zuthulich,
zuthunlich,
adj.,
taucht zuerst im anf. des 18.
jh. auf: sie hätten zwar bewährte gründe dagegen beigebracht, und solche in dem antwortsschreiben nach der regierung gesand, wie es eine nicht zuthunliche sache wäre Fr. W. Petersen
leben (1717) 89,
also eine sache, die nicht zu thun wäre, woraus sich hier die form zuthunlich
erklärt. bald darauf in der heutigen bedeutung: munter, hertzhafft, arbeitsam, zuthunlich, gefällig, nicht eigensinnig sein, wie er ist, kann den weg zu glücke wohl bahnen Chr. G. Wendt
ein roman ohne roman (1730) 140.
und so erscheinen gegen ende des 18.
jh. s zuthulich
und zuthulichkeit
für das ältere zuthätig,
s. d. w., auch den bel. dort aus Heynatz.
früher beleg für zuthulich: die zuthulichsten leute Lichtenberg
br. 1, 16,
für zuthulichkeit
schr. d. Göthe
ges. 16, 101, Lavater
an Göthe 219; Herder 8, 70
S. das wort wird zwar hie und da in der umgangssprache beobachtet, ist aber kein eigentlich und ursprünglich mundartliches wort. die formen zuthulich
und zuthunlich
gehen nebeneinander bei denselben schriftstellern: zuthulich Tieck 1, 128; zuthunlich 20, 200; zuthulichen Stifter 2, 275; etwas ... zuthuliches 1, 244; zuthulich Bismarck
an Gerlach 159; zuthunlich
an s. braut 587; zuthuliche Gervinus
gesch. d. dtschen dicht. 5, 68; zuthunlicher 3, 29; zuthuliche Holtei
erz. schr. 17, 1; zuthulich 36, 223; zuthulich Fontane I 4, 382; I 6, 314; zuthunlich I 2, 457. Arnim
schreibt zuthulich 3, 187; 9, 252, Tieck
meist, Bettine
und Clemens Brentano
schreiben zuthunlich (T. 19, 388; 15, 364; Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 78;
Cl. Br. s frühlingskranz 62, Brentano 4, 228, Gutzkow
ist für zuthunlich
ges. w. 2, 21; 2, 28; 3, 271;
ritter vom geiste 2, 356,
ebenso Holtei
erz. schr. 1, 58; 5, 29; 13, 215,
wogegen G. Keller
entschieden zuthulich
schreibt. die unterscheidung kann auf landschaftlicher lehrgewohnheit beruhen, und diese gründet sich einerseits auf etymologischer auffassung, anderseits auf der beobachtung des klanges und seiner hervorbringung. nach etymologischer erwägung müszte zuthulich
geschrieben werden, dagegen sträubt sich das naive gefühl, das sich an leute, 'die sich zuthun'
erinnert fühlt. der lautbeobachtung aber will es scheinen, als ob zuthunlich
die klangvollere form wäre, die besonders in der prädicativen verwendung gebraucht würde, während die andere der attributiven angehören würde. doch läszt sich aus den belegen eine bewuszte unterscheidung nicht erkennen, wie sie auch nirgends versucht zu sein scheint. zuthulich
bezeichnet die bethätigung einer freundlichen gesinnung, die zwischen der natürlichen und der geflissentlichen hin und her spielt: ein groszer schwarzer kater ... machte sich sehr z. Brentano 4, 228; als dieser ehrenmann das mädchen ... nach seiner manier vertraut gemacht zu haben glaubte, wollte er ... zuthulich werden Melchior Meyr
erz. aus d. Ries 3, 60; den kriechenden, zuthulichen bedienten Spielhagen 1, 7; je freundlicher und zuthulicher Lydia wurde, desto ungewisser und zweifelhafter wurde ich G. Keller 4, 51; so nahm er ... herzlich und z. ihre hand Fontane I 4, 382; überall ... gewann er durch seine zuthuliche gutmüthigkeit die herzen der menge Treitschke 2, 332.
dafür auch zuthuisch henneberg. Reinwald; Spies. —
dazu zuthulichkeit, f., zuthunlichkeit: was soll des menschen z.? (
des zudringlich-beflissenen)
an Lavater schr. d. Göthe
ges. 16, 101; lieblichkeit suchte sie in ... z. Herder 8, 70
S.