichnung D.
F. Strausz
ges. schr. (1876) 3, 99; für die zwischenzeit möchte er sich nach Potsdam ... retten Justi
Winckelmann (1866) 1, 316; einer der römischen feldherren dieser zwischenzeit ... gelangte ... bis über die Elbe Mommsen
reden u. aufs. (1905) 334.
die bestimmtheit verblaszt beim fehlen des artikels oder demonstrativpronomens: ... sind die höheren vulkane durch lange zwischenzeit von ruhe charakterisirt A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 238; wie die Luxemburger fürsten nicht gleich von vornherein, aber nach kurzer zwischenzeit den erledigten thron der deutschen kaiser eingenommen ... hatten Ranke
s. w. (1867) 25, 60; die beschäftigung ... hat mich, wenn auch nicht wörtlich in arbeit, so doch wieder (nach undenklicher zwischenzeit) in wärme gebracht (1906) Rilke
br. 1 (1950) 137; in knappe zwischenzeit (
zwischen Göthes erstem u. zweitem besuche bei Willemers) aber war das ereignis von geheimrat Willemers heirat mit Marianne Jung, seinem pflegekinde, gefallen Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 274. 1@bb) zwischenzeit
kann auch die bedeutung von '
übergangszeit', '
zwischenzustand'
erhalten: eine zwischenzeit zwischen leben und tode zur vorbereitung auf den letzten anwenden Kästner
verm. schr. (1755) 1, 234; eine gewisse zwischenzeit der blüthe zwischen samenkorn und reifer frucht der kultur Herder 5, 397
S.; für alle die romanisch redenden länder muszte freilich eine art von chaotischer zwischenzeit entstehen Fr. Schlegel
s. w. (1846) 1, 206; die zwischenzeit und übergangsperiode von der dumpferen symbolik zu bewuszterer weisheit und allgemeinheit Hegel
w. (1832) 10, 1, 511; es ist nicht sommer, nicht winter. diese unglückliche zwischenzeit macht, dasz sich keine physiognomie der tagesordnung dauernd ausprägen kann Gutzkow
ges. w. (1872) 7, 164; wir ... bezeichnen diesen abschnitt (
das erste drittel des 15.
jhs.) als zwischenzeit auf die beiden sich ablösenden weltanschauungen des idealismus und naturalismus Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1920) 180. 1@cc)
die verbindung 'in der zwischenzeit'
kann den charakter der bestimmtheit (
vgl.a)
aufgeben und die unbestimmte, adverbiale bedeutung von '
inzwischen'
annehmen: ein brief des Zeno, der in der zwischenzeit in dem rathe der republik seinen sitz genommen hatte Haller
Usong (1771) 135; in der zwischenzeit erfuhr ich, dasz der herzog in der gesellschaft sei (1779) J. G. Forster
s. schr. (1843) 7, 127; in der zwischenzeit war auch etwas von essen und trinken angelangt Göthe I 21, 259
W.; gewiss hat er in der zwischenzeit manches zugelernt D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 1, 6; in der zwischenzeit hatte der tapfere sergeant ... seinen abschied erhalten v.
d. Steinen
naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 12; es hatten sich aber diese erlebnisse in ihren (
der männer) augen in der zwischenzeit sehr verwandelt Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 261. 22)
mehrere, in einer zeitreihe iterativ vorgestellte zwischenzeiten: welches licht durch gewisse zwischenzeiten oder staffeln des zunehmers je mehr und mehr anwächst Franckenberg
gemma magica (1688) 9; die empfindungen sind kurz ... und lassen nichts hinter sich, wodurch die zwischenzeiten des genusses ausgefüllt werden könnten Cramer
nord. aufseher (1758) 3, 346; leider muszte er (
Serlo) den beifall, den er an glänzenden abenden erhielt, in den zwischenzeiten sehr theuer bezahlen Göthe I 22, 112
W.; Saul ist verrückt, und weiss es, dass er's ist; und nicht blos in seinen lichten zwischenzeiten, sondern während der anfälle, ist er sich seines wahnsinns bewusst Börne
ges. schr. (1829) 1, 21; ich esse und trinke ohne die geringste beschwerde ... und brauche ... in den zwischenzeiten nichts mehr (1866) Stifter
briefw. 5 (1928) 234; (
es) würde ... die höchste gewalt auch in den zwischenzeiten dem parlament verbleiben Ranke
s. w. (1867) 4, 75; selbst in den zwischenzeiten des groszen und leidenschaftlichen seelendarstellers (
Donatello) ... liegt ein näherer zusammenklang mit dem norden Pinder
d. kunst d. ersten bürgerzeit (1937) 303.
unbestimmter: was zu gewissen zeiten geschieht, aber mit abwechselnden zwischenzeiten gedacht wird Jahn
w. (1884) 1, 69.
die zeitspannen können durch singularform als einzeln erlebte hervorgehoben sein: alle wochen durft' ich eine nacht zu ihr wandeln, die schien mir eine minute, die zwischenzeit sechs jahre zu seyn Bräker
s. schr. (1789) 1, 77; (
den landvogteien) von der ersten ordnung darf ein mann nur einmal vorstehen, denen von der zweiten zweimal, denen von der dritten dreimal; aber nie ohne zwischenzeit Stolberg
ges. w. (1820) 6, 211.
aber auch adverbial verblaszt zur bedeutung '
ab und zu', '
gelegentlich': das thier zieht ... in zwischenzeiten ... das wasser ... ein (
tintenfisch) Oken
allg. naturgesch. 5 (1835) 524; in Brenken ist mama total verliebt; das war sie aber immer, so oft sie ihn gesehn hat, und nur in der zwischenzeit zuweilen etwas schwankend durch das viele, was sie dagegen hörte (1837) A. v. Droste-Hülshoff
br. 1, 235
Sch.-K. seltener wird ein gesamter zeitraum mit seinen einzelnen abschnitten oder perioden gemeint: wer die geschichte des menschlichen geistes in allen zwischenzeiten zwischen Homer und uns kennet Herder 3, 199
S. —